Silhouette eines Sängers im Schein einer Diskokugel. © fotolia, panthermedia Foto: nikkytok, nawaj

Corona: Weitere Clubs von Omikron-Fällen betroffen

Stand: 31.12.2021 13:46 Uhr

Die Zahl der Clubs in Schleswig-Holstein, in denen sich Feiernde mit der Omikron-Variante angesteckt haben, steigt. Neben den sechs bekannten Diskotheken in Kiel, Trittau, Henstedt-UIzburg, Sylt, Rendsburg und Pahlen hat der Kreis Segeberg am Freitag Infektionsfälle in zwei weiteren Clubs bestätigt.

Konkret geht es um den "Calypso-Club" in Henstedt-Ulzburg und den "Que-Danceclub" in Bad Segeberg. Eine Kreissprecherin bestätigte NDR Schleswig-Holstein, dass in den beiden Clubs wie auch im "Joy" in Henstedt-Ulzburg mehrere Omikron-Fälle bei Gästen nachgewiesen werden konnten. Wie viele Menschen genau in Quarantäne müssen, konnte sie nicht sagen, da die Nachverfolgung noch läuft. Der Kreis Segeberg fordert in einer Mitteilung aber alle Besucher auf, "sich unverzüglich für 14 Tage in häusliche Quarantäne zu begeben und beim Infektionsschutz per Kontaktformular zu melden".

Mindestens 3.000 Menschen in Quarantäne

Von den bereits bekannten Fällen in Schleswig-Holstein sind nach Aussagen der Behörden rund 3.000 Menschen betroffen, die alle Weihnachten in den betroffenen Clubs feiern waren - zum Beispiel im Kieler Club "Max" oder im "Fun Parc" in Trittau.

Im Kieler Club "Max" müssen alle 800 Gäste, die am ersten Weihnachtstag dort feiern waren, wegen eines nachgewiesenen Corona-Falls für 14 Tage in Quarantäne. Für die Besucher der Großraumdisco "Fun Parc" in Trittau (Kreis Stormarn) sind neun Fälle bestätigt. Auch für diese Gäste gilt: 14 Tage Quarantäne. Dort haben an Heiligabend und am ersten Weihnachtstag jeweils mehr als 1.000 Menschen gefeiert. Die Quarantäne gilt unabhängig vom Impfstatus - ein Freitesten ist nicht möglich. Der Kreis Stormarn sowie die Stadt Kiel rufen alle, die sich auf einer der Partys aufgehalten haben, auf, sich bei dem Gesundheitsamt zu melden, das für den eigenen Wohnort zuständig ist.

Corona-Fälle auch in Club auf Sylt

Auch eine Busgruppe einer Segeberger Landjugend, die das "Pahlazzo" in Pahlen (Kreis Dithmarschen) besucht hatte, ist betroffen. Im Rendsburger "Chayenne" gab es während der Weihnachtstage ebenfalls Partys mit Besuchern, die im Nachhinein positiv auf die Omikron-Variante des Coronavirus getestet wurden. Auch auf Sylt müssen mehrere Gäste nach Club-Besuchen des "Roten Kliff" in Kampen in Quarantäne.

Virologe Stürmer verwundert über solche Partys

Der Virologe Martin Stürmer. © Screenshot
Virologe Martin Stürmer sagt: Omikron nutzt jeder Nachlässigkeit.

Die Fälle in den Diskotheken sorgen für Verwunderung beim Virologen Martin Stürmer von der Uni Frankfurt. "Ich wundere mich, dass es solche Events überhaupt noch gegeben hat in Deutschland", sagte er NDR Schleswig-Holstein. "Wir wissen, dass Omikron höchst ansteckend ist und jede Nachlässigkeit nutzt." Die Beispiele in Schleswig-Holstein hätten gezeigt, wie gefährlich zu viel Freizügigkeit im Innenraum sei.

In Hamburg galt an Weihnachten Tanzverbot

Die Landesregierung hat weniger rigide und weniger schnell die Corona-Auflagen verschärft als andere Bundesländer das getan haben mit Blick auf die Omikron-Variante. Bei Schleswig-Holsteins Nachbarn Hamburg wären diese Partys nicht legal möglich gewesen. Dort gilt seit dem 24. Dezember ein Tanzverbot, eine Sperrstunde für die Gastronomie und auch die Kontaktbeschränkungen für Geimpfte und Genesene galten dort schon früher. Allerdings hatte Schleswig-Holstein vor Kurzem im Bundesland-Vergleich eine Ausnahmerolle inne: Die Inzidenz war deutlich niedriger als in anderes Bundesländern. Am Donnerstagabend hat sich die Lage schon geändert: Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt im Moment deutlich - sie lag bei 209,3 Fälle pro 100.000 Einwohner - 27,5 mehr als Vortag.

Fehler? Ministerium schweigt - kündigt aber Verschärfungen an

Auf die Frage von NDR Schleswig-Holstein, ob es im Nachhinein ein Fehler gewesen sei, Clubs und Diskotheken so lange offen gehalten zu haben, antwortete das Sozialministerium bis Donnerstagabend nicht. Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) sagte allerdings, dass er schärfere Schutzmaßnahmen erwäge. Er werde der Jamaika-Koalition vorschlagen, auch in Schleswig-Holstein in der ersten Januarhälfte die epidemische Lage von landesweiter Tragweite festzustellen, sofern nicht der Bund kurzfristig eine solche Feststellung seinerseits vornimmt, erklärte der FDP-Politiker am Donnerstag. "Mit der Omikron-Variante kommt die fünfte Welle in Schleswig-Holstein früher an als in anderen Ländern", sagte Garg zur Begründung. Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) schloss sich am Freitag der Forderung Gargs an, die epidemische Lage festzustellen. Hamburg hat die epidemische Lage bereits am 15. Dezember ausgerufen - es war die Grundlage für die schärferen Regeln über Weihnachten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 31.12.2021 | 10:00 Uhr

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