Stand: 04.08.2020 20:00 Uhr

Mathe mit Maske - Schulstart im Corona-Modus

Nach sechs Wochen Sommerferien startet in Schleswig-Holstein am Montag wieder der Schulbetrieb. Der wird im neuen Schuljahr allerdings anders ablaufen als Schüler und Lehrkräfte das bisher kennen. Seit Wochen bereitet die Schulleiterin des Gymnasiums am Mühlenberg (GaM) in Bad Schwartau (Kreis Ostholstein), Amira Yassine, mit ihrem Team den Neustart vor. Und dabei gibt es viel zu bedenken.

Yassine: "Infektionsschutz steht über allem“

Die Böden in den Schulklassen glänzen im einfallenden Sonnenlicht. Der Hausmeister hat sie gerade frisch versiegelt. Noch sind die Klassen leer, erst in den kommenden Tagen werden Tische und Stühle hineingestellt. Allerdings nicht so viele wie sonst. "Wir mussten die Klassen zum Teil kleiner machen und die Schüler aufteilen", erklärt die Schulleiterin. Das gilt auch für die 89 Fünftklässler, die am Dienstag eingeschult werden. Normalerweise wären diese in drei Klassen aufgeteilt worden, nun werden es vier. Der Infektionsschutz stehe über allem, sagt Schulleiterin Amira Yassine. Die Verantwortung für die Gesundheit von 720 Schülern sowie 52 Kollegen zu haben, wiege schwer.

Kein Kontakt zu anderen Jahrgängen

Über den Flur toben, mit Schülern aus anderen Jahrgängen Fußball auf dem Pausenhof spielen - all das wird es im kommenden Schuljahr nicht geben. Kurz vor den Sommerferien haben die Schulen im Land einen Fahrplan vom Bildungsministerium bekommen, das "Rahmenkonzept Schuljahr 2020/21: Ein Schuljahr im Corona-Regel-Betrieb".  Daran hat sich auch das Gymnasium am Mühlenberg zu halten. Das Ziel: Den herkömmlichen Unterrichtsbetrieb so gut wie möglich umsetzen, allerdings verbunden mit erheblichen Sicherheitsvorkehrungen. So sollen Schüler der einzelnen Jahrgänge keinen Kontakt zu anderen Jahrgängen haben.

Rechtsgehgebot in den Gängen

Statt einem Eingang gibt es am Gymnasium am Mühlenberg nun vier. Dazu zwei unterschiedliche Startzeiten für den Unterricht. Die Hand-Desinfektion gehört jetzt genauso zum Schul-Alltag wie ein Rechtsgehgebot. Auf Treppen und in Gängen weisen Pfeile auf dem Boden die Schüler darauf hin. Außerdem gilt eine dringende Empfehlung aus dem Bildungsministerium, Alltagsmasken zu tragen. Für Schulleiterin Amira Yassine und ihre Kollegen gibt es jede Menge zu bedenken.

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"Es gibt keine Routine mehr"

Alice Krahnstöver ist stellvertretende Schulleiterin am GaM. Auch sie hatte in den vergangenen Wochen nur wenig Freizeit. "Ich erstelle den Stundenplan, das ist schon ohne Corona eine Herausforderung - jetzt aber umso mehr", gibt sie zu. Nicht nur der Stundenplan verändere sich, sondern alles. Wo halten sich die Kinder und Jugendlichen in den Pausen auf, wer beaufsichtigt sie - es gebe viel neues, auf das sich das Kollegium einstellen müsse. Routine gebe es nicht mehr. "Wenn man an einer Stelle etwas ändert, dann verändert sich auch an anderen Stellen vieles."

Unterschiedliche Niveaus

Ihr Kollege Carsten von der Heyde hat noch ganz andere Sorgen. Er leitet die Orientierungsstufe des Gymnasiums. "Unsere neuen Schüler kommen von 13 unterschiedlichen Grundschulen. Jetzt müssen wir sehen, wie groß die Defizite bei den einzelnen Schülern sind, denn die Grundschulen sind in der Corona-Zeit sehr unterschiedlich mit der Situation umgegangen", erklärt Carsten von der Heyde. Seine neuen Schützlinge begrüßen er und seine Kollegen am kommenden Dienstag. Aber auch die Einschulung wird anders ablaufen als sonst. Nicht der gesamte Jahrgang auf einmal darf kommen, die Fünftklässler werden klassenweise an ihrer neuen Schule begrüßt. Zwar gebe es ein Rahmenprogramm mit Musik und Beiträgen von den älteren Mitschülern, aber alles ein wenig abgespeckt. Schon jetzt sind im Eingangsbereich der Schule die Sitzplätze für die Sextaner-Begrüßung markiert, sodass sich niemand versehentlich zu nahe kommt.

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Vorfreude auf den Neustart

Im Physik-Hörsaal hat normalerweise Marcel Muth seinen Arbeitsplatz. Der Physiklehrer und Leiter der Oberstufe wird in den kommenden Monaten aber voraussichtlich nur selten dort sein und schon gar nicht dort unterrichten. Denn der Hörsaal hat nur Oberlichter, keine richtigen Fenster. Und die funktionieren nicht so wie sie sollen. "So ist kein richtiger Luftaustausch möglich, deshalb ziehe ich mit den Schülern in andere Klassenräume um", sagt er. Betroffen sind auch andere Hörsäle für die Naturwissenschaften. Marcel Muth ärgert sich nicht darüber. Vielmehr freut er sich, seine Schüler endlich wiederzusehen. Er hat auch keinen Zweifel, dass sich die Abiturienten an die Corona-Maßnahmen halten. Auch der letzte Abi-Jahrgang sei schon sehr verantwortungsbewusst gewesen.

Corona-Fall wäre neue Herausforderung

Auch Amira Yassine freut sich, dass die Schule wieder losgeht. Sie sei zuversichtlich, dass die Planungen alle gut funktionieren. Selbst wenn es einen Corona-Fall in der Schule geben sollte, geht sie nicht davon aus, dass die gesamte Schule zu Hause bleiben müsste. Höchstens die Schüler eines Jahrgangs. Dann allerdings würde es erst richtig kompliziert werden. Denn wenn Lehrkräfte gleichzeitig in der Schule unterrichten und parallel daheim gebliebene Schüler über das Internet, dann würde eine ganz neue Herausforderung beginnen.  

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Moin! Schleswig-Holstein – Von Binnenland und Waterkant | 04.08.2020 | 19:10 Uhr

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