Stand: 19.06.2018 11:25 Uhr

Spontaner "Stand-up-Pop" vom Feinsten

von Maja Bahtijarevic

Kommen die Musiker von De Coronas auf die Bühne, wissen sie nicht, was sie spielen werden, denn eine sogenannte Setlist gibt es bei der Profi-Coverband nicht. Ein Zustand, der bei Musikern in der Regel für Unruhe sorgt. Doch bei den Niederländern ist das Programm. "Wir haben ein Repertoire von knapp 2.000 Liedern. Gespielt wird das, was die Leute wollen", erzählt Saxophonist Harold Mingels. Die Zuschauer können sich von einem kleinen Podest aus spontan Lieder wünschen oder sie sogar per App auf die große Videowand auf der Bühne schicken. Das, was sie machen, nennen De Coronas Stand-up-Pop - und es kann vieles passieren: "Despacito"-Karaoke mit dem Publikum, Europes "Final Countdown" als Opernversion oder eine Fusion vom sehr ruhigen "Stairway to Heaven" mit dem superrockigen "Highway to Hell".

De Coronas: Das Leben ist ein Wunschkonzert

"Wenn ihr was werden wollt, müsst ihr zur KiWo!"

Janneke Meessen, Harrie van Grinsven, Martijn Bakker, Ron Bormans, Mick Gravéé, Jesse Koch und Harold Mingels tragen viele verschiedene Instrumente in ihrem Gepäck, doch neben dem ungewöhnlichen Konzept gibt es eine weitere Besonderheit: Jeder der Musiker singt auch. "Das ist schön. So gibt es nicht nur eine oder zwei Personen, auf die sich alles fokussiert", findet Ron Bormans, der auf der Bühne auch Bass spielt. Und tatsächlich ist das etwas, das auffällt: Egal, wer gerade am Mikrofon ist - es klingt erstklassig. "Jeder hat seinen eigenen Stil. Ich singe die rockigen Lieder, Janneke die souligen, Martijn den Pop", sagt Bormans. In ihrer Heimat Niederlande sind De Coronas überregional bekannt - in Deutschland noch nicht so sehr, auch wenn sie seit vier Jahren hier touren. "Zwei deutsche Musiker sagten uns mal: 'Wenn ihr dort was werden wollt, dann müsst ihr auf die Kieler Woche'", erzählt Mingels und lacht. Am Montag rockte die Band zum ersten Mal auf der NDR Bühne in Kiel.

Von Helenes "Atemlos" hin zu Rammsteins "Sonne"

Wegen des feinen Sprühregens am späten Nachmittag ist die Kiellinie mäßig besucht, es findet nur ein Bruchteil der Besucher den Weg zum Ostseekai. Die Band sieht es gelassen: "Wir spielen sehr gerne vor deutschem Publikum. Die Menschen hier sind sehr aufmerksam und bringen uns viel Respekt entgegen. Das ist für uns ein sehr gutes Gefühl", verrät Mingels. Welche Songs an diesem Abend dabei sein werden, können die Musiker vor dem Auftritt schon fast sicher voraussagen. "'Sex on Fire' von Kings of Leon und 'Atemlos' von Helene Fischer, vielleicht auch was von den Backstreet Boys", tragen sie zusammen.

"Auch wenn viele Lieder existieren, gibt es doch etwa die Top 300, die sich immer wiederholen", weiß Mingels. Und diese Titel überraschen nicht: Queen sei mit verschiedenen Liedern gefragt, und Klassiker wie "Angels" von Robbie Williams oder "Summer of 69" von Rod Steward fänden immer wieder ihren Weg ins Programm. Aber auch etwas ungewöhnlich darf es mal sein - zum Beispiel Rammsteins "Sonne" oder Jan Delays "Türlich, türlich".

Das Kieler Publikum wird im Laufe des Abends auch seine Begeisterungsfähigkeit demonstrieren. Zu Michael Jacksons "Thriller" sind die Zuschauer in Topform - viele tanzen die berühmte Choreografie begeistert mit.

Viel Spielraum für Überraschungen

Wünscht sich jemand ein Lied, das die Musiker nicht kennen, ist es meist kein Problem. "Wir lassen sie einfach vorsingen, steigen dann mit den Instrumenten ein und singen einfach mit", sagt Bassist Bormans locker. "Manchmal ist es aber doch schwer, wenn es um regionale Lieder geht", gibt er zu. Aber auch das sei bisher immer lustig gewesen. Wenn es alles so spontan ist, gebe es eben auch Spielraum für Überraschungen - wie vor zwei Jahren bei einem Konzert irgendwo mitten in Deutschland: "Da war eine Frau im Rollstuhl, sie war blind", erzählt Bormans von einer ganz besonderen Begegnung. "Sie wollte gerne mit uns 'It's raining men" von den Weather Girls singen." Als die Frau das Mikro nahm und anfing, seien sowohl Musiker als auch Zuschauer überwältigt gewesen, sagt der Bassist. "Das war wirklich unglaublich."

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 18.06.2018 | 19:30 Uhr

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