Stand: 01.04.2020 14:08 Uhr

Rätselraten um 10.000 Beatmungsgeräte aus Lübeck

von Thorsten Philipps
Ein Beatmungsgerät an einem Krankenbett. © picture alliace Foto: Axel Heimken
Politiker und Wissenschaftler gehen davon aus, dass wegen der Corona-Pandemie in den kommenden Wochen bundesweit deutlich mehr Beatmungsgeräte benötigt werden.

Viele Krankenhäuser warten wegen der Corona-Pandemie händeringend darauf: Der Lübecker Medizintechnik- und Sicherheitskonzern Dräger will bis zum Ende dieses Jahres 10.000 Beatmungsmaschinen produzieren. Die ersten der von der Bundesregierung bestellten Geräte seien jetzt fertig und würden in den kommenden Wochen ausgeliefert, sagte Vorstandschef Stefan Dräger. Wie viele Geräte bereits fertiggestellt sind und welche Kliniken sie bekommen, wollte Dräger nicht sagen. Es gebe einen Belieferungsplan, zu dem nur die Bundesregierung Auskunft erteilen könne.

Abstimmung mit den Landesregierungen

Doch die hält sich bedeckt. Das Gesundheitsministerium in Berlin teilte lediglich mit, dass die Beatmungsgeräte in enger Abstimmung mit den Landesregierungen verteilt werden sollen. Diese Gespräche laufen derzeit, wie ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums NDR Schleswig-Holstein sagte. Aus dem Landesgesundheitsministerium in Kiel hieß es, die Lieferung der Beatmungsgeräte stehe auch in Schleswig-Holstein noch aus.

Lieferketten dürfen nicht abreißen

Dräger bekommt derzeit Anfragen und Bestellungen aus der ganzen Welt. Nach Informationen von NDR Schleswig-Holstein produziert der Konzern normalerweise 200 Geräte pro Woche, aktuell sind es bereits doppelt so viele. Und Stefan Dräger sagte, nun werde versucht, die Produktion zu vervierfachen. Doch zugleich wies er auf die Gefahren durch Grenzschließungen hin, die zu einem Exportstopp führen könnten: "Die Beatmungsgeräte werden aus Teilen gebaut, die Firmen in Amerika, Asien und Neuseeland fertigen. Wenn die Lieferketten unterbrochen werden, kann niemand mehr diese komplexen Spezialgeräte herstellen."

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Dräger ist auch bei Atemschutzmasken gefragt

Erst vor wenigen Tagen erhielt Dräger von der US-Regierung einen Großauftrag für die Produktion von Atemschutzmasken. Dafür will der Konzern nach eigenen Angaben eine neue Produktionsstätte an der Ostküste der Vereinigten Staaten errichten. Geplant sei eine Stückzahl im höheren zweistelligen Millionenbereich. Der Vorstand der Dräger-Sparte Sicherheitstechnik, Rainer Klug, sagte, in der aktuellen Pandemie seien die weltweiten Produktionskapazitäten von qualitativ geeigneten Atemschutzmasken voll ausgeschöpft. Deshalb werde man den USA exklusiv lokal eine neue Fabrik hinstellen. Ziel ist, dass die Produktion dort bereits im September startet.

Der Bau einer eigenen Produktionsstätte sei ein pragmatischer Ansatz, der in vielen Staaten und besonders auch in Europa möglich sei, erklärte Klug. Entsprechende Angebote werden nach seinen Worten zurzeit mit mehreren Ländern diskutiert. Dräger produziert Atemschutzmasken bisher in Schweden und Südafrika. 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 31.03.2020 | 14:00 Uhr

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