Corona: Mitarbeiter in Hausarzt-Praxen am Limit

Stand: 10.11.2020 19:11 Uhr

Husten, Schnupfen, Heiserkeit - und möglicherweise Corona? Die Angestellten in Hausarztpraxen in Schleswig-Holstein haben derzeit viel zu tun. Nicht immer sind alle Patienten verständnisvoll.

Der November ist Erkältungszeit - auch abseits der Corona-Pandemie. In diesem Jahr aber ist wegen Corona alles anders. Jedes Halskratzen könnte auch eine Corona-Infektion sein. Die Mitarbeiter der Praxis vor dem Mühlentor in Lübeck müssen genau abwägen. Patienten, die den Verdacht haben, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben, klingeln fünf Mal an der Tür und bekommen dann genaue Instruktionen der medizinischen Fachangestellten. Die Praxis trennt Infekt-Patienten, Covid-19-Verdachtsfälle und den normalen Hausarztbetrieb. Das Ansteckungsrisiko ist damit minimiert. Die Anforderungen an das Personal aber steigen.

Immer neue Vorschriften

Tanja Csaszar ist medizinische Fachangestellte in der Praxis: "Wir müssen uns jeden Tag auf neue Sachen einstellen, weil es neue Vorschriften gibt. Es ist eine Herausforderung, auf jeden Patienten mit seinen Ängsten einzugehen." Das Praxisteam will für alle Sicherheit garantieren, deshalb müssen Patienten vor der Tür warten, wenn es zu voll ist. Das sorgt immer öfter für Unmut. Auch das Thema Grippeimpfstoff ist kein Einfaches, wie Arzt Dr. Thomas Günter bestätigt: "Es gibt phasenweise keinen Impfstoff und das können die Leute nicht verstehen. Es gab hier mal ansatzweise einen Fall von physischem Angriff. Das war aber ein Ausnahmefall."

Beleidigungen schocken Personal

Allerdings, so erzählt der Arzt, werde des medizinische Fachpersonal immer häufiger angegangen. Da seien schon Ausdrücke wie "Du Schlampe, das kann doch nicht sein" gefallen. Solche Entgleisungen schockieren Tanja Csaszar: "Die Situation hat mich lange beschäftigt, weil es so respektlos ist. Man versucht alles, um den Menschen zu helfen, man gibt sein Privatleben dafür auf, weil wir alle so am Limit sind."

Wunsch: Verständnis und Respekt

Die Praxis vor dem Mühlentor in Lübeck ist kein Einzelfall. Das medizinische Fachpersonal hat sich überregional mit einem Messenger-Dienst vernetzt und will sich so gegenseitig unterstützen. "Wir wünschen uns ein bisschen mehr Verständnis und Respekt. Respekt für diesen Beruf und Verständnis dafür, dass wir genauso Angst haben. Ich wünsche mir, dass alle zusammenhalten", sagt Tanja Csaszar. In der Praxis werden die Patienten jetzt per Infoblatt gebeten, Ruhe zu bewahren. Wer ausfällig wird, kann nicht behandelt werden, steht da.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Magazin | 10.11.2020 | 19:30 Uhr

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