Stand: 20.07.2020 20:56 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Keine Maske, kein Abstand: In Lübeck drohen Bußgelder

Der Drehbrückenplatz, die "Kneipengasse" Clemensstraße oder der Carlebach-Park: Lübeck hat einige Orte, die sich immer mehr zu Hotspots mit Corona-Problemen entwickeln. Dort wurde es zuletzt vor allem am Wochenende übervoll, mit bis zu 250 Menschen in Gruppen, die feiern. Maskenpflicht und Mindestabstand? Vielen egal. Nachdem Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) daraufhin zunächst ankündigte, an den Hotspots eine Maskenpflicht einzuführen, geht die Stadt nun möglicherweise noch einen Schritt weiter. Und sie bekommt dabei grundsätzlich Rückendeckung aus dem schleswig-holsteinischen Gesundheitsministerium.

Garg: Zusätzliche Maßnahmen durchaus sinnvoll

Eine Sprecherin der Stadt Lübeck sagte NDR Schleswig-Holstein, dass inzwischen auch zeitweise Straßensperrungen und Zugangsbeschränkungen im Gespräch sind, um große Menschenansammlungen zu verhindern. Bereits ab sofort will die Stadt konsequenter durchgreifen, wenn gegen den Mindestabstand von 1,50 Metern verstoßen wird. Wer sich nicht daran hält, soll nicht mehr nur verwarnt werden, was landesweit gängige Praxis ist, sondern künftig ein Bußgeld zahlen. 150 Euro sieht die Landesverordnung dafür vor, wenn sich jemand trotz wiederholter Aufforderung durch eine Ordnungskraft nicht an den Mindestabstand hält.

Jan Lindenau, Lübecks Bürgermeister, lächelt in die Kamera. © Jan Lindenau Foto: Stefan H. Schenk
Will bei Verstößen gegen die Corona-Regeln ab sofort konsequenter vorgehen: Lübecks Bürgermeister Lindenau.

"Wir können nicht die Augen davor verschließen, dass die Landesverordnung missachtet wird und eine kleine Gruppe von Menschen eine Gefahr für viele darstellt", sagte Lindenau. Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) sagte NDR Schleswig-Holstein, zusätzliche Maßnahmen wie in Lübeck, die auf örtliche Besonderheiten abzielen, könnten durchaus sinnvoll sein. Für Verstöße gegen die Maskenpflicht sind landesweit bisher keine Bußgelder vorgesehen - was die Gewerkschaft der Polizei kritisch sieht. Ohne Strafe sei das Kontrollieren mit großem Personalaufwand zwecklos.

"Es gibt ohnehin schon so viele Verordnungen"

Dass Maskenpflicht und Abstandsregeln nicht eingehalten werden, ist nicht nur in Lübeck ein Problem. So denkt zum Beispiel Büsums Bürgermeister Hans-Jürgen Lütje (FWB) darüber nach, in der Haupteinkaufsmeile Alleestraße eine Maskenpflicht einzuführen. Auch in Westerland auf Sylt oder an der Hafenspitze in Flensburg gibt es zeitweise sehr große Menschenmengen, aber dort sind zurzeit keine schärferen Maßnahmen geplant. St. Peter-Ording hat laut Ordnungsamt eine Maskenpflicht geprüft, inzwischen jedoch verworfen, und Kiel setzt auf den Dialog mit den Bürgern. Gesundheitsdezernent Gerwin Stöcken (SPD) sagte: "Es gibt ohnehin schon so viele Verordnungen. Und wenn man ein Wörterbuch braucht, um sie zu verstehen, dann wird irgendwann jeder müde, die Regeln einzuhalten."

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 20.07.2020 | 08:00 Uhr

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