Corona-Impfung für Jugendliche: Das sagen Reinbeker Schüler

Stand: 20.08.2021 05:00 Uhr

NDR Schleswig-Holstein hat mit elf Jugendlichen aus Reinbek (Kreis Stormarn) über das Thema Corona-Impfung gesprochen. Sie wollen mehr Aufklärung, darin sind sie sich einig.

von Corinna Below

Die Jugendlichen stehen seit Wochen immer mehr im Fokus der Corona-Impfkampagne. Seit dem 16. August empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) eine Impfung für alle 12- bis 17-Jährigen. Mobile Impfteams sind im Auftrag der Ministerien für Bildung und Gesundheit seit Donnerstag in Schleswig Holstein unterwegs, um Jugendliche an 250 Schulstandorten zu impfen.  

Gemeinschaftsschule Reinbek: Elf Jugendlichen diskutieren

NDR Schleswig-Holstein wollte wissen, wie Schülerinnen und Schüler eigentlich darüber denken und wie sie den Vorstoß der Landesregierung sehen. Deswegen haben wir eine Schule gesucht, die uns filmen lässt, wie Jugendliche über diese Fragen diskutieren. Eingeladen hat uns die Gemeinschaftsschule Reinbek. Wir haben die Schulleitung gebeten, für uns zu fragen, wer Lust hat, vor der Kamera ins Gespräch zu kommen - ohne Erwachsene.

Elf Jugendliche aus den Jahrgängen 11 bis 13 sind unserem Aufruf gefolgt. Jüngere wollten nicht dabei sein. Aber es geht ja auch nicht nur die unter 17-Jährigen etwas an, denn die Kampagne der Landesregierung richtet sich an alle Schülerinnen und Schüler.

Schüler Juls: "Vielleicht auch eine Art Motivation zu wecken"

Die Tür zum Technikraum öffnet sich und die Jugendlichen kommen herein, stellen sich in einen großen Kreis, so, wie wir es vorher besprochen haben. Sie legen gleich los, nachdem die Fragen geklärt sind. Juls Haacker ist mit 16 Jahren der Jüngste.

Er ist in der 11. Klasse, stellvertretender Schulsprecher und hat eine klare Meinung zur Impfkampagne an Schulen: "Ich sehe das eher als Vorteil, dass da für andere ein kleiner Druck entsteht, um vielleicht auch eine Art Motivation zu wecken, dass da sozusagen eine Art Gruppenzwang entsteht."

Aufklärung hilft bei Impf-Entscheidung

Zehn Schülerinnen und Schüler stehen im Krei in einem Klassenzimmer einer Schule und diskutieren. © NDR
Corona, Schule und Impfung: Schüler der Gemeinschaftsschule Reinbek wollen mehr Aufklärung, darin sind sie sich einig.

Lina Stehr ist da ganz anderer Meinung. "Ich empfinde das eher nicht als Druck. Ich würde sagen, dass man eher dadurch die Möglichkeit bekommt, sich impfen zu lassen, wenn man sich vorher vielleicht nicht genügend erkundigt hat und jetzt die Chance dazu hat", sagt die 17-Jährige.

Angst vor Spritzen

Ein paar der Schülerinnen und Schüler, die hier zusammenstehen und diskutieren, sind bereits geimpft. Aber andere zögern noch - Hanna Busse zum Beispiel. Sie ist 18 Jahre alt und hätte sich längst impfen lassen können, wenn sie keine Angst vor Spritzen hätte. "Ich bin die einzige, die im Freundeskreis nicht geimpft ist. Es fühlt sich schon komisch an, wenn alle sagen: 'Ja, ich bin geimpft und es war gar nicht so schlimm' und andere sagen wieder 'war voll schlimm'." Ihr Zögern werde zwar akzeptiert, sie fühle sich trotzdem unter Druck gesetzt, so Busse.

Es muss eine freie Entscheidung sein

Dana Reyes ist geimpft. Die 19-Jährige findet, dass Hanna Busse versuchen soll, ihre Angst zu überwinden. Aber wenn es gar nicht ginge, dann sei das so. "Man sollte trotzdem noch die Freiheit haben zu sagen: Ich will mich impfen lassen oder ich will mich nicht impfen lassen", findet die Schülerin. 

Gesellschaftlicher Druck ist enorm

Dana Reyes ärgert sich über den gesellschaftlichen Druck, der auf die Jugendlichen ausgeübt werde: "Der ist ziemlich enorm, auch weil die Regierung halt kostenlose Tests abschaffen möchte." Dazu hat auch Marie Le etwas zu sagen. Die 19-Jährige hat gehört, dass "für Schülerinnen und Schüler die Tests weiterhin kostenfrei bleiben". Laut Bundesregierung stellen die Länder sicher, dass sowohl das Personal an Schulen als auch die Schülerinnen und Schüler pro Präsenzwoche das Angebot von mindestens einem kostenlosen Schnelltest erhalten.

Angst durch widersprüchliche Aussagen

Man sei eben nicht unbedingt genötigt, sich impfen zu lassen, meint Marie Le: "Ich find's ein kritisches Thema, ob man sich wirklich zwischen 12 und 17 impfen sollte, weil der Körper noch voll in der Entwicklung ist."

Viele Schülerinnen und Schüler fühlen sich durch widersprüchliche Informationen aus ihrem Umfeld offensichtlich völlig verunsichert - wie zum Beispiel Lina Richter. Sie erzählt, dass sie sich impfen lassen will, aber noch nicht wisse, wann. Ständig höre man Neues zum Impfen und alle redeten ein bisschen auf sie ein. Das Impfen sei wegen möglicher Nebenwirkungen unsicher, sei ein Argument. Andere sagten zum Beispiel, "dass man später keine Kinder kriegen kann". Das mache ihr Angst, so die 18-Jährige.

Diskussionen in Kleingruppen

Können jüngere Schülerinnen und Schüler sich selbst zum Thema Impfen überhaupt eine Meinung bilden, wenn es vielen von den älteren schon schwerfällt? Um diese Frage zu diskutieren, entscheiden sie, das Setting zu ändern. In kleineren Gruppen diskutiere es sich besser, sagen sie uns.

Schülerinnen sehen Informationsdefizit bei Jüngeren

Annamarie Bahrs, Hanna Busse und Paula Baric finden, dass jüngere Kinder noch nicht in der Lage seien, sich die nötigen Informationen zu beschaffen. Mit 14 hätten sie auch noch keine Nachrichten geguckt oder hätten gewusst, wo sie seriöse Informationen finden könnten. Und die Eltern seien auch oft schlecht informiert. Sie befürchten, die Jüngeren würden sich nur aus einem einzigen Grund für die Impfung entscheiden: weil sie ihre Freiheiten wiederhaben wollten. Das sei als Begründung aber doch zu wenig, finden sie. 

Weiterer Austausch - gerne auch im Unterricht

Die elf Jugendlichen haben zwei Schulstunden lang diskutiert und waren auch unterschiedlicher Meinung, aber in einem waren sich alle einig: Sie wollen mehr Austausch über das Pro und Contra von Impfung und vor allem wollen sie mehr Aufklärung. Gerne auch im Unterricht.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 19.08.2021 | 19:30 Uhr

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