Blick von oben auf gehende Menschen. © photocase Foto: testfight

Corona: Stormarn über 50er-Inzidenz-Wert

Stand: 26.10.2020 20:22 Uhr

Im Kreis Stormarn ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen berechnet auf 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen auf über 50 gestiegen. Im Kreis Segeberg und in Lübeck wurde die 35er-Warnstufe erreicht.

Der sogenannte Sieben-Tage-Inzidenzwert ist im Kreis Stormarn nach Angaben eines Kreissprechers auf 53,6 gestiegen. Damit liegt er über der entscheidenden Schwelle von 50. Der Wert gibt die Zahl der Corona-Neuinfektionen berechnet auf 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen an. Noch am Montag (26.10.) gab der Kreis Stormarn konkrete Maßnahmen bekannt, die ab sofort gelten.

Maximal zehn Personen im öffentlichen Raum

So werden zum Beispiel Treffen von Gruppen im öffentlichen Raum auf maximal zehn Personen reduziert. Davon sind auch Sportvereine betroffen. Jeglicher Spiel- und Wettkampfbetrieb, bei dem gleichzeitig mehr als zehn Spieler gegeneinander antreten, ist nicht mehr möglich. Außerdem ist der Verkauf von alkoholhaltigen Getränken in Tankstellen, Supermärkten und Kiosken zwischen 23 und 6 Uhr verboten.

In Bad Oldesloe, Ahrensburg und Bargteheide galt die Maskenpflicht bereits für einige Straßenzüge. Jetzt muss auch in Reinbek und Trittau in bestimmten öffentlichen Bereichen eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden.

Kreis Segeberg über Inzidenz-Wert von 35

Im Kreis Segeberg ist die Zahl von 35 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen überschritten worden. Das Robert Koch-Institut weist mittlerweile eine Inzidenz von 39,3 aus. Nach Angaben des Kreises gelten deshalb ab Dienstag (27.10.) verschärfte Maßnahmen im gesamten Gebiet - zunächst für sieben Tage.

So muss in öffentlichen Bereichen wie Fußgängerzonen, wo Menschen länger und dichter zusammenkommen, ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Gastronomiebetriebe müssen um 23 Uhr schließen. An privaten Feiern in Restaurants oder anderen öffentlichen Betrieben dürfen maximal 25 Personen teilnehmen.

Lübeck: Erweiterte Maskenpflicht

In Lübeck haben sich laut Robert Koch-Institut zuletzt knapp 45 Menschen binnen einer Woche infiziert, gerechnet auf 100.000 Einwohner. Damit ist auch in der Hansestadt die 35er-Warnstufe überschritten. Deshalb gilt nach Angaben der Hansestadt ab Dienstag (27.10.) unter anderem eine erweiterte Maskenpflicht. Außerdem sind Gastronomiebetriebe zwischen 23 und 6 Uhr geschlossen zu halten. Veranstaltungen im öffentlichen Raum ohne feste Sitzplätze sind bis maximal 25 Personen zulässig.

Außerdem sagte Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) den traditionellen Weihnachtsmarkt ab. Es gehe um die Gesundheit, hieß es aus dem Rathaus. Und die wäre auf einem gut besuchten Weihnachtsmarkt mit Blick auf das aktuelle Infektionsgeschehen kaum gewährleistet.

Lindenau rechnet schnell mit nächster Stufe

Einen regionalen Lockdown schließt Lindenau nicht aus. Das sagte er am Montagabend NDR Schleswig-Holstein. "Wenn diese Dynamik der letzten zwei Tage anhält, wird es weitere sehr einschneidende Maßnahmen geben müssen." Diese müssten ab einem Inzidenzwert von 50 eingeleitet werden, so Lindenau. "Ich rechne damit, dass das morgen - spätestens übermorgen - der Fall sein wird." Die Stadt berate sich in enger Abstimmung mit dem Gesundheits- und Sozialministerium.

Bund und Länder beschließen Hotspot-Strategie

Beim Bund-Länder-Treffen am 14. Oktober war eine sogenannte Hotspot-Strategie beschlossen worden: Sollte es in einem Kreis oder einer kreisfreien Stadt innerhalb von sieben Tagen mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner geben, müssen für diesen Bereich neue Einschränkungen erlassen werden, wenn sich die Ansteckungen nicht klar einem genauen Ort zuordnen lassen (Altersheim, Unterkünfte, etc.). Erste, leichtere Regel-Verschärfungen sollen greifen, wenn es mehr als 35 Infektionen pro 100.000 in einer Woche gab. 

Gesundheitsminister Garg richtet Appell an alle

Bezogen auf ganz Schleswig-Holstein ist der Inzidenzwert auf 36,3 gestiegen - eine Steigerung um mehr als das Fünffache innerhalb eines Monats. Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) appellierte am Montag eindringlich an alle Schleswig-Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteiner, die Corona-Regeln einzuhalten. Er möchte die Dynamik aus dem Infektionsgeschehen nehmen.

"Ab jetzt können wir alle einen Beitrag dazu leisten, indem wir selber uns bei all unseren Unternehmungen fragen, ob sie in dieser Anzahl tatsächlich notwendig sind oder ob wir jetzt gemeinsam, damit wir gut durch diesen Winter kommen, unsere Kontakte reduzieren", sagte Garg in einer Videobotschaft. Er betonte, dass Kontaktreduktion ein wirksames Mittel in dieser Pandemie sei.

Strengere Corona-Regeln auch in anderen Kreisen

Der Kreis Pinneberg hatte als erster Kreis in Schleswig-Holstein den kritischen Inzidenzwert von 50 pro 100.000 Einwohner erreicht - nach den Daten des Robert Koch-Instituts. Nach Angaben der Kreisverwaltung gelten jetzt verschärfte Corona-Regeln - unter anderem strengere Kontaktbeschränkungen und eine Sperrstunde für Restaurants und Kneipen.

Ausweitung der Maskenpflicht im Kreis Herzogtum Lauenburg

Auch der Kreis Herzogtum Lauenburg überschritt eine kritische Schwelle und meldete einen Inzidenzwert von mehr als 35 pro 100.000 Einwohner. Das sorgt für eine Verschärfung der Maßnahmen, zum Beispiel die Ausweitung der Maskenpflicht auf bestimmte öffentliche Bereiche etwa in Geesthacht und Schwarzenbek.

Nach den Zahlen des Robert Koch-Instituts hat auch der Kreis Dithmarschen die 50er-Inzidenz gerissen. Der Kreis selbst rechnet allerdings anders - und gibt deshalb bislang keine neue Allgemeinverfügung heraus.

Weitere Informationen
An einem Stand auf einem Wochenmarkt im Berliner Stadtteil Steglitz werden Mund-Nasenbedeckung zum Kauf angeboten. © Kay Nietfeld/dpa Foto: Kay Nietfeld

Corona: 115 neue Infektionen in SH gemeldet

Seit Beginn der Pandemie sind in Schleswig-Holstein 6.777 Coronavirus-Infektionen nachgewiesen worden. mehr

In einem Labor wird eines von mehreren Glasröhrchen angehoben. © picture alliance Foto: Hendrik Schmidt

Corona-Lage: Kreis Pinneberg besonders betroffen

Wegen der Corona-Pandemie gelten an vielen Orten strengere Regeln. Das gilt auch für Urlauber, die nach Helgoland wollen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 26.10.2020 | 20:00 Uhr

Nachrichten aus Schleswig-Holstein

Die Fähre setzt mit einigen Autos über. © Christian Wolf Foto: Christian Wolf

NOK-Fähranleger stark beschädigt: Nutzung wird eingeschränkt

Bei mehreren Anlegern ist die Statik in Gefahr. Künftig dürfen nur noch Fahrzeuge bis 30 Tonnen Last darüber fahren. mehr

Ein Igel ohne Stacheln, geborgen im Wildtier- und Artenschutzzentrum, Offenseth-Sparrieshoop © NDR Foto: Thilo Buchholz

Igel ohne Stacheln in Wildtierstation abgegeben

Die Wildtierstation in Klein Offenseth-Sparrieshoop kümmert sich um den nackten Igel, bis die Stacheln wieder da sind. mehr

Daniel Günther steht an einem Pult im Landeshaus SH. © dpa-Bildfunk Foto: Frank Molter

Regierungserklärung in SH: Normalität nur mit Solidarität

Jamaika- und Oppositionsfraktionen stehen hinter dem Sonderweg Schleswig-Holsteins bei der Bewältigung der Corona-Krise. mehr

Das Stadion an der Lohmühle des VfB Lübeck © imago images/nordphoto Foto: Tauchnitz

Corona-Fall beim VfB - Lübecks Duell mit Mannheim fällt aus

Ein Profi des norddeutschen Drittligisten ist positiv getestet worden. Die für Sonnabend angesetzte Partie muss verlegt werden. mehr

Videos