Eine Tischgarnitur vor einem geschlossenen Restaurant mit Laub auf dem Tisch. © imago images / Seeliger

Neue Corona-Einschränkungen: Gastronomen in SH enttäuscht

Stand: 30.10.2020 05:00 Uhr

Die Schließungen von Restaurants im Rahmen der verschärften Corona-Maßnahmen sorgen für Unmut bei den Gastronomen. Viele von ihnen fühlen sich ungerecht behandelt.

Ab kommenden Montag gelten strengere Corona-Maßnahmen, die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten der Länder am Mittwoch verabredet hat - so auch in Schleswig-Holstein. Unter anderem dürfen sämtlich Restaurants in den kommenden vier Wochen keinerlei Gäste bewirten. Bei den Gastronomen stößt das vor allem auf Ernüchterung, aber auch auf Fassungslosigkeit und Angst vor der Zukunft. Denn die harten Einschränkungen für die Gastro-Branche könnten das Aus für viele Betriebe bedeuten.

Betreiber fühlen sich ungerecht behandelt

"Wir waren der Meinung, dass wir um solche harten Maßnahmen rumkommen", sagt Karl-Heinz Kolle, Betreiber des Restaurants Kolles Alter Muschelsaal in Büsum (Kreis Dithmarschen). "Jetzt müssen wir damit leben", sagt er resigniert. In Anbetracht der steigenden Infektionszahlen seien die neuen Maßnahmen zwar eine logische Konsequenz. Trotzdem sei es schwierig, den Gästen zu vermitteln, warum sie jetzt nicht kommen dürfen. Auch mit den Mitarbeitern stehen unangenehme Gespräche bevor, denn es müssen Lösungen für die Zeit der Schließung gefunden werden.

Was Kolle nicht verstehen kann, ist der Umgang der Entscheidungsträger mit den einzelnen Bereichen des öffentlichen Lebens. Während Kindergärten und Schulen offen bleiben dürften, müssten Gastronomie-Betriebe schließen, obwohl sie Hygienekonzepte ausgearbeitet und umgesetzt hätten. "Das ist unfair für die Gastronomie", so der Restaurant-Betreiber.

Wirt: Gastronomie sollte Partner sein

Auch für Stefan zu Putlitz, Inhaber des Kieler Wirtshauses, kam es überraschend, dass alle Restaurants nun schließen müssen. "Wir sind alle fassungslos, weil wir damit wirklich nicht gerechnet haben", sagt der Gastronom. Er spricht stellvertretend für rund 30 seiner Branchen-Kollegen, die am Donnerstag kurzfristig in seinen Betrieb gekommen waren, um Gemeinschaft zu zeigen und sich über die Auswirkungen der neuen Corona-Maßnahmen auszutauschen.

Von Putlitz findet, dass das Land die Gastronomie als Partner hätte ansehen sollen, denn die Gäste seien im Restaurant unter Beobachtung und durch die Hygienekonzepte geschützt gewesen. Jetzt würden sie unkontrolliert nach Hause entlassen. "Wir appellieren an die Bundesregierung, das Verfahren wirklich nochmal zu überdenken", sagt von Putlitz. Sollte dahingehend nichts passieren, erwägt er zu klagen.

Schließungen laut Dehoga unverständlich

Auch der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) kritisiert die Zwangsschließungen. Der Verband wirft Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sogar Wortbruch vor. Denn der Regierungschef hatte zu Wochenbeginn noch genau das Gegenteil verkündet. Laut Hauptgeschäftsführer Stefan Scholtis haben die Betriebe in den vergangenen Monaten viel Geld in Sicherheits- und Hygieneauflagen investiert. Die erneute Schließung sei unverständlich. Existenzen stünden auf dem Spiel. Die Rechte des Volkes würden mit Füßen getreten werden, denn wichtige Entscheidungen gehörten ins Parlament. Das habe es so in Deutschland in der Demokratie noch nie gegeben.

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