Schleswig-Holstein verschärft Corona-Regeln deutlich

Stand: 12.12.2020 10:36 Uhr

Kein Präsenzunterricht mehr für die Schüler ab der achten Klasse, schärfere Kontaktbeschränkungen, keine familiären Hotelübernachtungen zu Weihnachten -Schleswig-Holstein bereitet verschärfte Corona-Regeln vor.

Ein harter Lockdown zur Eindämmung der Corona-Pandemie kommt auf die Schleswig-Holsteiner zu. Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) beschrieb am Freitag im Landtag die Notwendigkeit noch strengerer Maßnahmen und verwies auf die hohen Infektionszahlen im Land. "Wir haben eine Anzahl an Neuinfektionen, wie wir sie noch nicht gehabt haben." So liegen die Kreise Stormarn und Pinneberg sowie die Stadt Lübeck bei der Sieben-Tage-Inzidenz über der 100er-Marke.

Alkohol im Freien ab Sonnabend verboten

Um in besonders betroffenen Kreisen und kreisfreien Städten unverzüglich reagieren zu können, gab das Gesundheitsministerium am Freitag zusätzlich einen Erlass heraus, er soll schon ab Sonnabend gelten, es geht um das Verbot von Alkohol im Freien und weitere Kontaktbeschränkungen ab einem Inzidenzwert von 70 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen.

Schulen ab Klasse 8 ohne Präsenzunterricht

Eine verschärfte Maßnahme betrifft die Schulen im Land. Ab der achten Klasse wird es ab Montag keinen Präsenzunterricht mehr geben, wie Günther im Landtag ankündigte. Stattdessen gibt es Digitalunterricht. In den Klassen 1 bis 7 gibt es weiterhin Präsenzunterricht. Günther richtete aber den Appell an die Eltern zu prüfen, ob ihre Kinder zu Hause bleiben können.

Kitas bleiben offen

Die Kitas bleiben geöffnet. Wer könne, solle die kleinen Kinder aber zu Hause lassen. "Ab Montag ist mein dringender Appell: Alle, die andere Betreuungsmöglichkeiten haben, die in der Lage sind, ihre Kinder derzeit nicht in die Kita zu geben, sind, rufe ich herzlich dazu auf, diesen Weg dann auch nicht anzutreten, sondern sich selbst darum zu kümmern." Er hoffe, dass sich auch die Arbeitgeber kooperativ verhalten.

Verschärfte Kontaktregeln

Auch die Kontaktbeschränkungen sollen verschärft werden. Bislang sind maximal zehn Personen erlaubt. Im öffentlichen und privaten Raum sollen sich nun schnellstmöglich höchstens fünf Personen aus zwei Haushalten treffen dürfen. Das gelte auch für Weihnachten, kündigte Günther an. Ausgenommen sei nur die engste Familie. "Wenn man Familienangehörige zu Hause bei sich zu Besuch hat, enge Familienangehörige - weil wir die Familie besonders schützen wollen - ist die Möglichkeit gegeben, bis zu zehn Personen auch zu treffen", sagte er in seiner Rede. In einigen Kreisen, die einen sehr hohen Inzidenzwert haben, gilt die Kontaktbeschränkung auf fünf Personen schon jetzt.

Keine familiären Hotelübernachtungen zu Weihnachten

Schleswig-Holstein erlaubt außerdem nun doch keine Hotelübernachtungen für Verwandtenbesuche über Weihnachten. Erlaubt seien nur noch berufliche Übernachtungen oder für Trauerfeiern, sagte Ministerpräsident Günther. Damit wird eine frühere Entscheidung der Landesregierung geändert. "Ich bitte um Verständnis, dass diese Regel nicht aufrecht erhalten werden kann."

Einzelhandel: Lebensmittelgeschäfte bleiben geöffnet

Zu konkreten Schließungen von Geschäften im Einzelhandel gab es am Freitag im Landtag in Kiel keine Angaben. Darüber soll die nächste Konferenz der Regierungschefs von Bund und Ländern entscheiden. Günther betonte aber: "Ich will allen Menschen die Sicherheit geben, dass es natürlich auch bei uns im Land im Norden so sein wird, dass Lebensmittelgeschäfte immer geöffnet haben werden. Dass die Geschäfte des täglichen Bedarfs von keiner Schließung betroffen sind. Auch zu den Pflegeeinrichtungen äußerte sich der Ministerpräsident: Die Heime werden offen bleiben für die Besuche der Angehörigen. Bis auf die AfD unterstützten alle Fraktionen im Landtag die Linie der Landesregierung.

 

Günther: Ministerpräsidentenkonferenz besser heute als morgen

In Bezug auf eine Bund-Länder-Schalte sagte der Ministerpräsident, diese sollte am besten schon heute, spätestens morgen erfolgen. Dort will er sich vehement für einen harten Lockdown einsetzen, der so schnell wie möglich kommen müsse. "Keinen Tag Zeitverzögerung kann man im Moment rechtfertigen." Günther will außerdem bei der Ministerpräsidentenkonferenz deutlich machen, dass Schleswig-Holstein keine Ausgangssperren will.

Weihnachten und Geschenke

Der CDU-Politiker äußerte sich auch zum Thema Weihnachten und Geschenke: "Es sollte niemand verurteilt werden, der in diesem Jahr kein Weihnachtsgeschenk zur Hand hat. Wir wollen jetzt nicht einen Run auslösen." Das Geschenk könne doch auch nachgereicht werden.

Günther: Zuhause bleiben ist das Gebot der Stunde

Ministerpräsident Günther schwor die Schleswig-Holsteiner darauf ein, zusammenzuhalten und unter anderem auch an diejenigen zu denken, die seit neun Monaten ihren Job nicht mehr ausüben können. "Im Moment ist das Gebot der Stunde - so weit es geht - zu Hause zu bleiben." Hat der Spuk in vier Wochen ein Ende? "Diese Zusicherung wird es von mir nicht geben. Aber jeder muss wissen: Wer sich ab dem heutigen Tag an die Kontaktregeln hält - jeder dieser Tage, der genutzt wird, ist ein Tag, den wir früher in Freiheit in unserem Land wieder zurückkehren können."

529 neue Infektionen gemeldet

Die Gesundheitsämter in Schleswig-Holstein haben dem Land 529 neue Infektionen (Stand Donnerstagabend, 10.12.) gemeldet. Am Donnerstag vor einer Woche (3.12.) waren es nicht einmal halb so viele. Das ist der höchste Wert, den die Landesmeldestelle seit Beginn der Pandemie registriert hat. Insgesamt sind nach der Statistik insgesamt 17.094 Menschen nachweislich mit dem Coronavirus Sars-Cov2 infiziert worden. 13.200 gelten nach einer Schätzung des Robert-Koch-Instituts (RKI) als genesen. 283 Todesfälle stehen laut dieser Statistik der Landesmeldestelle im Zusammenhang mit der Viruserkrankung Covid-19, sieben mehr als am Vortag. Die Sieben-Tage-Inzidenz für Schleswig-Holstein beträgt nach diesen Daten 67,8.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 11.12.2020 | 12:00 Uhr

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