Kieler-Woche-Feeling trotz Pandemie?

Stand: 26.02.2021 17:36 Uhr

Das Kieler-Woche-Büro plant auf den Termin im Juni hin. Ende März entscheidet die Stadt, ob und unter welchen Bedingungen das größte Volksfest Nordeuropas stattfinden wird. Ein Besuch beim Planungsteam.

von Malin Girolami

Zwei Bildschirme, ein Handy, Kabelsalat unterm Esstisch. Julia Kuhlmann arbeitet seit Beginn des Lockdowns von zu Hause aus. Sie ist verantwortlich für den internationalen Markt und das Hoftheater im Rathaus. Gerade steckt sie in einer Videokonferenz mit dem Kollegen, der sich um die Infrastruktur kümmert, der also zum Beispiel den Standortplan für Fressbuden und Toilettenhäuschen macht.

Julia Kuhlmann arbeitet im Homeoffice an einem PC. © Kieler Woche
Für Julia Kuhlmann ist die große Herausforderung, so zu planen, dass die Kieler Woche auch ohne große Kosten wieder gecancelt werden könnte.

Etwas kleiner wird sie wohl, die Kieler Woche 2021, doch das Feedback der Schausteller sei gut, vor allem, weil die Stadt auf Standgebühren verzichten will. 1,5 Millionen Euro etwa. Genau das ist für die zwölf Mitarbeiter des Kieler Woche-Büros gerade die große Herausforderung - so zu planen, dass alles stattfinden, aber auch ohne große Kosten wieder gecancelt werden kann. Denn der Gedanke, dass die Kieler Woche doch abgesagt wird, sei schon im Hinterkopf, so Julia Kuhlmann. Und trotzdem versucht sie motiviert zu bleiben und das auch gegenüber den Standbetreibern auszustrahlen.

Gibt es eine Kieler Woche 2021?

Seine beiden Handys sind fast nie still. Alle wollen von Philipp Dornberger vor allem eines wissen. Gibt es eine Kieler Woche - und wenn ja, wie sieht sie aus? Eine klare Antwort kann der Leiter des Kieler-Woche-Büros darauf nicht geben. Nur, dass die Alternative, alles einfach schon jetzt abzusagen, für ihn keine wäre. Er will lieber probieren, was möglich ist. Schon 2020 war Kiel Vorreiter, hat die erste Großveranstaltung nach dem Lockdown organisiert. Und das in gerade mal zwei Monaten. Vieles hat unter Pandemiebedingungen funktioniert, vieles aber auch nicht. "Das 'sich treiben lassen' gehört einfach dazu - reservieren und planen, das passt nicht zum Kieler-Woche-Gefühl der Besucher", sagt Dornberger. Immerhin - es habe keine dokumentierte Infektion gegeben. Eben weil alle Besucher sich aufwendig registrieren mussten, um Kontakte nachverfolgen zu können. In diesem Jahr prüft das Kieler-Woche-Team gerade verschiedene Apps, um die Zugänge für die Besucher offener und spontaner zu gestalten.

Segelsport und Sommerfest gemeinsam feiern

Die Kieler Woche ohne Segeln? Nicht vorstellbar. 2020 hat der Fokus auf den Sport gut funktioniert, aber da gab es eben auch noch keine Mutationen, sagt Dirk Ramhorst, Organisationsleiter der Regatten. Und keine Testpflicht für internationale Teilnehmer aus Risikogebieten. Aktuell würden sie für alle Bootsklassen im Juni Wettkämpfe ausschreiben, auch weil es kaum eine Chance gibt, den Termin zu verschieben. Wegen der Olympischen Spiele und der Princesa Sofia Regatta auf Mallorca, die bereits auf Anfang Oktober verlegt wurde. Die Aufteilung der Teilnehmer in zwei Kohorten aus dem vergangenen Jahr habe gut funktioniert, so Ramhorst. Der Mittwoch könnte auch in diesem Jahr wieder Wechseltag sein, so dass sich nicht zu viele Sportler in Schilksee treffen würden. Außerdem seien die Schnelltests eine weitere Chance, um die Segelwettbewerbe sicher durchzuführen. Eine Trennung von Segelsport und Sommerfest sei von der Stadt allerdings nicht geplant, man wolle wieder wie gewohnt gemeinsam die Kieler Woche feiern.

 

Entscheidung Ende März

Die Stadt hat sich eine Frist gesetzt, damit der "Koloss Kieler Woche" auch in Fahrt kommen kann. Bis Ende März wollen Oberbürgermeister, Kieler Yachtclub und politische Gremien gemeinsam mit dem Orga-Team entscheiden, ob es beim Termin im Juni bleiben kann. Die Alternative wäre eine erneute Verschiebung - oder die komplette Absage. Ziel sei es, so nah an das Original heranzukommen wie möglich, sagt Philipp Dornberger. Denn das Kieler Woche-Gefühl lebe vom spontanen fließen lassen, das habe die Erfahrung aus dem vergangenen Jahr gezeigt. Der Vorwurf ein zweites Ischgl zu provozieren, habe ihn damals schwer getroffen. Die Stadt sei sich ihrer Verantwortung bewusst, auch weil die Kieler Woche viele Besucher aus anderen Bundesländern anzieht. Doch er wisse eben auch, was an der Kieler Woche dranhängt, nämlich insgesamt 2.500 Partner, sagt Dornberger. Und denen wolle er Hoffnung vermitteln.

Konzepte für die Zukunft

Bis die Entscheidung fällt, wird das Kieler Woche Team so weiterarbeiten, dass fertige Pläne und Konzepte auch verschoben werden können.  Projektleiterin Julia Kuhlmann hat zum Beispiel mit einem Veranstalter die Idee entwickelt, dass auch auf dem internationalen Markt eine Kinderstube eingerichtet werden könne, die jeden Tag ein anderes Motto hat. Ob es damit in diesem Jahr schon etwas wird, oder erst 2022 ist nicht klar. Die Kieler Woche und das Team dahinter lassen sich aber nicht unterkriegen.

 

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 26.02.2021 | 19:30 Uhr

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