Diskothek-Betreiber Joey Clausen putzt große Disko-Kugeln, die über der Tanzfläche seiner Diskothek "Joy" in Henstedt Ulzburg hängen. © NDR

Ein Jahr Lockdown: Stille in Schleswig-Holsteins Diskotheken

Stand: 13.03.2021 15:47 Uhr

Während viele Branchen zumindest zeitweise wieder arbeiten konnten, sind die Diskotheken und Clubs im Land seit einem Jahr geschlossen. Für die Betriebe könnte das bald das komplette Aus bedeuten.

Der Einzige, der sich seit einem Jahr auf der Tanzfläche in der Diskothek Joy in Henstedt-Ulzburg (Kreis Segeberg) bewegt, ist Betreiber Joey Clausen. Obwohl er keine Gäste empfangen darf, putzt er regelmäßig in seiner Disco. "Man hat effektiv ein ganzes Jahr seines Lebens verloren, ein ganzes Jahr der Pachtzeit, das flöten gegangen ist. Ein Jahr, das keine Bilanz der Welt wieder beschönigen kann. Das macht mich echt ein bisschen bestürzt. Vor allen Dingen wissen wir ja gar nicht: Bleibt es bei diesem einen Jahr?", erzählt Clausen.

Branche droht zu kollabieren

600 Menschen könnten im Joy eigentlich feiern. Mit der Situation ist er nicht allein. Der Bundesverband Deutscher Diskotheken und Tanzbetriebe spricht von einer katastrophalen Ausnahmesituation für die gesamte Branche mit bundesweit rund 1.400 Discos. Die Betriebe würden sich von Monat zu Monat hangeln, erklärt der Verband. "Wir brauchen dringend eine Öffnungsperspektive, denn sonst droht der Kollaps dieser Branche und dann würde ein wichtiges Kulturgut tatsächlich verloren gehen", erklärt Knut Walsleben, Präsident des Verbandes.

Feiern mit Hygienekonzepten

Clausen und seine Kolleginnen und Kollegen sind sich einig, dass mit passenden Hygienekonzepten eine Öffnung durchaus möglich sei. Beispielsweise könnten Schnelltests vor den Eingängen durchgeführt werden, Spuckschutzwände würden das Feiern in kleinen Gruppen möglich machen. 14 dieser Wände könnte Clausen im Joy aufbauen und so kleine Lounges bauen, in denen Corona-konformes Feiern möglich wäre. "Das würde schon reichen, um mit einem höheren pro Kopf Umsatz und angepassten Eintrittsgeldern eine schwarze Null anzupeilen", sagt er. Der Umbau würde Clausen noch einmal 30.000 Euro kosten. Erst dann wäre das Feiern nach einem Jahr Corona-Pause wieder möglich.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 13.03.2021 | 19:30 Uhr

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