Spritze mit Corona-Impfstoff wird verabreicht. © picture alliance/Jens Büttner Foto: Jens Büttner

SH will AstraZeneca-Impfstoff auch über 65-Jährigen impfen

Stand: 04.03.2021 18:40 Uhr

Schleswig-Holstein will den AstraZeneca-Impfstoff auch über 65-Jährigen impfen. Außerdem öffnet das nördlichste Bundesland die Impf-Terminvergabe für die Prioritätengruppe 2 - los geht es am 9. März.

Schleswig-Holstein will der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) folgen und den AstraZeneca-Impfstoff auch über 65-Jährigen impfen. Ob das bereits in der kommenden Woche mit der Öffnung der Terminvergabe für die Prioriätengruppe 2 passieren wird, steht noch nicht fest. Sicher ist bislang, dass sich ab Dienstag, 9. März, 17 Uhr, Angehörige der Prioritätengruppe 2 unter 65 Jahren online unter www.impfen-sh.de für einen Impftermin anmelden können. Dazu zählen zum Beispiel Beschäftigte in Kitas und Grundschulen sowie chronisch kranke oder geistig behinderte Menschen. Für März und April stehen laut Garg insgesamt rund 300.000 Impfdosen zur Verfügung, wenn die Lieferzusagen eingehalten werden.

Impfstoff wird nicht sofort für ganze Gruppe reichen

Die Öffnung der zweiten Prioritätengruppe werde der Impfkampagne im nördlichsten Bundesland "einen Schub geben", sagte Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP): "Jede einzelne geimpfte Person trägt dazu bei, die Auswirkungen des Virus insgesamt einzudämmen." Garg bat aber auch darum, weiter Geduld zu haben. Nicht für alle Impfberechtigten der Gruppe 2 werde sofort ein Impfstoff zur Verfügung stehen. Hintergrund für die Öffnung der Terminvergabe für eine neue Prioritätengruppe - neben der Prioritätengruppe 1 - ist, dass es in dieser Woche erstmals keine vollständige Auslastung in einigen Impfzentren im Land gab.

Stiko beruft sich auf Analyse neuer Studiendaten

Die Einzelheiten zu der Öffnung stellte Garg am Donnerstag vor - kurz darauf gab die Stiko bekannt, den AstraZeneca-Impfstoff auch für über 65-Jährige zu empfehlen. Das war bis dato nicht der Fall. Die Entscheidung beruhe "auf einer intensiven Analyse und Bewertung von neuen Studiendaten, die erst innerhalb der vergangenen Tage als Vorab-Publikationen verfügbar wurden", hieß es in einer Mitteilung der Stiko.

Garg hatte während seiner Pressekonferenz aber bereits gesagt, sich strikt an Stiko-Empfehlungen halten zu wollen. Die Bundesimpfverordnung basiert auf der Empfehlung der Ständigen Impfkommission.

Termin für 65- bis 79-Jährige steht noch nicht fest

Diese Änderung müsse nun eingearbeitet werden, heißt es aus dem Gesundheitsministerium. Anschließend könnten sich auch Personen der Prioritätengruppe 2, die 65 bis 79 Jahre alt sind, online anmelden, sagte ein Ministeriumssprecher. Sobald feststeht, wann sich auch diese Personengruppe für einen Termin anmelden kann, will das Gesundheitsministerium dies bekanntgeben.

Vordrucke für Nachweise können ausgedruckt werden

Wer zu der Prioritätengruppe 1 oder 2 gehört, muss dies nachweisen können. Entsprechende Vordrucke können auf der Homepage des Landes heruntergeladen und ausgedruckt werden. Sie müssen zum Beispiel vom Hausarzt oder dem Arbeitgeber unterschrieben werden.

Impfstart auch für Polizisten mit viel Bürgerkontakt

Auch Polizistinnen und Polizisten können sich ab der kommenden Woche mit dem AstraZeneca-Impfstoff impfen lassen. Dazu hatte die Landespolizei in einem ersten Schritt 4.100 Personen benannt, die nach Angaben der Behörde aufgrund häufiger Bürgerkontakte einem besonders hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind. Betroffene können sich beim polizeiärztlichen Dienst oder in den öffentlichen Impfzentren impfen lassen.

Online-Buchung für Menschen über 80 bald wieder möglich

Gesundheitsminister Garg kündigte am Donnerstag auch eine Änderunge für die über 80-Jährigen an, die auf der Prioritätenliste ganz oben stehen: Aktuell können sie nur telefonisch einen Impftermin vereinbaren - nach Aufforderung. Dafür verschickt das Gesundheitsministerium nach und nach bis Mitte März Einladungsbriefe mit persönlicher PIN. Im Laufe der kommenden Woche werde es wieder zusätzlich die Möglichkeit geben, die Termine online zu vereinbaren, kündigte das Ministerium an. Der genaue Starttermin werde noch bekannt gegeben. Auch online seien Termine exklusiv für die Gruppe der über 80-Jährigen reserviert, sagte ein Ministeriumssprecher.

Diese Personen unter 65 Jahren gehören zur Prioritätengruppe 2:

Personen mit Vorerkrankungen mit hohem Risiko

  • mit Trisomie 21
  • nach einer Organtransplantation
  • mit einer Demenz, einer geistigen Behinderung oder mit schwerer psychiatrischer Erkrankung
  • mit hämatologischer oder behandlungsbedürftiger Krebserkrankung
  • mit schweren Lungenerkrankungen (zum Beispiel COPD, Mukoviszidose)
  • mit Diabetes (mit HbA1c ≥ 58 mmol/mol oder ≥ 7,5%)
  • mit chronischer Leber- oder Nierenerkrankung
  • mit einem Body-Mass-Index über 40
  • mit einem ärztlich attestierten erhöhten Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf

Bis zu zwei enge Kontaktpersonen oder Pflegende
  • von den oben genannten Personen mit Vorerkrankungen mit hohem Risiko, die nicht in einer Einrichtung leben
  • von einer schwangeren Person

Personal
  • in stationären Einrichtungen und in ambulanten Pflegediensten, das geistig behinderte Menschen behandelt, betreut oder pflegt
  • in medizinischen Einrichtungen, insbesondere Ärztinnen und Ärzte und sonstiges Personal mit regelmäßigem unmittelbarem Patientenkontakt
  • der Blut- und Plasmaspendedienste und in Corona-Testzentren. Impfberechtigt sind
  • Polizei- und Ordnungskräfte, die - etwa bei Demonstrationen - einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind
  • Soldatinnen und Soldaten, die bei Einsätzen im Ausland einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind
  • Personen, die im öffentlichen Gesundheitsdienst tätig sind
  • Personen in Positionen, die für die Aufrechterhaltung der Krankenhausinfrastruktur relevant sind
  • Beschäftigte in Kinderbetreuungseinrichtungen, in der Kindertagespflege, sowie in Grund-, Sonder- oder Förderschulen
  • Personen, die in Obdachlosen-, Asylbewerber-, Flüchtlings- oder Spätaussiedler-Unterkünften leben oder tätig sind
  • Personen, die mit anerkannten Angeboten zur Unterstützung im Alltag im Sinne des § 45a SGB XI regelmäßig bei älteren oder pflegebedürftigen Menschen tätig sind

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 04.03.2021 | 17:00 Uhr

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