Stand: 10.09.2020 10:44 Uhr

Corona und Kieler Woche: So klappt es mit der Hygiene

von Frauke Hain

Der Himmel ist mit grauen Wolken verhangen und es nieselt - typisches Kieler-Woche-Wetter. Der Rathausplatz in Kiel, wo zum Segelfest eigentlich der Internationale Markt aufgebaut wäre, ist abgesperrt. An der Seite stehen nur ein paar Buden. In der Mitte sind Sitzbänke aufgebaut. Aber am Nachmittag sind kaum Besucher da. Der Rathausplatz ist fast leer. In diesem Jahr kommt in das Areal nur hinein, wer vorher ein Ticket gebucht hat. Täglich kontrollieren rund 60 sogenannte Hygienehelfer, die die Stadt über einen Sicherheitsdienst beauftragt hat, in der ganzen Stadt, ob sich die Kieler-Woche-Besucher an die Corona-Abstandsregeln und die Maskenpflicht halten.

Die Menschen halten sich an die Regeln

Peggy Zumpe und Konrad Pawlicki sind zum Beispiel auf dem Rathausplatz, am Bootshafen und zwischen den einzelnen Veranstaltungsflächen unterwegs. "Die Tage waren bisher ruhig, die Menschen halten sich an die Regeln", erzählt Pawlicki. Zwei Frauen sitzen vor einem Toilettenwagen und rauchen. Pawlicki erinnert sie freundlich an den Sicherheitsabstand. "Wenn sich nicht daran gehalten wird, sprechen wir die Personen an - und dann wird das auch umgesetzt." Das funktioniere problemlos und entspannt. Am Wochenende war zusätzlich noch eine Jugendschutzstreife zusammen mit der Polizei unterwegs, berichtet Vanessa Vitsilakis aus dem Kieler-Woche-Büro. "Die haben nach alkoholisierten Jugendlichen Ausschau gehalten. Es gab keinen einzigen Fall. Das ist anders als zur normalen Kieler Woche."

House-Rave auf der Krusenkoppel

Der Nieselregen hat mittlerweile aufgehört. Am Abend legt auf der Freilichtbühne Krusenkoppel DJ Jermaine Vita auf. Normalerweise tanzen die Partygänger in Clubs und auf Festivals zu der Musik des 20-Jährigen. Eine Stunde lang schallt seine Musik durch die Freilichtbühne. 400 Besucher waren zugelassen, 200 Tickets waren gebucht, rund 100 Menschen sind gekommen. Erlaubt ist es, zu zweit zu sitzen. Gruppen müssen sich verteilen. Immer wieder kommen noch Besucher nach. Sie halten sich an die Regeln, tragen Mundschutz bis zum Platz. Es ist sogar erlaubt zu tanzen - wenn man an seinem Platz bleibt. Und genau das machen einige der Partygäste, wenn auch zögerlich.

DJ fühlt sich wie im Club

DJ Jermaine Vita legt auf der Kieler Woche auf der Freilichtbühne Krusenkoppel auf. © NDR Foto: Frauke Hain
DJ Jermaine Vita gehörte mit zu den Besten aus einem Online-Wettbewerb, der vorher ausgeschrieben war. Die Stadt Kiel hat ihn zur Kieler Woche eingeladen.

"Es ist ein ungewohntes Gefühl, dass die Leute zu elektronischer Tanzmusik so wenig tanzen. Da musste ich mich erstmal dran gewöhnen. Aber es ist eine große Ehre für mich, dass ich hier auftreten darf", sagt DJ Jermaine. Man müsse sich den Möglichkeiten anpassen. Der DJ beschreibt seine Wahrnehmung hinter dem DJ-Pult: "Wenn die Leute das Ganze erstmal akzeptiert haben, ein bisschen über ihren Schatten gesprungen sind, dann ist die Stimmung wie im Club. Natürlich springen sich die Leute nicht in die Arme, das ist klar - sollen sie ja auch gar nicht. Aber es wird ganz gut angenommen, die Leute müssen sich nur erstmal daran gewöhnen."

Party unter Corona-Auflagen

Julia Kuhlmann aus dem Kieler-Woche-Büro ist verantwortlich für die Krusenkoppel. Sie blickt auf die vergangenen Tage: "Das Programm wird angenommen - aber sehr unterschiedlich, sehr witterungsbedingt." Man merke, dass schon Herbst ist. Die bekannteren Acts seien besser besucht als die weniger bekannten. "Aber man merkt schon, dass die Leute Lust haben rauszugehen. Und ich freue mich total, dass etwas stattgefunden hat. Es macht mich glücklich, dass Leute tatsächlich kommen und das Programm annehmen."

Laut der stellvertretenden Referatsleiterin Vitsilakis aus dem Kieler-Woche-Büro hat es bisher kein Corona-Infektionsgeschehen in Zusammenhang mit der Kieler Woche gegeben. "Wir freuen uns, dass unsere Maßnahmen gut funktionieren und wir unseren Notfallplan nicht brauchen."

Es gibt noch Tickets für Konzerte

Die Corona-Pandemie hat den Charakter und die Atmosphäre der Kieler Woche verändert. In der Landeshauptstadt fehlt die jährliche Volksfeststimmung mit großen Musikbühnen, Buden und Getränkeständen. Für die wenigen Veranstaltungen mit limitierten Besucherkapazitäten müssen Interessierte kostenlose Tickets vorab buchen - im Internet oder telefonisch. Für alle zehn Tage standen insgesamt 50.000 Tickets zur Verfügung. Nach Angaben der Stadt waren zu Beginn der Kieler Woche rund 40 Prozent davon bereits reserviert. Da anfangs gebuchte Tickets zum Teil nicht genutzt worden seien, habe man das System umgestellt: Wenn eine halbe Stunde nach Beginn Tickets nicht abgeholt wurden, sind sie wieder verfügbar.

Die kostenlosen Eintrittskarten können online bestellt werden: www.meine-kieler-woche.de. Außerdem ist eine Hotline täglich von 9 bis 21 Uhr besetzt: (0431) 90 19 05.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 10.09.2020 | 19:30 Uhr

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