Ein mit Müll gefüllter Container an einem Waldrand. © NDR Foto: Daniel Gensing

Rücksichtslose Waldbesucher: Der Förster wird zum Polizisten

Stand: 28.02.2021 06:00 Uhr

Seit Ausbruch von Corona vor einem Jahr sind die Wälder voll mit Menschen. Die Landesforsten Schleswig-Holstein haben viele Verstöße registriert und wünschen sich, dass sich die Besucher besser an Regeln halten.

von Andrea Schmidt

"Ich fühle mich manchmal mehr wie ein Polizist - und gar nicht mehr wie ein Förster." Dirk Prigge, Förster aus Hahnheide (Kreis Stormarn), weiß nicht so recht, ob er bei diesem Satz schmunzeln oder verärgert sein soll. An manchen Tagen kommt eine "hohe vierstellige Zahl" von Besuchern in das 1.400 Hektar große Wald- und Wassergebiet. "Eine Steigerung von 100 Prozent", sagt der Förster. "Da sind zum Beispiel Jugendliche, die im Wald feiern, und ich muss dann wieder da stehen mit erhobenem Zeigefinger." Oder Mountainbiker ermahnen, wenn sie wild über Sprungschanzen brettern. Oder Spaziergänger daran erinnern, doch bitte auf den Wegen zu bleiben. "Gerade jetzt, wenn die Brutzeit beginnt, sollte man Rücksicht nehmen." So mancher Greifvogel breche die Brutzeit bei zu viel Ruhestörung ab.

Nicht angeleinte Hunde und viel Müll

"Es scheint so, als würden manche Menschen denken, dass es sich beim Wald um einen rechtsfreien Raum handelt", sagt Dirk Prigge nachdenklich. Auch sein Kollege Rainer Mertens vom Brekendorfer Fort erlebt seit einem Jahr ähnliches. "Der Klassiker sind die nicht angeleinten Hunde. Oder auch der Müll, der immer mal liegen bleibt." An schönen Wochenenden ist der Forst im Naturpark Hüttner Berge voll. "Sie glauben gar nicht, wie voll", sagt der 50-Jährige. Reiter, Spaziergänger und Radfahrer sind gleichermaßen unterwegs. Dann noch die Nordic-Walking-Freunde, es wird eng. "Ich würde mir einfach mehr Rücksicht untereinander wünschen."

VIDEO: Fehlende Rücksicht für Wald und Tier (3 Min)

Der Hochsitz wird zur Aussichtsplattform

Eine Person hockt mit einem Hund im Schnee, im Hintergrund liegen gefällte Bäume. © NDR Foto: Andrea Schmidt
Förster Rainer Mertens freut sich über mehr Besucher im Wald, wünscht sich aber viel mehr Rücksicht.

Neben Hahnheide und dem Brekendorfer Forst gelte auch die Försterei Scharbeutz als "Hotspot", sagt der Sprecher der Landesforsten Schleswig-Holstein, Ionut Huma. "Überall da, wo viele Tagestouristen hinkommen, sind auch die Wälder gefragt." Huma hat noch weitere Förstereien nach ihren Erfahrungen mit dem Corona-Jahr befragt. Dabei herausgekommen sind folgende Verstoße: Aufgestapelte Holzstämme werden von Kindern als Spielplatz umfunktioniert, Hochsitze der Jäger dienen als Aussichtsplattform. Autos fahren verstärkt in Waldwege hinein. Frech findet Huma das Verhalten von einigen Hundebesitzern: "Sie nehmen teilweise ihre Leinenpflicht nicht wahr, auch dann nicht, wenn sie von dem Förster oder der Försterin angesprochen werden." Das Wild werde dadurch aufgeschreckt. Förster Rainer Mertens ergänzt: "Dadurch verbraucht zum Beispiel das Reh mehr Energie und frisst wiederum junge Knospen ab, was nicht gewollt ist."

Besucher sind klasse, aber ...

Vielen Waldbesuchern sei bestimmt gar nicht bewusst, was sie durch ihr Verhalten anrichten, so die Vermutung der Förster. Grundsätzlich finden es alle klasse, dass die Schleswig-Holsteiner in der zermürbenden Corona-Zeit den Wald als Naherholungsgebiet wiederentdeckt haben. "Aber gerade in Schleswig-Holstein als waldärmstes Bundesland sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass wir alle den Wald und seine Bewohner besonders schützen und umso mehr auf ihn achten", findet Ionut Huma von den Landesforsten. 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 28.02.2021 | 08:00 Uhr

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