Stand: 28.06.2020 06:00 Uhr

Sylt stellt sich auf Urlauber-Ansturm ein

Normalerweise fällt die Insel Sylt nach Ostern und Pfingsten in ein kleines Sommerloch vor der Hochsaison. Nicht so in diesem Corona-Sommer. "Seit die Insel wieder für Urlauber geöffnet wurde, ist die Nachfrage anhaltend stark", sagt Moritz Luft von der Sylt Marketing GmbH. Das gelte für alle Kategorien - Appartements, Ferienhäuser und Hotelzimmer. Der Trend zum Urlaub an deutschen Küsten in diesem Jahr sei absehbar gewesen. "Die Menschen wollen sich erholen, suchen die Weite, das Wasser, den Strand", sagt Luft. "Veranstaltungen sind kein Thema."

Abstandsregeln in der Marschbahn möglich?

Es wird noch voller als sonst diesen Sommer auf der knapp 100 Quadratkilometer großen Insel. Dennoch sieht der Marketing-Experte Sylt gut gerüstet für den Urlauber-Ansturm. Sorgen macht Moritz Luft allerdings die Marschbahn-Strecke zwischen Hamburg und Sylt. Die Züge werden nur von Gästen, sondern auch täglich von mehreren Tausend Sylt-Pendlern genutzt. "Das ist jetzt mehr planerischer Aufwand. Wir brauchen Regeln, damit die Abstände eingehalten werden können." Das würde dann auch bedeuten, dass man nicht unbedingt seine Räder mit in den Urlaub nehmen kann - zumindest nicht zu den Kernzeiten. "Wir sind diesbezüglich im Austausch mit der Bahn", sagt Luft.  

Keine weitere Corona-Party an Buhne 16

Insgesamt reichten aber die jetzt bestehenden Corona-Regeln aus - trotz des hohen Aufkommens an Gästen. "Es kommt natürlich immer mal wieder vor, dass Gäste sich weigern, einen Mundschutz zu tragen. Im Großen und Ganzen halten sich aber Einheimische wie Gäste an die Corona-Regeln", fasst Moritz Luft zusammen. So sehen es auch der stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde Sylt, Carsten Kerkamm, sowie Kampens Bürgermeisterin Stefanie Böhm. Zwar war zu Pfingsten in Kampen die Situation am Strandbistro "Buhne 16" aus dem Ruder gelaufen. Dort hatten sich Tausende Feierlustige versammelt. "Pfingsten ist eine Sondersituation, da ist traditionell viel Partyvolk auf Sylt. Das wird es so ein zweites Mal nicht geben!", betont Böhm.

Run auf Räder und Strandkörbe

Heiß begehrt sind nicht nur Unterkünfte auf Sylt, sondern auch Strandkörbe. "In Kampen haben wir nur noch vereinzelt Lücken. Strandkörbe sind bis August ausgebucht", weiß Stefanie Böhm. Das sei anderswo auf der Insel ähnlich. Auch Fahrräder, vor allem E-Bikes, seinen momentan kaum zu bekommen.  

Wer es ruhig will, muss mehr planen

Zwar wird es auf Sylt dieses Jahr besonders voll. Ein ruhiges Plätzchen lässt sich aber dennoch finden. "Man muss sicher einige Gewohnheiten umstellen. Wer beispielsweise morgens um 5 Uhr eine Radtour Richtung Sylter Osten macht, hat sicher seine Ruhe", sagt Moritz Luft augenzwinkernd. Außerdem werde man mit einem herrlichen Sonnenaufgang belohnt. Auch abseits der Hauptstrände auf der Westseite kann man Ruhe suchen und finden; etwa im Sylter Inselsüden oder am Lister Ellenbogen. Auch auf der Ostseite am Wattenmeer wie in Keitum und Munkmarsch ist deutlich weniger los als auf der Westseite - baden und schöne Spaziergänge inklusive. 

Mehr Kosten, gleicher Umsatz

Trotz der Corona-Regeln hat sich der Betrieb in den meisten Restaurants inzwischen normalisiert und die Gäste akzeptierten die Maßnahmen, heißt es von Sylt Marketing. Das bestätigt auch der Inhaber des Strand-Restaurants "Samoa" in den Rantumer Dünen. Die Corona-Regeln umzusetzen, bedeutet für Geschäftsführer Jan-Nissen Hünding: Nur etwas mehr als jeder zweite Platz darf besetzt werden, die Kosten sind gestiegen und er braucht mehr Personal. "Normalerweise können sich die Gäste ja selbst einen Platz auf der Terrasse suchen. Jetzt müssen wir sie platzieren, heißt, ich brauche dafür einen Mitarbeiter zusätzlich." Außerdem hat er 10.000 Euro für Plexiglasscheiben im Restaurant ausgegeben, dazu kommt das Geld für Desinfektionsmittel. Aber: "Wir können zwar nur 60 Prozent unserer Plätze belegen, machen aber den gleichen Umsatz wie vorher. Die Gäste haben einfach Lust, sich was zu gönnen", so Jan-Nissen Hünding.

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Sorge vor zweiter Infektionswelle im Herbst

Nicht alle sind in Bezug auf die bevorstehende Saison positiv gestimmt. Vor allem in den sozialen Netzwerken äußern Einheimische immer mal wieder die Sorge, dass mit mehr Gästen auch die Gefahr von Infektionen auf Sylt steigt. "Ich habe im Moment gar keine Lust, auszugehen oder an den Strand zu fahren. Mir ist die Lage zu unübersichtlich", sagt eine Insulanerin. "Ich befürchte, dass wir spätestens im Herbst eine zweite Infektionswelle haben. Und dann ist das wirtschaftlich hier nicht mehr aufzufangen." Sie beobachtet auch, dass die Corona-Regeln im Bekanntenkreis nicht mehr ernst genommen werden; etwa Masken untereinander getauscht und die Abstandsregeln nicht eingehalten werden.

Gütersloher nur mit Corona-Test ohne Quarantäne

Für den 29. Juni hat die Landesregierung in Kiel weitere Lockerungen angekündigt. So sollen Familienfeiern und Empfänge mit bis zu 50 Menschen wieder möglich sein. Außerdem soll die Sperrstunde in der Gastronomie entfallen und Buffets wieder erlaubt sein. Teils werden die Regeln aber auch wieder verschärft: So müssen Gäste aus Corona-Hotspots wie dem Kreis Gütersloh in Nordrheinwestfalen nach der Einreise nach Schleswig-Holstein in eine zweiwöchige Quarantäne. Es sei denn, sie können einen negativen Corona-Test vorweisen. Dieser darf nicht älter als 48 Stunden sein und muss durch ein ärztliches Attest bestätigt sein.

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Dieses Thema im Programm:

die nordstory | 10.07.2020 | 20:15 Uhr

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