Stand: 26.01.2020 18:02 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

eSports: Erstes FIFA20-Finale im Land

von Christian Wolf

eSports, also das professionelle Spielen von Games auf dem PC oder der Konsole, wird immer beliebter. Aus diesem Grund haben schon viele Vereine im Land eine eigene Abteilung aufgebaut, in der junge Talente trainiert werden. In den Messehallen in Husum ist nun erstmals das Finale der Landesmeisterschaften in eSports im Fußballspiel FIFA20 ausgetragen worden.

Teilnehmer aus dem ganzen Land

Einer der insgesamt 64 Finalisten ist Tim Heyer aus Lübeck. Mit sieben Vereinsfreunden tritt er für den Dornbreite Lübeck an, wo der 20-jährige auch seit 15 Jahren echten Fußball spielt. "Also in der Liga mag ich den echten Fußball mehr, aber in der Freizeit spiele ich lieber eSports", erklärt Heyer, der eine Ausbildung zum technischen Systemplaner macht.

Vom Verein Dornbreite Lübeck haben sich insgesamt sieben Spieler für das Turnier qualifiziert. "Von Holstein Kiel sind es nur vier und die waren auch gesetzt", freut sich Tim Heyer über den Vereinserfolg. Dass der junge Mann ziemlich gut spielen muss, zeigt die Reaktion seiner Freunde, wenn er mit ihnen FIFA spielen möchte: "Die wollen alle nicht mehr gegen mich spielen." Deswegen spielt er in seiner Freizeit oft online zu Hause.

Verein hat eigenen Übungsraum

Als sein Verein eine eSports-Abteilung aufmachte, war der 20-Jährige sofort dabei. "Wir haben einen eigenen Raum, wo es sechs Fernseher mit Konsolen gibt und wo wir regelmäßig üben können", erklärt Tim Heyer. Außerdem bildet der Verein gerade vier Coaches beim eSports-Verband aus. Sie sollen dann später Spieler trainieren.

Vor seinem ersten Spiel merkt man Tim Heyer die Anspannung an. Schließlich ist es das erste Mal, dass er bei so einem Turnier mitmacht. Die Mannschaft, mit der er antritt, ist Real Madrid. Die trifft im ersten Spiel auf Liverpool. Erst läuft es nicht gut für Tim. Gleich am Anfang des Spiels gerät er in Rückstand. Doch der junge eSports-Gamer fängt sich und dreht das Spiel. Am Ende gewinnt er es mit 4:1. "Ich war halt schon aufgeregt und bin nicht so gut ins Spiel gekommen. Zum Ende hin wurde das aber immer besser", lautet seine Analyse. Die große Kunst bei FIFA ist es, die versteckten Tastenkombinationen für verschiedene Tricks zu kennen. "Ich bin mehr der Trickser, aber beim Turnier sind nur einfache Tricks möglich", erklärt Tim Heyer. Nach der zweiten Runde ist Schluss

Millionengeschäft eSports

Mittlerweile verdienen viele eSportler richtig viel Geld. Durch das Streamen der eigenen Spiele auf bestimmten Plattformen oder Sponsoring kommen Einige auf Einnahmen von mehrere Millionen Euro. Tim Heyer, der bei seinem Verein Dornbreite Lübeck als Innenverteidiger spielt, wäre trotzdem lieber Profi-Fußballer geworden. "Allerdings ist das mit meinen Qualitäten nicht möglich, deswegen ist eSports-Profi zu werden schon ein schöner Traum", sagt er.

Real Madrid gegen Bayern München

Im Turnier hat es der 20-Jährige unter die besten 32 Spieler Schleswig-Holsteins geschafft. Bei seinem zweiten Spiel muss er mit Real Madrid gegen Bayern München ran. Wie bei seinem ersten Spiel gerät er früh in Rückstand. Aber wieder kann es Tim Heyer drehen und führt bald 2:1. Doch dann, kurz vor Spielende, kommt der Ausgleich. In der Verlängerung schießt keiner der beiden ein Tor. Es kommt zum Elf-Meter-Schießen. Doch dem 20 Jahre alten Auszubildenden gelingt kein Tor. "Das ist schon ärgerlich und natürlich bin ich enttäuscht. Ich wäre gerne noch zwei Runde weitergekommen." Tim Heyer nimmt es aber sportlich und will künftig noch besser werden, damit es irgendwann für einen Turnier-Sieg reicht.

Zwei vereinslose Finalisten

Die eSports Abteilung vom Verein Dornbreite Lübeck stellt trotz der meisten Teilnehmer keinen Finalisten. Die beiden Spieler, die das unter sich aus machen, sind vereinslos und haben sich die Gamer-Namen "FifOldie" und "GoosBusters" gegeben. Sie treten mit Real Madrid und HSV gegeneinander an. Für den Hintergrund: für das Turnier sind alle Mannschaften gleich stark, weswegen auch ein solches Finale nicht unrealistisch ist. Am Ende schlägt Real Madrid aber trotzdem den HSV mit 4:1. Der erste Landesmeister in Fifa20 in eSports heißt Engin Kocapinar. Der 32-Jährige aus Kaltenkirchen kann sich neben einem Pokal und Sachgewinnen auch über 700 Euro Preisgeld freuen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 26.01.2020 | 18:00 Uhr

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