Stand: 04.09.2020 05:00 Uhr

Kieler Woche: Top-Segler am Start

von Frauke Hain

Die Corona-Starre - so nennt es die Kieler Seglerin Susann Beucke - ist vorbei, zumindest für die Segler, die ab Sonnabend von Kiel-Schilksee aus ihre Regatten starten. "Für viele Segler waren die letzten großen Veranstaltungen im Januar, Februar und seitdem haben sich die internationalen Teams nicht mehr in einer Segelregatta gemessen", sagt Regattaleiter Dirk Ramhorst. Damit ist die Kieler Woche fast die einzige Veranstaltung von Weltklasse-Niveau in diesem Jahr. "In sechs olympischen Bootsklassen haben wir fast die Top-Ten der letzten Olympischen Spiele und der letzten Weltmeisterschaften derzeit gemeldet. Wir sind gespannt, wer aufgrund der Reiseeinschränkungen dann wirklich kommt", so Ramhorst.

Der Hafenbereich des Olympia-Zentrums in Schilksee ist für Besucher gesperrt. Interessierte können die Segelwettbewerbe aber über den Online-Livestream unter www.kiel.live verfolgen.

Tina Lutz (r) und Susann Beucke in der 49erFX-Klasse bei einer Wettfahrt im Rahmen der Kieler Woche. © picture alliance/dpa Foto: Frank Molter
Die Kielerin Susann Beucke (l.) und Tina Lutz wollen auf ihrem Heimrevier das Olympia-Ticket lösen.
Olympia-Qualifikation auf der Kieler Woche

Zu den Höhepunkten zählt unter anderem die deutsche Seesegel-Meisterschaft. Sowohl die internationalen Klassen des ersten Teils (5. bis 8. September) als auch auch die Wettfahrten in den olympischen Disziplinen (10. bis 13. September) sind stark besetzt. In vier olympischen Bootsklassen zählt die Kieler Woche mit für die nationale Olympia-Qualifikation. Bei den 49ern und im 49er FX ist es das Finale. Nach der Kieler Woche steht damit fest, wer nominiert wird. Im Nacra 17 und Laser Radial ist die Kieler Woche Teil zwei der dreiteiligen Ausscheidungsserie.

Besonders spannend wird das Duell zwischen den beiden 49er FX-Crews. Susann Beucke und Tina Lutz segeln gegen die Titelverteidiger Vicky Jurczok und Anika Lorenz um das Olympia-Ticket. Beucke und Lutz gehen mit 12 Punkten Vorsprung in die Kieler Woche. "Es ist ein super cooles Statement von der Kieler Woche, dass sie die durchführen. Da braucht man wirklich Mut, das finde ich super", freut sich Beucke. "Und wir hoffen jeden Tag, dass nichts passiert und diese Kieler Woche stattfindet."

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Der Blick auf Kiel und die Förde in der Abenddämmerung. © NDR Foto: Maja Bahtijarevic

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"Kieler Woche ist so stark besetzt wie lange nicht mehr"

Mit dabei sind auch die deutschen Top-Segler wie Laser-Weltmeister Philipp Buhl und die Olympia-Bronzemedaillengewinner von Rio Erik Heil und Thomas Plößel. "Ich freue mich nach einem gerade abgeschlossenen zweiwöchigen Training in Norwegen auf das Heimspiel vor Kiel. Die Kieler Woche ist so stark besetzt wie lange nicht mehr", sagt Buhl, der für die Olympischen Spiele in Tokio die Norm bereits erfüllt hat. Auch Heil und Plößel liegen so weit vorne, dass sie nicht mehr eingeholt werden können.

Temperatur messen, Prescreening - und Test-Möglichkeiten

Im Hafen gilt eine Maskenpflicht. Außerdem muss ein umfangreiches Hygienekonzept eingehalten werden. Die Segler bleiben unter sich, werden nur so selten wie nötig von den Ausrichtern, Betreuern und Journalisten umgeben. "Wir haben die verschiedenen Veranstaltungsbereiche definiert. Ein Laser-Segler kann zum Beispiel nicht zu den 49er-Seglern", erklärt Ramhorst. "Zum anderen messen wir Temperatur und bieten ein Prescreening an." Bei einer Warnung gibt es Corona-Test-Möglichkeiten im Hafen, ein Kieler Labor könne dann bis zum nächsten Morgen ein Ergebnis liefern. Für alle Eventualitäten gibt es Konzepte. "Je nachdem, wo eine Infektion auftritt, kann ich es zur Absage von Veranstaltungsteilen oder der gesamten Veranstaltung führen", erklärt Ramhorst seine Verantwortung.

Mehrere Schiffe bei der Windjammerparade während der Kieler Woche 2019. © picture alliance/Frank Molter/dpa Foto: Frank Molter
Die traditionelle Windjammerparade startet am zweiten Kieler Woche Sonnabend.
Tradition: Aalregatta und Windjammerparade

Seit 1906 eröffnen die Dickschiffsegler die Kieler Woche am ersten Sonnabend auf dem Wasser. Bei der Aalregatta segeln sie 28 Seemeilen von der Kieler Förde bis nach Eckernförde. Es ist die traditionelle Jagd nach dem Aal. Egal, wer wann die Ziellinie kreuzt, einen geräuchterten Aal gibt es immer. Zur Siegerehrung bleiben die Teams in diesem Jahr in ihrem Boot, sie wird über Funk abgehalten.

Die traditionelle Windjammerparade am zweiten Sonnabend der Kieler Woche wird eine Segelparade für alle. Insgesamt werden etwa 40 Traditionsegler und 75 Segeljachten privater Bootseigner an der Parade teilnehmen. Angeführt wird sie von der Bark "Alexander von Humboldt II", die zuletzt 2012 an der Spitze gesegelt ist. Ab 10.30 Uhr nehmen die Segler in Paradeformation aus der Kieler Innenförde Kurs Richtung Leuchtturm. Rund drei Stunden später passieren sie die gedachte Ziellinie zwischen Schilksee und Laboe.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 05.09.2020 | 14:30 Uhr

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