Ein Mädchen spielt am Strand und blickt in die Kamera. © Ute Grabowsky Foto: Ute Grabowsky

Osterurlaub möglich? Schleswig-Holstein verbreitet Hoffnung

Stand: 15.02.2021 18:19 Uhr

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Günther hält es für falsch, schon jetzt Osterurlaube abzusagen. Tourismus-Betriebe sehen sich gut vorbereitet. Die Dehoga will einen konkreten Fahrplan.

Oster-Urlaub trotz Corona-Pandemie - wird das was? Am Wochenende hatte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) in der "Bild am Sonntag" gesagt, dass er keine Chance für Urlaubsreisen zu Ostern sehe. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther, ein Parteikollege von Kretschmer, widersprach. "Bei uns in Deutschland sehe ich sehr wohl die Möglichkeit, dass wir Inlandstourismus bis zu diesem Zeitpunkt möglich machen", erneuerte Günther seine Ansichten zu dem Thema am Montag. Bis Ostern seien noch sieben Wochen Zeit. Deshalb hält es Günther für falsch, unabhängig von der Inzidenz schon jetzt Urlaube abzusagen. Er werde auch Hotelbesitzern nicht davon abraten, Buchungen für die Ostertage anzunehmen. "Aber ich kann auch keine Garantie dafür geben, dass sich die Zahlen weiter so positiv entwickeln", sagte der Ministerpräsident.

Günther: "Sehe Perspektive ab Ostern"

Günther unterstrich, dass die Öffnung von Gastronomie und Hotels bis Ostern ein Ziel sei, an dem gearbeitet werde. Natürlich müsse dabei auch über Testungen und über den Umgang mit Gebieten geredet werden, in denen es relativ viele Corona-Fälle gebe. "Aber definitiv sehe ich für den Tourismus eine Perspektive ab Ostern", sagte Günther.

TASH spricht "nötige Vorbereitungszeit" an

Auch Schleswig-Holsteins Tourismus-Agentur (TASH) hofft auf einen Neustart des Tourismus zu Ostern. Geschäftsführerin Bettina Bunge hält es, wie Daniel Günther, für zu früh, sich schon jetzt gegen eine Öffnung zu Ostern zu entscheiden. Sie hoffe für die Branche auf das lang geplante Ostergeschäft: "Mit der nötigen Vorbereitungszeit können die Betriebe zu Ostern öffnen, wenn die Inzidenzzahlen weiter sinken, so dass sicheres Reisen möglich ist." Die Tourismus-Betriebe seien sehr gut vorbereitet mit den notwendigen Hygiene- und Schutznahmen sowie Kontaktnachverfolgungsmöglichkeiten.

Branche befürchtet erneute Umsatzverluste

Laut Tourismus-Agentur erzielt die Branche mit ihren mehr als 160.000 Beschäftigten pro Jahr etwa 9,5 Milliarden Euro Umsatz. "Der erneute Ausfall des Ostergeschäfts würde unserer Tourismusbranche insgesamt Umsatzverluste in Millionenhöhe verursachen und größtenteils nicht durch eine Verlagerung der Reisen in andere Monate kompensiert werden können", erklärte die Geschäftsführerin.

Dehoga: "Pauschale Absage ist inakzeptabel"

Das Gastgewerbe zeigt sich verärgert über die Debatte. "Die pauschale Absage des Osterurlaubs ist völlig inakzeptabel und ein erneuter Schlag ins Gesicht der Branche", kritisierte Guido Zöllick, Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga). Dehoga-Landesgeschäftsführer Stefan Scholtis empfindet es ebenfalls als nicht zielführend, den Osterurlaub schon sieben Wochen vor Antritt abzusagen.

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Scholtis: Wie kann eine Öffnung aussehen?

Aber statt öffentlicher Diskussionen brauche es verlässliche Aussagen der Bundeskanzlerin und der Länderchefs beim nächsten Corona-Gipfel am 3. März, so Scholtis. "Wir erwarten nun ganz klar einen konkreten zeitlichen Fahrplan, wie eine Öffnung für das Gastgewerbe aussehen kann." Scholtis sagte, es brauche mindestens zwei Wochen Vorlaufzeit, damit die Betriebe Waren einkaufen und Personal disponieren könnten.


SPD: Mit Nachbar-Bundesländern abstimmen

"Die touristischen Betriebe in Schleswig-Holstein brauchen eine Perspektive", sagte Regina Poersch von der SPD-Landtagsfraktion: "Die Landesregierung (CDU, Grüne, FDP, Anm. d. Red.) wäre daher gut beraten, sich auf die Urlaubssaison in unserem Land vorzubereiten und sich dabei mit unseren norddeutschen Nachbar-Bundesländern abzustimmen."

Die FDP-Tourismuspolitikerin Annabell Krämer verwies auf den Perspektivplan der Landesregierung. "Nach den monatelangen massiven Beschränkungen haben die Menschen einen verstärkten und verständlichen Wunsch nach Urlaub." Sieben Wochen vor Beginn der Osterferien und angesichts derzeit sinkender Inzidenzwerte sei ein "pauschaler Abgesang des Osterurlaubs" wenig hilfreich.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU im Landtag, Hans-Jörn Arp, rechnet damit, dass die Situation in drei Wochen besser abzuschätzen sei. "Wenn die Inzidenzen weiter runtergehen und ein Wert von 35 und weniger erreicht wird in den nächsten drei Wochen, dann spricht nichts gegen eine Öffnung der Gastronomie und Hotellerie zum Ostergeschäft gemäß unseres Perspektivplans."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 15.02.2021 | 17:00 Uhr

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