Prof. Dr. Helmut Fickenscher, Leiter Institut für Infektionsmedizin an der Uni Kiel blickt in die Kamera. © NDR Foto: Pavel Stoyan

Virologe Fickenscher: "Inzidenz nach wie vor wichtiger Wert"

Stand: 27.07.2021 21:12 Uhr

Die Corona-Inzidenzen steigen in ganz Deutschland. In Schleswig-Holstein liegt die Zahl inzwischen leicht über dem Bundesdurchschnitt. Mediziner streiten darüber, was dieser Wert - bei steigender Impfquote - überhaupt noch aussagt.

Die Sieben-Tage-Inzidenz in Schleswig-Holstein ist gestiegen und liegt mit Stand Dienstagabend bei 18,1. Am Montag war noch ein Wert von 16,5 verzeichnet worden. Parallel dazu steigt auch die Zahl der Geimpften. Einige Mediziner in Deutschland fordern deshalb, die Inzidenz könne nicht mehr alleiniger Richtwert für Beschränkungen sein. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung schlägt beispielsweise vor, die Krankenhausbelegung als Kriterium zu nehmen. Dem widerspricht der Kieler Virologe Helmut Fickenscher jetzt scharf: "Das halte ich für groben Unfug. Denn das ist ein Spätkriterium. Bis sich der belastende Zustand deutlich reduziert, dauert es Wochen." Für ihn sei der wichtigste Parameter eine hohe Impfquote. Läge die bei rund 85 Prozent, bräuchte man vielleicht keine Inzidenzen mehr. Aber davon, so der UKSH-Virologe, sei man noch weit entfernt. Solange ist die Sieben-Tage-Inzidenz seiner Meinung nach ein gutes Instrument, um rechtzeitig zu erkennen, in welchem Maß sich das Virus weiter verbreitet.

Fickenscher: Grenzwerte könnten gelockert werden

Laut Fickenscher könnte man aber durchaus diskutieren, ob die bisherigen Grenzwerte für die Corona-Politik nicht etwas gelockert werden: "Erfreulich ist ja, dass die Anzahl der tödlichen Verläufe wesentlich geringer geworden ist. Dann könnte man sagen, man verträgt auch mehr Inzidenzaktivität." Allerdings würde eine höhere Inzidenz auch bedeuten, dass dann mehr Einrichtungen wie Kindergarten, Schulen oder Betriebe von Ausbrüchen betroffen wären. Und dann wäre auch mehr Personal nicht verfügbar, weil es in Quarantäne geschickt wird.

"Impfung ist das Wichtigste"

Mit Blick auf den Herbst befürchtet der UKSH-Virologe schon bald wieder härtere Corona-Maßnahmen: "Ich fürchte, dass man nicht darum herumkommen wird, auch wenn man es - nicht nur aus wahlkampftaktischen Gründen - gerne vermeiden möchte. Niemand hat Lust auf Lockdown." Das Wichtigste seit laut Helmut Fickenscher deshalb, dass sich möglichst viele Menschen impfen lassen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 27.07.2021 | 16:00 Uhr

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