Corona: Impfpriorisierung in Schleswig-Holsteins Arztpraxen bleibt

Stand: 12.05.2021 18:02 Uhr

Die Ärzte sind gestresst, der Verwaltungsaufwand ist hoch. Der Hausärzteverband Schleswig-Holstein fordert, die Priorisierung beim Impfen in den Praxen aufzuheben. Doch Gesundheitsminister Garg will ein bundeseinheitliches Vorgehen.

Minister Heiner Garg (FDP) kritisierte, dass Bayern und Baden-Württemberg bereits von der kommenden Woche an jeden Impfstoff in den Praxen freigeben wollen. Er sei ein bisschen irritiert über dieses Vorpreschen, auch über die Forderung des Hausärzteverbandes. Der Vorsitzende des Bundesverbandes der Hausärzte, Ulrich Weigeldt, habe genau das Gegenteil gefordert, nämlich das Festhalten an der Priorisierung, sie sei eine deutliche Erleichterung für die Ärzte. Er halte ein bundeseinheitliches Vorgehen für besser, so Garg, und habe das Thema deswegen für Montag bei der Gesundheitsministerkonferenz angemeldet. Dann will er auch klären, "warum man zu einem Zeitpunkt, wo ja auch in Bayern und Baden-Württemberg mitnichten die Prioritätengruppe 3 vollends durchgeimpft ist, nicht an der Priorisierung festhält".

Hausärzteverbands-Chef kritisiert Mehraufwand

Der Hausärzteverband in Schleswig-Holstein jedoch will ein Ende der Impfpriorisierung. Im Zweifel lieber Schlange stehen vor der Tür als verstopfte Telefonleitungen und immer längere Wartelisten, sagt der Vorsitzende des Hausärzteverbandes Schleswig-Holstein, Thomas Maurer, im Gespräch mit NDR Schleswig-Holstein. Die ideale Lösung werde man nicht hinbekommen, aber die Priorisierung bringe zu viel Mehraufwand.

Bis zu 1.000 Patienten in den Wartelisten der Praxen

Dr.Thomas Maurer gibt ein Interview in seiner Praxis.
Thomas Maurer vom Hausärzteverband will, dass die Ärzte nicht mehr nach Prio-Gruppen impfen müssen.

Durch die Freigabe der Prioritätengruppe 3 sei die Zahl der Anfragen bei den Hausärzten massiv gestiegen, so Maurer: "Wir hatten vorher eine Impfliste von etwa 100, 200 Patienten. Jetzt haben wir eine Impfliste von 800 bis 1.000 Patienten. Das macht einfach keinen Sinn mehr. Die kann niemand mehr überblicken, da können wir nicht mehr priorisieren." Stattdessen "einfach impfen, wer kommt" und genügend Impfstoff zurückbehalten für kranke Menschen, die dringend den Pieks bräuchten - so seine Forderung.

Viele wollen Zweitimpfung von AstraZeneca in Praxis vorziehen

Für Stress sorgt bei den Ärzten nicht nur, dass sich jetzt viel mehr Schleswig-Holsteiner melden und eine Impfung wollen, sondern auch, dass neuerdings bei AstraZeneca eine kürzere Frist zwischen Erst- und Zweitimpfung möglich ist. Das sorgt laut Maurer dafür, dass sich viele Menschen melden, die ihre erste Impfung im Impfzentrum hatten und jetzt auf eine frühere Zweitimpfung in der Praxis hoffen.

Neues Online-Portal in Arbeit

Im Gespräch ist zurzeit auch eine digitale Lösung, eine Art Vermittlungsportal von der Kassenärztlichen Vereinigung (KVSH). Noch gibt es das Online-Portal allerdings nicht. Gedacht ist es als eine Art Webseite, auf der Impfwillige an Ärzte vermittelt werden. Dies soll beide Seiten entlasten. Wie das Portal genau aussehen könnte, ist noch unklar. Die Details sind noch in Arbeit. Die KVSH will damit aber zügig an den Start gehen - möglichst schon nächste Woche.

Thomas Maurer, Hausarzt
AUDIO: Maurer fordert Aufhebung der Priorisierung in Arztpraxen (1 Min)

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 12.05.2021 | 12:00 Uhr

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