Stand: 12.07.2020 06:00 Uhr

Luna Kiel: Tischservice statt Tanzfläche

Die Situation von Musikclubs und Diskotheken ist in Corona-Zeiten schwierig. In Kiel kann der Luna Club dank eines Alternativkonzeptes wieder öffnen. Der Musikclub hat auf Barbetrieb umgestellt. Bei den Gästen kommt das gut an.

von Maja Bahtijarević

Marc Wolf, der Betreiber der Luna Bar, ist zufrieden mit dem Geschäft. "Gestern haben sie uns die Bude auseinandergenommen", sagt er. "Um 3.30 Uhr haben wir die letzte Runde gemacht, um 6 Uhr war ich im Bett." Wolf nimmt sich Zeit, während er vom vergangenen Abend erzählt. Die Augen wirken müde - sein Lächeln allerdings verrät, dass er zufrieden ist: Die Sperrstunde in der Gastronomie, die Corona-bedingt eingeführt wurde, ist gefallen, sein Laden hat mittlerweile auf Barbetrieb umgestellt - und die Gäste sind gekommen.

50 Gäste - statt 500

Der Luna Club ist zweigeteilt: Unten ein urbaner Kellerraum, gemacht für laute Musik und Partys bis zum Morgengrauen - dieser Bereich ist weiterhin geschlossen. Jetzt wummert der Bass vom DJ in der ebenerdigen Bar. "Momentan haben wir hier ja nur 50 Leute - sonst schleifen wir hier 500 durch am Abend", sagt Wolf. "Man kann sagen, dass es etwa so ist wie ein halber normaler Tag im Clubbetrieb - aber so richtig kann man es ja nicht vergleichen, ist ja alles anders gerade." Die Lohnkosten fielen weg, seitdem die drei Betreiber vieles selbst in die Hand genommen haben - am DJ-Pult unterstützen Freunde. Ein weiterer wichtiger Punkt: Der Vermieter ist Wolf und seinen beiden Betreiberkollegen entgegengekommen, ist kulant mit der Miete.

Alternativkonzept bringt etwas Normalität zurück

Lange Zeit blieb das Luna ganz geschlossen, ohne eine Perspektive, wie es künftig weitergehen kann - denn Diskos und Clubs, also Orte, an denen Menschen eng auf eng viel Zeit miteinander verbringen, sind wirtschaftlich gesehen mit die größten Verlierer der Corona-Krise. Das war auch Wolf schon früh klar. "Es wäre dumm von der Regierung zu sagen, wir machen als erstes die Clubs auf", sagte der junge Unternehmer vor einigen Wochen. Doch seitdem immer mehr Lockerungen eintreten und die Betriebe Alternativkonzepte umsetzen, kehrt Schritt für Schritt ein kleines bisschen Normalität zurück in den maßnahmengeprägten Alltag.

Tischservice statt Tanzfläche

"Die Bude auseinandergenommen" - wenn Wolf früher diese Formulierung nutzte, bedeutete das, dass Hunderte Menschen im Luna bis in den Sonnenaufgang tanzten - die Luft heiß und zum Schneiden dick. Heute bedeutet es: Die Menschen haben ordentlich Getränke bestellt, jeder an einem zugewiesenen Tisch sitzend. An dieser Stelle sei hervorgehoben: Deutschland ist bisher verhältnismäßig glimpflich durch die Corona-Pandemie gekommen, Schleswig-Holstein verzeichnete einige Zeit die prozentual niedrigste Infektionsrate bundesweit - sicherlich auch wegen der Maßnahmen.

Menschen sehnen sich nach Unterhaltung

Dennoch: Die sozialen Einschränkungen haben der Gesellschaft einiges abgefordert. Die Menschen sehnen sich nach Genuss und Unterhaltung, das erkennen Gastronomen wie Wolf an dem Besucherverhalten an einem solchen Abend. Von Donnerstag bis Sonnabend macht das Luna um 19 Uhr auf - spätestens um 20.30 ist die Bar bis auf den letzten Stuhl besetzt. Am Sonntag gibt es ein Nachmittagsprogramm ab 16 Uhr.

Lockerung: Kleine Betriebe ohne Maske

Das geforderte Hygienekonzept sieht vor, dass die Gäste am Tisch bedient werden - das ist neu für den Club. Was sofort auffällt: Keiner der Gäste trägt eine Maske. Mit den neuesten Lockerungen, die zum 29. Juni in Kraft getreten sind, ist die Maskenpflicht für Gastronomie bis 50 Personen weggefallen. Wolf und seine Kollegen sind dennoch mit Mundschutz unterwegs.

Wolf: "Wir haben noch richtig Glück gehabt"

Bei einigen auf der Kieler Bergstraße läuft das Geschäft an diesem Abend gut - doch bei vielen Gastronomen, in ganz Schleswig-Holstein, ist die Situation kritisch: Legendäre Läden, wie zum Beispiel die Astor Bar in der Kieler Fußgängerzone, schließen - andere wüssten nicht, wie lange sie noch durchhalten können, berichtet Wolf. Er seufzt. "Wir haben noch richtig Glück gehabt."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Magazin | 22.03.2020 | 19:30 Uhr

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