VIDEO: NDR-Reporterin Julia Stein zu den verschärften Corona-Regeln (1 Min)

Virologen aus Schleswig-Holstein: Nicht begeistert von 2G

Stand: 18.11.2021 12:31 Uhr

Mit den von der Landesregierung beschlossenen Regeln haben ungeimpfte Menschen im Land von Montag an keinen Zutritt mehr zu öffentlichen Innenräumen. Virologen in Schleswig-Holstein sehen das kritisch. Sie hätten an anderen Stellen angesetzt.

von Sebastian Parzanny

Stephan Ott, Corona-Experte.
Für Infektionsmediziner Ott ist eine Änderung auf 2G nicht hilfreich.

Aus infektionsmedizinischer Sicht mache die Einführung der neuen Regel keinen Sinn, sagt Prof. Dr. Stephan Ott. Er leitet das Gesundheitsamt des Kreises Rendsburg-Eckernförde. Der Infektionsmediziner hält den Beschluss für eine rein politische Entscheidung. Aus seiner Sicht müsse man niemanden vom öffentlichen Leben ausschließen: "3G ist völlig ausreichend, da die ungeimpften Menschen ja dann nur getestet die Innenbereiche nutzen dürfen. Das hat bisher gut funktioniert." Jetzt sieht der Professor eine neue Gefahr: "Die Menschen, die nun nicht mehr ins Restaurant dürfen, werden sich zu Hause treffen." Dort passieren aber die meisten Ansteckungen: "Im Freundeskreis zeigt man sich ja untereinander nicht Impf- oder Testbescheinigungen."

Schnell boostern wäre jetzt wichtiger

Dr. Bettina Tiemer, Virologin © Labor Lübeck
Die Lübecker Virologin Tiemer hält die Maßnahmen der Landesregierung nicht für ausreichend.

Die Lübecker Virologin Dr. Bettina Tiemer sieht ebenfalls das Problem der privaten Treffen. Sie hätte sich außerdem einen anderen Schwerpunkt von der Politik gewünscht: "Gerade den älteren und kranken Menschen jetzt schnell eine Booster-Impfung anzubieten, halte ich für das Wichtigste". Wenn eine G-Regel, dann müsse es aus Sicht der Virologin 2G-Plus sein - also das zusätzliche Testen von Geimpften und Genesenen vor dem Betreten von Innenräumen. Denn es sei klar, dass auch sie Corona-Viren weitergeben könnten, so Tiemer.

Inzidenzen werden nicht sinken

Jan Rupp wird während eines Interviews gefilmt. © NDR Foto: Mechthild Mäsker
Der Lübecker Infektiologe Rupp wünscht sich mehr Eigenverantwortung aller Schleswig-Holsteiner.

Der Direktor der Klinik für Infektiologie und Mikrobiologie am UKSH Lübeck, Prof. Dr. Jan Rupp, dämpft die Erwartung, dass mit Einführung der 2G-Regel die Inzidenzen sinken könnten. Dies sei ihm zufolge auch in anderen Bundesländern nicht der Fall, was ihn kaum wundere.

Generell wünscht sich Rupp mehr Eigenverantwortung - von Ungeimpften aber auch von Geimpften: "In den kommenden Wochen muss sich einfach jeder selbst Gedanken dazu machen, welche Kontakte noch nötig sind und welche nicht. Und das gilt sowohl in der Öffentlichkeit als auch zu Hause."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 17.11.2021 | 17:00 Uhr

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