Stand: 04.04.2020 11:37 Uhr  - Schleswig-Holstein Magazin

Tierparks in der Corona-Krise

Der Winterschlaf ist vorbei und die ersten Tierjungen erblicken das Licht der Welt. Für die Mitarbeiter der Tierparks in Schleswig-Holstein ist es eine schwierige Zeit: Frühlingsidyll trifft auf tiefe Sorgen um die Zukunft. Denn die Auswirkungen der Corona-Krise machen auch vor den vielen Tierparks im Land nicht Halt. Sie erhalten keine staatlichen Zuwendungen und sind auf Eintrittsgelder und Spenden angewiesen. Stefanie Klingel von der Arche Warder fasst die Situation der Parks zusammen: "Die Kosten für die Tiere und einen Teil der Mitarbeiter laufen ganz normal weiter und die Einnahmen durch die Besucher fehlen".

Tiere sollen nicht durch die Corona-Krise leiden

Inzwischen haben viele Tier- und Wildparks bei den Pflegern Teams gebildet, da sonst bei einem Corona-Fall die Fütterung und Pflege der Tiere in Gefahr wäre. Das bedeutet teils eine große Umstellung für die Mitarbeiter. Sie geben alles, damit die Tiere möglichst wenig von der besonderen Situation mitbekommen. Doch Kosten sparen ist für die Betriebe nicht möglich, wie Gabriele Ismer vom Tierpark Gettorf erklärt: "Kurzarbeit ist natürlich für einen Betrieb in dem Tiere versorgt werden müssen keine geeignete Option, da Sie die Tiere schlecht einfach in die Ecke stellen und das Licht ausmachen können." Auch den Wildpark Eekholt trifft die Krise. Bis Ende der Sommerferien sind alle Schulreisen und Kinderferien abgesagt. Das sind mehr als 10.000 stornierte Buchungen.

Tierbabys sorgen für Glück und Unwohlsein

Die Tiere selbst sind von der Krise völlig unbeeindruckt. Der erste Nachwuchs hat vielerorts das Licht der Welt erblickt. Doch bei den Mitarbeitern liegt über der Freude um den meist gesunden Nachwuchs ein Gefühl des Unwohlseins. "Die frischgebackenen und werdenden Muttertiere sowie ihr Nachwuchs müssen tierärztlich untersucht, Impfungen verteilt und über 800 Zoo- und Wildtiere jeden Tag mit Futter versorgt werden, Krise hin oder her", sagt Annika Witte vom Westküstenpark in St. Peter-Ording. "Am wichtigsten sind für uns im Moment Geldspenden, da sich Tierarztkosten und Medikamente nun mal nicht mit Naturalien bezahlen lassen. So sehr wir uns über den Nachwuchs freuen - die Versorgung der Kleinsten und der Muttertiere macht uns die meisten Sorgen."

Um den Futterbedarf der Tierparkbewohner muss sich Annika Witte aber erstmal keine Gedanken machen. Eiderstedter Landwirte haben bei Kollegen in Nordfriesland, Dithmarschen und Rendsburg-Eckernförde gesammelt. Neben 70 großen Rundballen Heu und Stroh brachten sie am Freitag (3.4.) auch Kraftfutter, Möhren und andere Spenden in St. Peter-Ording vorbei.

Spürbare Unterstützung und Hilfsbereitschaft

Die größten Schwierigkeiten liegen laut Stefanie Klingel von der Arche Warder vor allem in der Ungewissheit. "Können wir im Sommer ganz normal unsere Veranstaltungen stattfinden lassen?", ist nur eine der Fragen, die ihr durch den Kopf schwirren. Während die Tierpfleger weiter arbeiten, müssen andere Kollegen, wie zum Beispiel die Mitarbeiter des Restaurants und das Kassenpersonal, in Kurzarbeit gehen. Doch es gibt auch einige Lichtblicke: "Wir erleben eine große Hilfsbereitschaft. Restaurants, die schließen mussten, haben Salat vorbeigebracht, viele Menschen denken an uns und übernehmen Patenschaften", so Klingel. Über die sozialen Medien versuchen einige Parks, die Menschen durch Videos und Fotos weiter am Parkleben teilhaben zu lassen.

Zukunft der Tierparks ungewiss

Auch im Tierpark Gettorf ist Gabriele Ismer von der großen Hilfsbereitschaft und Anteilnahme der Menschen in den vergangenen Wochen begeistert: "Wir sind dafür überaus dankbar. Wie es mit unserem Betrieb unter den gegebenen Umständen weitergehen kann, ist ja noch völlig unabsehbar." Noch können die Verantwortlichen ihre Tierparks am Leben halten. Wie lange das ohne Einnahmen noch geht, ist bei fast allen im Land aber mehr als unsicher.

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 28.03.2020 | 19:30 Uhr

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