Stand: 30.04.2018 05:00 Uhr

Kieler entscheiden über die Zukunft des Flughafens

von Andreas Schmidt

Es bleibt genügend Zeit im Tower, um zwischendurch mal einen Kaffee zu trinken. Etwa 50 Flugbewegungen am Tag zählt die Statistik des Flughafens Kiel über das Jahr gerechnet. Sportflieger, Geschäftsleute, Touristen, die einen Rundflug gebucht haben. Keine Linie fliegt Kiel mehr an, der Ausbau für den Verkehr mit größeren Jets ist schon vor Jahren gescheitert. Der Wind streicht über 100 Hektar Rasen, der das ganze Jahr über einen Mitarbeiter beschäftigt. Die Stadt Kiel muss für den Betrieb jedes Jahr 200.000 Euro zuschießen - es waren allerdings auch schon einmal zwei Millionen.

Flughafen wichtig für Transplantationsmedizin

Und zwischendurch landet auch ein Jet mit einer Ladung, für die jede Minute zählt: Allein im vergangenen Jahr sind 44 Spenderlebern auf diesem Weg ins Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) nach Kiel gekommen, um transplantiert zu werden. Felix Braun leitet dort die Sektion klinische Transplantation. Er sagt, er sei auf den Flughafen in Kiel-Holtenau angewiesen: "Mit jeder Minute, die ein Organ länger transportiert wird, sinkt die Qualität des Organs. Damit steigt das Risiko für den Patienten, die Überlebenschancen sinken." Im Zweifel müsste ein Patient dann ein neues Spenderorgan bekommen. Die Spendenbereitschaft ist aber weiter niedrig, die Organe daher sehr knapp, die Wartelisten lang.

Flughafen-Gegner wollen Platz für neuen Stadtteil nutzen

Lydia Rudow von den Grünen für die Schließung des Flughafens - trotz der Argumente bezüglich der Spendenorgane. "Das UKSH rettet Leben, nicht der Flughafen", sagt die Politikerin, die die Initiative "Wir machen Stadt" mit gegründet hat. Die Initiative hat durchgesetzt, dass die Kielerinnen und Kieler per Bürgerentscheid den Flughafen schließen können. "Hier könnte ein neuer Stadtteil entstehen, mit kostengünstigen Wohnungen, mit innovativem Gewerbe", sagt Rudow.

Was wird aus dem Flughafen Kiel?

Alternative: Hubschrauber-Transport für Organe möglich?

Im Übrigen sei es mit neuartigen Verfahren mittlerweile möglich, die Qualität von Spenderorganen länger haltbar zu machen. Gemeint ist das sogenannte Organ Care System. Dieses System ist allerdings noch in der Erprobung, Transplantationsmediziner Braun hält es für "Zukunftsmusik". Im Übrigen sei der Plan der Flughafengegner, Organe nach Lübeck-Blankensee zu fliegen, um sie dann mit dem Hubschrauber weiter zu transportieren, nicht praktikabel: "Das widerspricht den Richtlinien der Bundesärztekammer, die den Hubschraubertransport nur in Ausnahmefällen und ab einer Mindestentfernung vorsehen."

Breites Bündnis wirbt für Erhalt des Flughafens

Mittlerweile macht ein breites Bündnis aus der Kieler Politik und Gesellschaft mobil für den Erhalt des Flughafens. Wenn die Wirtschaftsbetriebe auf dem Gelände eine längerfristige Perspektive bekämen, hoffen die Befürworter, dann könnte sich auf dem Flughafen auch mehr Aktivität entwickeln. Seit mehr als 100 Jahren gibt es den Flugbetrieb in Holtenau. Ob das auch so weitergeht, entscheiden die Kielerinnen und Kieler am 6. Mai.

Die Argumente von Befürwortern und Gegnern

Das Bündnis "Wir machen Stadt" setzt sich für den Bürgerentscheid ein. Es fordert, dass der Flugplatz geschlossen und ein neuer Stadtteil errichtet wird: Die Argumente als PDF (wie sie die Wahlberechtigten erhalten haben)

Die Ratsversammlung der Stadt Kiel lehnt den Vorschlag des Bündnisses ab und plädiert für den dauerhaften Weiterbetrieb des Verkehrslandesplatzes: Ihre Argumente als PDF (wie sie die Wahlberechtigten erhalten haben)

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 22.04.2018 | 19:30 Uhr

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