Gesundheitsminister Dr. Heiner Garg (FDP) spricht bei einer Pressekonferenz vor seinem Ministerium in Kiel. © NDR

Nach AstraZeneca-Impfung: Zweitimpfung mit mRNA-Impfstoff

Stand: 02.07.2021 15:10 Uhr

Gesundheitsminister Heiner Garg hat am Freitag bekannt gegeben, dass Schleswig-Holstein der neuen Empfehlung der Stiko bezüglich der Impfungen mit dem Wirkstoff von AstraZeneca folgen wird.

Schleswig-Holstein folgt der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko). Das bedeutet, dass nach einer Erstimpfung mit AstraZeneca die Zweitimpfung entweder mit dem Wirkstoff von Biontech oder Moderna erfolgt. Das gab Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) bei einer Pressekonferenz bekannt.

Stiko ändert Empfehlung

Das RKI ist zu der Erkenntnis gekommen, dass ein besserer Schutz erreicht werde, wenn auf die Impfung mit AstraZeneca eine Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff folgt. Die Stiko hatte deshalb die Empfehlung geändert. "Vor diesem Hintergrund haben wir heute entschieden, dass die Länder dieser Empfehlung der Stiko folgen werden", erklärt Garg. Auch alle anderen Bundesländer werden der Empfehlung folgen, so der Minister weiter. Allerdings wünsche er sich zukünftig eine bessere Kommunikation - man sei von der kurzfristigen Entscheidung der Stiko ohne Absprache überrascht gewesen.

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Ab Sonnabend Zweitimpfungen mit mRNA-Impfstoff

Bereits ab Sonnabend werden die Zweitimpfungen in den Impfzentren dann mit einem mRNA-Impfstoff gemacht. Auf besonderen Wunsch könne aber auch die Zweitimpfung mit AstraZeneca erfolgen, so Garg. Wichtig sei, in Schleswig-Holstein müssen keine Termine für die Zweitimpfungen an den Impfzentren verlegt oder storniert werden. Es sei ausreichend mRNA-Impfstoff für die Zweitimpfung zur Verfügung. Anders sehe es allerdings in den Praxen der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte aus. Nicht alle Praxen können auf Grund der Kapazitäten die Impftermine vorziehen. Denn: Nach frühestens vier Wochen soll die Zweitimpfung nach Erstimpfung mit AstraZeneca passieren und nicht wie zuvor 12 Wochen bei doppelter AstraZeneca-Impfung.

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Garg wies nochmal darauf hin, dass sich niemand sorgen muss, der doppelt mit AstraZeneca geimpft wurde. Die Immunantwort sei nach Auffassung der Stiko bei einer Kreuzimpfung besser, aber die Menschen hätten trotzdem ausreichend Schutz vor dem Corona-Virus - auch vor der Delta-Variante, so Garg.

Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister bat die Bürgerinnen und Bürger außerdem um Rücksicht: "Bitte machen Sie nicht das Praxispersonal für die Stiko-Empfehlung verantwortlich!"

KVSH: Unhaltbare Zustände

Kritik kommt deshalb auch von der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH). "Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass diese rasanten Kurswechsel auf dem Rücken der Praxen und ihres Personals ausgetragen wird, das hätte man voraussehen können", sagt die Vorstandsvorsitzende der KVSH, Monika Schliffke. "Die Politik muss jetzt dafür sorgen, dass speziell für Praxen, die sich aktiv an Sonderaktionen zu AstraZeneca eingesetzt haben, in größeren Mengen mRNA-Impfstoff geliefert wird", fordert Schliffke. "Mit Hochdruck muss - aufgrund der widersprüchlichen Haltungen von Stiko und EMA - in der Politik zudem an einer Klärung der grundsätzlich neu auftauchenden Haftungsfrage gearbeitet werden", sagte die KVSH-Chefin. Die KVSH empfehle daher ihren Ärzten, nunmehr auf Erstimpfungen mit AstraZeneca zu verzichten. Die Nicht-Planbarkeit durch ständig wechselnde Vorgaben sei niemandem mehr zumutbar.

Auch der Hausärzteverband sieht die Vorgehensweise kritisch: "Aus medizinischer Sicht können wir diese Entscheidung durchaus nachvollziehen, denn sie hat sich ja auch abgezeichnet. Warum aber ein RKI eine solche Entscheidung verkündet, ohne dass vorher die Ministerien eingeweiht sind und ohne dass man vorher irgendwie plant, wie man das umsetzen könnte - das erstaunt mich total", erklärt Thomas Maurer, Vorsitzender des Hausärzteverbands.

Weiterhin Sonderimpfkationen geplant

Garg erklärte, dass weitere Sonderimpfaktionen mit AstraZeneca angeboten würden. Die Zweitimpfung wird auch dann entsprechend der Empfehlung mit einem mRNA-Impfstoff erfolgen. "Sie sehen daran, Schleswig-Holstein ist zum Glück gut aufgestellt - wir sind auf alle Eventualitäten eingestellt", erklärte der Minister.

Neues Angebot für digitales Impfzertifikat

Wer nach dem 17. Juni in einem Impfzentrum abgeschlossen geimpft wurde, bekommt automatisch einen QR-Code, mit dem man einen digitalen Impfnachweis zum Beispiel in die Corona-Warn-App laden kann. Alle anderen mussten bislang in Apotheken ein digitales Impfzertifikat erstellen lassen - in Schleswig-Holstein gibt es aber künftig auch noch eine andere Möglichkeit. Laut Garg werden in den kommenden Tagen alle, die vor dem 17. Juni geimpft wurden, per Mail angeschrieben. Wer einen digitalen Impfnachweis möchte, muss einen Link in der Mail anklicken und bekommt dann nach wenigen Tagen ein digitales Zertifikat zum runterladen zugeschickt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 02.07.2021 | 14:00 Uhr

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