Stand: 27.06.2019 09:06 Uhr

Auf der Kieler Woche mit der Jugendschutzstreife

von Cassandra Arden

Für viele Jugendliche gehört Alkohol mit dazu zur Kieler Woche. Das ist auch in Ordnung, wenn sie ein Bier trinken und älter als 16 Jahre sind. Aber der ein oder andere Teenager fängt auch schon früher an. Hier kommen Thorben Mielke und Aied Massarwa ins Spiel. Die beiden arbeiten bei der Stadt. Sie und ihre Kollegen gehen jeden Abend über die Kieler Woche, um zu gucken, ob zu junge Besucher Alkohol trinken. Immer mit dabei: zwei Polizisten. Mielke erklärt: "Wir dürfen ja auch nicht in die Taschen gucken oder Ausweise kontrollieren. Wir sprechen die Jugendlichen an. Und sollte es ein Problem geben, sind die beiden Polizei-Kollegen da."

Jugendschützer gegen Alkohol auf der Kieler Woche

Koma-Saufen ist kein Trend mehr

Hartmut Lemke und Nicoll Buchhorn begleiten die Jugendschützer der Stadt an diesem Tag. Für beide ist es nicht das erste Mal. Sie sind entspannt. Lemke ist schon viele Jahre immer wieder dabei und er beobachtet: "Vor zehn Jahren war das sehr viel mehr mit dem Koma-Saufen. Das ist wirklich inzwischen die Ausnahme." Klar treffen sie immer wieder auf Kids, die keinen Wein und schon gar keinen Schnaps dabei haben dürfen, aber Lemke erinnert sich nicht an brennzliche Situationen. "Oft erschrecken sie sich auch total und sind direkt bereit, die Sachen rauszurücken. Wir schütten sie dann weg." Kollegin Massarwa ergänzt: "Sicher das tut dem ein oder anderen schon weh, das wurde ja bezahlt."

Schwerpunkte sind Bahnhof und Hörn

Die Tour des Kontroll-Trupps startet immer mit einer kurzen Vorbesprechung. Zwei Teams touren über die Kieler Woche. Alle acht sitzen vorher kurz zusammen und besprechen, wo genau welches Team lang geht - das Ganze bei Süßigkeiten, Kartoffelsalat und reichlich Mineralwasser. Um 17 Uhr geht es los. Polizist Lemke legt sich seine Schutzweste an. Das hat er wegen der Hitze bis zuletzt herausgezögert. "Bis 22 Uhr geht unsere Wanderung. Meistens gucken wir am Bahnhof und an der Hörn besonders genau hin." Denn da zieht es die Jugendlichen in größeren Scharen hin als zur Kiellinie.

Thorben Mielke und Aied Massarwa haben eine Gruppe auf den Treppen an der Hörn im Blick. Die sechs Teenager sind unterschiedlich alt. Zwei Mädels - beide mit einem Radler in der Hand - sind 15 Jahre alt, die anderen älter. Einer hat einen Rucksack dabei. Darin ist nur Bier - davon aber viel.

Für 15-Jährige ist auch Radler verboten

Mielke geht in die Hocke und erklärt, dass die beiden Mädels ihr Mischbier bitte den Förde-Fischen zum Fraß vorwerfen müssen. Die Mädels schütten ihr Radler weg, wenn auch etwas wehmütig. Mielke wendet sich an den Jungen mit dem Rucksack. "Ich vermute mal, dass das nicht allein dein Vorrat ist. Du kannst das gerne mit deinen Kumpels teilen. Die Mädels aber sind ab jetzt raus. Das ist auch ein Stückweit deine Verantwortung."

Er blickt die Mädchen an: "Wir sehen uns heute bestimmt noch mal, auch Kollegen von uns laufen hier. Und wenn wir euch dann noch mal mit Bier sehen, dann müssten wir eure Eltern anrufen und sie bitten, euch abzuholen." Die Gruppe nickt etwas bedröppelt. Der Jugendschutzhilfe-Trupp zieht weiter.

Sensibilisieren ist das Ziel

Polizistin Buchhorn steuert auf eine Bierzeltgarnitur zu und verteilt Wasser für alle. Sie guckt rüber zu der Gruppe, die noch immer auf den Stufen sitzt und meint: "Machen wir uns nichts vor. Es ist schon anzunehmen, dass die Mädchen ein weiteres Radler trinken werden. Aber es geht eben auch darum, die Gruppe als Ganzes zu sensibilisieren - und dass sie einfach mal drüber nachdenken, dass auch die Älteren Verantwortung haben."

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 27.06.2019 | 17:00 Uhr

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