Ein Junge sitzt in einer Schulklasse und meldet sich. © photocase Foto: 2Design

Nach langer Corona-Pause: Schüler in SH sind verunsichert

Stand: 09.03.2021 18:14 Uhr

Für immer mehr Kinder und Jugendliche in Schleswig-Holstein endet der Schul-Lockdown in der Corona-Pandemie. Doch die Landesschülervertretung weist auf zahlreiche Probleme hin.

In den meisten Regionen Schleswig-Holsteins sind die Jahrgangsstufen 1 bis 6 bereits wieder im Präsenzunterricht, teilweise gibt es für sie noch Wechselunterricht. Ab Montag (15.3.) soll der Wechselunterricht an den meisten Schulen im Land auch ab Klasse 7 starten. Die aktuellen Corona-Zahlen lassen dies laut Landesregierung zu. Doch oftmals gebe es noch gar keine Informationen, wie dieser Unterricht gestaltet werden soll, kritisiert Rebecca Rothermel von der Landesschülervertretung (LSV).

Rothermel selbst besucht die zehnte Klasse der Immanuel--Kant-Schule in Neumünster. Die Verunsicherung sei groß: "Ich würde mir wünschen, dass der Wechselunterricht so aussieht, dass es eine Woche Präsenz- und eine Woche Distanzunterricht gibt. Ich denke, das ist für alle das Beste, da man dann in allen Fächern mindestens einmal in Präsenz unterrichtet wurde - und nicht nur in ein paar Fächern."

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Die Lehrer wiederum gingen unter vor Arbeit, sagt Jens Finger vom Philologenverband. Wechselunterricht bedeute noch mehr Aufwand. Da brauche man eigentlich auch die doppelte Anzahl an Lehrern, so der Verband.

Umfrage: Schlechte Vorbereitungen auf Prüfungen

Auch in den Abschlussklassen der Gymnasien und Gesamtschulen herrscht Unzufriedenheit. Dort heißt es gleichermaßen, dass der Arbeitsstress extrem hoch sei. Das belegt auch eine Umfrage der Landesschüler*innenvertretung der Gemeinschaftsschulen Schleswig-Holstein, an der sich rund 3.000 Schüler der Abschlussjahrgänge beteiligt haben. 77 Prozent der Schüler finden, dass die versäumten Lerninhalte aus dem vergangenen Schuljahr nicht ausreichend aufgeholt wurden. 71 Prozent fühlen sich "nicht" oder "eher nicht" auf die Abschlussprüfungen vorbereitet. Außerdem kritisiert die Vertretung, dass das Bildungsministerium eine intensive Prüfungsvorbereitung rechtzeitig bekannt gegeben habe, diese in den Schulen zunächst aber nicht umgesetzt worden sei. 

Grundschulen unterrichten mehr als nur Kernfächer 

Das Ministerium hatte zudem die Vorgabe gegeben, sich in Grundschulen auf die Kernfächer zu konzentrieren - Mathe und Deutsch. Der Vorsitzende des Landeselternbeirates der Grundschulen und Förderschulen, Volker Nötzold, sagte allerdings im Gespräch mit NDR Schleswig-Holstein, dass jede Schule das anders mache. Laut ihm wird an einigen Schulen wieder Musik, Englisch, Sachunterricht und sogar Sport - draußen, mit Maske und in Jeanshosen - unterrichtet. 

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Lehrergewerkschaft GEW sieht großen Nachhilfebedarf

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) geht - ebenso wie Bildungsministerin Karin Prien (CDU) - davon aus, dass Kinder und Jugendliche in nächster Zeit einen großen Nachhilfe-Bedarf haben. Die GEW-Landesvorsitzende Astrid Henke sagte aber, dass die Lehrer zurzeit keine zusätzlichen Ressourcen hätten. Es müsse ein kompaktes Nachhilfe-Konzept erstellt werden, so die Forderung: "Dazu werden die Schulen zusätzliche Lehrkräfte benötigen, aber auch Schulsozialarbeit wird ein wichtiger Baustein sein, um da zu unterstützen."

Zudem werde es notwendig sein, zusätzliche Studierende, aber auch Senior-Teacher für Unterstützung am Nachmittag zu gewinnen, so Henke. Sie macht außerdem den Vorschlag, Gutscheine an Kinder zu verteilen, die Nachhilfe bräuchten. Die Kosten müssten Land beziehungsweise Bund übernehmen, so Henke.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 09.03.2021 | 17:00 Uhr

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