Degility: Bewegung für Hund und Mensch in Corona-Zeiten

Stand: 08.10.2020 17:06 Uhr

Hundesport - das ist nicht nur Trend, sondern meistens auch mit Tempo und Leistung assoziiert. In Oering (Kreis Segeberg) gehen die Uhren etwas anders.

von Elin Halvorsen

Renate Fuhrmann ist die erste Vorsitzende des Schäferhundvereins SV - OG Oering 79. Sie hat sich mit ihrer Freundin Hanne Hagen überlegt, wie sie in Pandemiezeiten ältere Menschen aus den Häusern holen kann. "Dafür haben wir Degility entwickelt. Hier passiert alles aus dem Hundesport in Zeitlupe. Jeder in seinem Tempo", sagt sie, während sie auf Krücken auf den Hundeplatz geht. "Das stärkt nicht nur die Muskeln, sondern auch das Köpfchen - und zwar an beiden Enden der Leine", schmunzelt die 71-jährige.

Raus aus der Isolation zu mehr Selbstvertrauen

Hanne Hagen trainiert einen Hund auf dem Trainingsplatz. © NDR Foto: Elin Halvorsen
Hanne Hagen trainiert Hunde - und ältere Hundebesitzer, die sich in Corona-Zeiten lange nicht mehr rausgetraut haben.

Jeden Mittwoch trifft sich die Gruppe von rund zehn Leuten mittlerweile auf dem Platz - die Jüngste ist 55 Jahre, der Schnitt liegt eher bei 75 Jahren plus. Viele hatten während der Pandemie Angst, rauszugehen und sich dann anzustecken. Da in Oering alles draußen auf dem Platz stattfindet, kann auch in Zeiten von Corona trainiert werden. "Hier können sie gemeinsam mit ihrem geliebten Haustier etwas machen, das finde ich wunderbar", sagt Renate Fuhrmann. "Wir wollen doch leben und Spaß haben und nicht nur zu Hause sitzen." Renate Fuhrmann weiß wovon sie spricht. Ihr Schäferhund Rocky habe ihr geholfen, die Krebserkrankung zu besiegen.

Training gegen Angst

Der Parcours wird immer nur alleine betreten oder von Leuten, die sich ohnehin ohne Maske begegnen. "Sogar Menschen mit Lungenkrankheiten, können hier ohne Maske auf den Platz, weil sie alleine - beziehungsweise nur mit ihrem Hund - an der frischen Luft sind", erklärt die Vorsitzende. "Es ist ganz wichtig, dass ältere Menschen in Übung und Bewegung bleiben. Sonst entwickeln sie zunehmend Angst, zu stürzen. Nach dem Training fühlen sie sich wieder sicherer auf ihren eigenen Beinen", sagt Renate Fuhrmann.

Auch Hunde mit Gelenkproblemen

Die Vorsitzende Renate Fuhrmann lächelt von ihrem Platz aus in die Kamera. © NDR Foto: Elin Halvorsen
Renate Fuhrmann, die Vorsitzende im Oeringer Schäferhundverein, hatte gemeinsam mit Freundin Hanne Hagen die Idee zu "Degility".

So geht es im Schneckentempo über den Hundeplatz: Durch Tunnel, über Wippen und auf das Trampolin - wer kann. Auch die Hunde nehmen nur die Hindernisse, die sie noch bewältigen können. Denn auch manche Tiere haben Gelenkprobleme oder Operationen hinter sich. Nicht jedoch der zu klein geratene Zwergpudel Smilla. Ihr Frauchen, Gudrun Jäckel, hat den Parcours mit Rollator begonnen und schafft es inzwischen schon auf Krücken. "An guten Tagen traut sie sich jetzt sogar ein paar Schritte ganz ohne Stütze, die Gehhilfe ist dann der Hund", erzählt Renate Fuhrmann. Sie weiß, was diese Erfolge für ihre Hundesportfreunde bedeuten.

Ausbildung zur Personensuche

Ganz neu ist auch die Ausbildung der Hunde zur Personensuche, das sogenannte Mantrailing. Hier werden die Hunde darauf trainiert, vermisste Person zu finden. So soll der Hund lernen, den Partner oder die Partnerin nach einem Sturz anhand des bekannten Geruchs zu suchen. Das macht nicht nur Freude, sondern gibt wirklich Sicherheit im Alltag. "Ich glaube, es ist ziemlich einmalig was wir hier in Schleswig-Holstein auf die Beine gestellt haben", sagt Renate Fuhrmann stolz und steckt ihrem Schäferhund Rocky ein Stück Käse in den Mund.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 08.10.2020 | 19:30 Uhr

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