Stand: 25.03.2020 18:30 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Nun doch Abiprüfungen - Prien verteidigt Vorstoß

Die Abiturprüfungen sollen ungeachtet der Corona-Krise nach jetzigem Stand stattfinden. Darauf haben sich die Kultusminister der Länder am Mittwoch (25.3.) nach einer Telefonkonferenz geeinigt. Damit widersprachen sie einem Vorschlag, den Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) am Dienstag (24.3.) für das nördlichste Bundesland ins Spiel gebracht hatte. Eine Absage der Prüfungen - wie von Prien für Schleswig-Holstein erwogen - sei "zum heutigen Zeitpunkt" nicht nötig, hieß es seitens der Kultusministerkonferenz (KMK). "Für uns heißt das, dass die Abiturprüfungen wie geplant ab dem 21. April in Schleswig-Holstein stattfinden", sagte Prien: "Für die Schülerinnen und Schüler in Schleswig-Holstein und in ganz Deutschland konnten wir durch diesen Beschluss der KMK heute endlich die Klarheit schaffen, die sie brauchen, um sich gut auf ihre Prüfungen vorzubereiten."

Prien-Vorstoß abgelehnt - Abiprüfungen bleiben

Schleswig-Holstein Magazin -

Die Kultusministerkonferenz der Länder hat den Vorstoß von Schleswig-Holsteins Bildungsministerin abgelehnt: Die Abiturprüfungen sollen wie geplant stattfinden. Karin Prien im Interview.

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Prien: "Ich wollte eine Entscheidung vor Freitag"

Prien räumte ein, mit ihrem Vorschlag, alle Schulabschlussprüfungen in Schleswig-Holstein in diesem Schuljahr wegen der Corona-Krise ausfallen zu lassen, vorgeprescht zu sein. Die Schüler hätten nach dem Willen Priens Abschlusszeugnisse auf Basis ihrer bisherigen Noten erhalten. "Ich wollte für unsere Schülerinnen und Schüler eine Entscheidung vor Freitag, weil wir am Freitag in die Ferien gehen", begründete die CDU-Politikerin den Vorstoß. Manchmal sei es so, "dass in einer solchen Gruppe (die Kultusministerkonferenz, Anm. d. Red.) einer mal drei Schritte vorweggehen muss, damit sich die Gruppe insgesamt mal einen Schritt bewegt". Diese Bewegung und damit Klarheit habe es nun am Mittwoch gegeben, "auch wenn ich mir eine andere fachliche Abwägung erwünscht hätte", sagte Prien. Dennoch: "Es war richtig vorzupreschen."

Telefonat zwischen Günther und Ministerin

Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sei über den Vorstoß Priens nicht glücklich gewesen, verlautete es aus Kreisen des Landeshauses. Demnach hielt Günther die Idee auch sachlich für nicht überzeugend. Am Mittwochvormittag soll es in der Sache ein längeres Telefonat zwischen dem Regierungschef und der Ministerin gegeben haben. Für Priens Vorhaben soll es nach Angaben aus Teilnehmerkreisen in der KMK-Schaltkonferenz deutliche Kritik von fast allen Ländern gegeben haben.

Prien selbst erklärte am Mittwochnachmittag, dass sie von vielen Fachpolitikern, von Lehrerverbänden und von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ein sehr positives Echo bekommen habe - "auch von vielen Schulleiterinnen und Schulleitern übrigens". Aber es habe auch Kritik gegeben. Ihr sei klar gewesen, "dass es ein kontroverser Vorschlag sein würde".

Prien betonte, sie habe ihren Vorschlag am Dienstag zur Diskussion gestellt und nicht angekündigt, dass die Abiturprüfungen nicht stattfänden. Nun gebe es Klarheit, so Prien: "Die Schülerinnen und Schüler wissen jetzt, dass sie sich vorbereiten müssen auf diese Prüfungen." Die "Achterbahnfahrt in den letzten 24 Stunden" tue ihr leid.

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Wegen Corona: Prien fordert Absage der Abiturprüfung

24.03.2020 19:00 Uhr

Weil wegen der Corona-Krise unklar ist, wann der Schulbetrieb weitergeht, fordert Bildungsministerin Prien ein Anerkennungsabitur in SH. Das würde bedeuten, dass die Schüler keine Prüfungen ablegen. mehr

Prüfungen auch in geschlossenen Schulen möglich

Laut Prien hat sich die KMK darauf geeinigt, dass die Schüler ausreichend Zeit zur Vorbereitung erhalten sollen. Die Prüfungen könnten auch in geschlossenen Schulen stattfinden, sofern es keine entgegenstehenden Landesregelungen gebe. Außerdem könnten die Länder ausnahmsweise auf zentrale Elemente aus dem Abituraufgabenpool verzichten und diese durch dezentrale Elemente ersetzen.

Die Abiturprüfungen in Schleswig-Holstein sollen laut Prien unter Einhaltung der Regeln zum Infektionsschutz stattfinden. Den Beschluss vom 12. März, wonach die Länder die erreichten Abschlüsse dieses Schuljahres auf der Basis gemeinsamer Regelungen gegenseitig anerkennen werden, habe die KMK erneut bestätigt, so Prien. Den Schülern sollen so keinerlei Nachteile durch die jetzige Ausnahmesituation entstehen.

Midyatli: Vorstoß hat für unnötige Unruhe gesorgt

Die SPD-Landesvorsitzende und stellvertretende Parteivorsitzende Serpil Midyatli kritisierte, Prien habe mit ihrem unabgestimmten Vorstoß für unnötige Unruhe gesorgt. "Als SPD haben wir immer klar gesagt, es darf kein Durcheinander in Deutschland entstehen." Die Prüfungen müssten gleichwertig abgelegt werden. Schon gar nicht dürften Schüler aus Schleswig-Holstein durch einen Alleingang der Bildungsministerin bei der Vergabe von Ausbildungs- oder Studienplätzen einen Nachteil erhalten.

Mitte März war der Unterricht wegen des neuartigen Coronavirus an den Schulen eingestellt worden. Im laufenden Schuljahr wollen in Schleswig-Holstein 14.000 Schüler ihr Abitur ablegen. Nach Angaben des Bildungsministeriums melden die Schulen zudem 10.415 Schüler zum ersten allgemeinbildenden Schulabschluss an und weitere 12.083 Schüler zum mittleren Schulabschluss.

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Prien: "Es war richtig vorzupreschen"

Bildungsministerin Karin Prien hat ihren Vorschlag, auf alle Schulabschlussprüfungen wegen der Corona-Krise zu verzichten, verteidigt. Die Prüfungen sollen nun doch stattfinden. Video (01:33 min)

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Die mögliche Abitur-Absage polarisiert. Wir haben User-Meinungen darüber zusammengetragen. Nur wenige User haben Verständnis für den Vorschlag von Bildungsministerin Prien. mehr

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 25.03.2020 | 19:00 Uhr

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