Stand: 20.06.2018 06:00 Uhr

Kapitän zur KiWo: Schönste Zeit auf der Förde

von Maja Bahtijarevic

Kapitän Hannes Löffelmann setzt im Kieler Hafen mit der "Heikendorf" zurück. Es ist eng mit den vielen Traditionsseglern, die zur Kieler Woche gekommen sind. Auch die großen Skandinavienfähren liegen im Hafen. Der Sprühregen hat gerade erst aufgehört, es ist diesig an diesem Morgen. Dennoch kommen viele Gäste, um mit der Fähre der Kieler Schlepp- und Fährgesellschaft zu fahren - nach Schilksee, Laboe oder einfach nur, um mit dem liebevoll genannten "Fördedampfer" rumzuschippern. "Jetzt ist erst Mittag - wenn alle heute Abend stadteinwärts wollen, da wird es richtig voll", weiß der Kapitän. Während des Segelfestes sind es täglich wesentlich mehr Besucher als sonst.

Ausnahmen bestätigen die Verkehrsregeln zu See

Es ist gemütlich auf der Brücke der weiß-gelb-hellblau gestrichenen Personenfähre. Seichte Radiomusik mischt sich leise in das Rauschen des Funkgeräts und das Kratzen der Wechselsprechanlage, über die sich der Kapitän mit den Festmachern abstimmt. Gekonnt manövriert er das 370 PS starke Schiff an der großen Norwegen-Fähre vorbei - und den kleinen Kutter recht voraus hat er aufmerksam auf dem Schirm. "Annika - Heikendorf", funkt er das kleine Bunkerschiff an, das die Norwegen-Fähre ansteuert, um sie zu betanken. "Annika hört", kommt es zurück. "Ich bleibe ganz nah an der Westküste, damit ihr Bescheid wisst." Eigentlich heiße es, dass man rechts aneinander vorbeischifft. "Das habe ich hier aber wegen der großen Fähre anders gemacht. Sie liegt hier Backbord, und gleich muss ich anlegen. Deswegen bleiben wir ausnahmsweise Steuerbord", erklärt der erfahrene Seemann. Klare Absprachen ließen Ausnahmen bei den Verkehrsregeln auf See zu.

Auf dem Weg ein Regattafeld kreuzen

Bild vergrößern
Seit 13 Jahren ist Hannes Löffelmann Kapitän auf einem "Fördedampfer".

Mittlerweile hat die "Heikendorf" in Laboe Besucher abgesetzt und neue aufgenommen, bevor Kapitän Löffelmann die Fähre Richtung Schilksee wendet, auf das gegenüberliegende Ufer der Förde. Er muss den Weg einiger Zwei- und Dreimaster, einer Fregatte und eines Tenders kreuzen und ein paar kleine Segelboote passieren. Kein Problem, eine feststehende Verkehrsregel besagt, dass man stets hinter den Schiffen kreuzt. Doch auf die Wettkampfsegler muss er besonders achten. "Wir haben einen bestimmten Kurs, den wir nach Schilksee fahren können. Da haben wir eine weiße Seglertonne, auf die wir zusteuern", erklärt Löffelmann und zeigt in die Ferne. "Wir können ja nicht überall fahren, wo Wasser ist - da könnte auch eine Untiefe sein."

Er blickt durchs Fernglas auf den laufenden Segelwettbewerb. "Die Regattafelder verändern sich ja mit dem Wind", meint er nebenbei. "Wenn das heute in diese Richtung geht, kann es sein, dass es morgen in genau die andere geht. Das ist auch völlig okay - aber wir müssen dennoch unsere Anleger anfahren können." Nach einer Weile nickt er bestimmt. "Ja - die fahren genau um die Weiße Tonne rum, im Kreisverkehr." Man wolle ja den Regattabetrieb auch nicht stören, sagt er und fügt an: "Ach, das kriegen wir schon hin."

Mit der Fähre durch die KiWo-Regatta

Ein Schiffsfan durch und durch 

Es läuft glatt, Kapitän Löffelmann bringt die 34 Meter lange Fähre ohne Zwischenfälle an den Seglern vorbei zum Schilkseer Hafen und danach nach Strande. 28 Meter und 260 PS sind eigentlich die Größen, mit denen Löffelmann ansonsten hantiert: Sie gehören zu seinem Stammschiff, der "Schilksee". Zu ihr hat er eine besondere Beziehung. "Ich kann dir genau sagen, wo jede Schraube ist, ich mache vieles da alleine", sagt Löffelmann ein bisschen stolz, "und wenn du fragst, wer das angemalt hat - das war ich."

Mit der "Schilksee" macht er die Hafenrundfahrten, erzählt Besuchern lauter interessante Dinge rund um die Förde und beweist seine Qualitäten als wandelndes Schiffslexikon. Drei Saisons bleiben ihm regulär noch, dann könnte es in die Rente gehen. "Nein, nein, dann geht es weiter", sagt der Seebär bestimmt. "So leicht kriegen die mich hier nicht weg." Auch während der Kieler Woche fährt er sehr gerne. "Das ist die schönste Zeit hier auf dem Wasser", sagt Löffelmann und lächelt: "Ich bin ein Fan von den großen Traditionsseglern."

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 19.06.2018 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

01:02
Schleswig-Holstein Magazin
02:03
Schleswig-Holstein Magazin
03:49
Schleswig-Holstein Magazin