Eine Flasche des Impfstoffes von AstraZeneca steht vor einer Verpackung. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Bodo Schackow Foto: Bodo Schackow

Corona in SH: AstraZeneca-Impfungen weiter nur für über 60-Jährige

Stand: 14.04.2021 10:24 Uhr

Nach Bekanntwerden von Nebenwirkungen und einer Empfehlung der Ständigen Impfkommission werden in Schleswig-Holstein nur Personen ab 60 Jahren mit dem Wirkstoff von AstraZeneca geimpft. Diese Regelung wurde jetzt bis zum 18. April verlängert.

Wer 60 Jahre und älter ist, behält seinen Termin und bekommt bis zum 18. April wie bisher geplant den Impfstoff von AstraZeneca in den Impfzentren, teilte das Gesundheitsministerium am Donnerstag mit. Jüngere benötigen ebenfalls keinen neuen Termin, erhalten dann aber einen der beiden mRNA-Impfstoffe von Biontech oder Moderna. Diese Regelung wurde bis zum 18. April verlängert.

Vom 19. April an sollen dann bei allen Erstimpfungen für alle Altersklassen in den Impfzentren mRNA-Impfstoffe verabreicht werden - auch wenn die Termine als AstraZeneca-Impfung gebucht wurden. Weil der Impfintervall bei den Impfungen mit Biontech/Pfizer oder Moderna im Vergleich zu AstraZeneca kürzer ist, müssen Impfberechtigte dann früher wieder zur Zweitimpfung erscheinen. Die neuen Termine für diese Zweitimpfung erhalten die Betroffenen per E-Mail. Einzige Ausnahme: Wer in der Woche bis zum 18. April zu seinem ersten Termin ins Impfzentrum kommt, erhält dann dort seinen zweiten Impftermin. Offen ist noch, wie es mit Menschen weitergeht, die jünger als 60 Jahre sind und schon eine Erstimpfung von AstraZeneca erhalten haben.

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STIKO-Empfehlung "auf Basis der derzeit verfügbaren Daten"

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat ihre Empfehlung für den Impfstoff von AstraZeneca geändert und empfiehlt ihn nun nur noch für Menschen ab 60 Jahren. Die Empfehlung sei "auf Basis der derzeit verfügbaren Daten zum Auftreten seltener, aber sehr schwerer Nebenwirkungen" bei jüngeren Geimpften geändert worden, so die Kommission, die beim Robert Koch-Institut angesiedelt ist. Bei den Nebenwirkungen geht es um Auffälligkeiten mit Fällen von Blutgerinnseln (Thrombosen) in Hirnvenen in zeitlichem Zusammenhang zu Impfungen, die vor allem bei jüngeren Frauen gemeldet wurden. Die STIKO-Empfehlungen dienen Bund und Ländern für deren Impfempfehlungen.

Zwischenzeitlicher Stopp der AstraZeneca-Impfungen Mitte März

Die Corona-Impfungen mit dem Impfstoff des Konzerns AstraZeneca waren Mitte März deutschlandweit für mehrere Tage gestopptworden, nachdem mehrere Fälle von Thrombosen der Hirnvenen bekannt geworden waren. Nach Analysen bekräftigte die Europäische Arzneimittebehörde (EMA) die Sicherheit des Präparats drei Tage später. Auch Schleswig-Holstein nahm die Impfungen mit dem Impfstoff wieder auf. Schon damals hatte Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) erklärt, dass es schwer werde, das Vertrauen der Bevölkerung in den Impfstoff wieder aufzubauen.

Impfstoff war zunächst nur für unter 65-Jährige zugelassen

Nach Impfungen mit dem Impfstoff von AstraZeneca hatte es damals vergleichsweise viele Berichte über Nebenwirkungen gegeben. Zudem war der Impfstoff zunächst nur für unter 65-Jährige zugelassen worden. Später änderte die STIKO ihre Meinung diesbezüglich. "Da ist so ziemlich alles schief gelaufen, was man kommunikativ in den Sand hat setzen können", erklärte Garg Mitte März. Die AstraZeneca-Impfungen liefen dann gut wieder an, das Gesundheitsministerium in Schleswig-Holstein meldete kaum Absagen der Termine.

AstraZeneca bleibt wichtiger Impf-Baustein

Aktuell ist AstraZeneca neben Biontech einer der beiden Impfstoff-Hersteller, deren Produkte in größeren Mengen in Schleswig-Holstein ankommen. Trotz mehrerer Kürzungen stellt er etwas mehr als ein Viertel aller bisher gelieferten Impfstoff-Dosen. Und der AstraZeneca-Impfstoff bleibt ein wichtiger Baustein in der Kampagne: Allein im zweiten Quartal sind laut der aktuellen Lieferprognose des Bundesgesundheitsministeriums größere Lieferungen vorgesehen. Werden diese weiter nach der Bevölkerungsgröße verteilt, erhält Schleswig-Holstein in der Zeit von April bis Ende Juni zwischen 434.000 und 539.000 Dosen des Impfstoffs von AstraZeneca. Allerdings schreibt selbst das Ministerium darüber: "Änderungen sind nicht ungewöhnlich!"

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 08.04.2021 | 17:00 Uhr

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