Stand: 07.04.2020 15:41 Uhr  - Schleswig-Holstein Magazin

Hilfen für Firmen: Wenn Details zum Problem werden

von Maja Bahtijarević

Bild vergrößern
Normalerweise legt Marc Wolf in seinem Club Luna in Kiel auf. Momentan geht das nicht - der Laden ist geschlossen.

Es sollte doch alles ganz anders laufen. Als Marc Wolf mit seinen zwei Kollegen zum Anfang des Jahres den Kieler Club Luna übernommen hatte, wollen die drei DJs einiges verändern. "Wir wollten das Luna moderner machen und ausbauen. Doch jetzt ist die Anfangseuphorie etwas gedämpft", sagt Wolf. Denn: Die Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus haben Wolf einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Türen des Luna sind geschlossen. Diskotheken und Clubs müssen geschlossen bleiben - vorerst bis zum 19. April.

"Es wäre dumm, Clubs zu erst wieder aufzumachen"

Doch Wolf glaubt nicht daran, dass im Luna nach dem Ende der Osterferien wieder Menschen die Nächte durchtanzen. "Als Club oder als Fitnessstudio ist man ganz weit unten auf der Liste", glaubt er. "Keine Lüftung dieser Welt zieht so viel Frischluft, dass da nichts mehr in der Luft rumfliegt." Dazu kommt, dass in Diskotheken und Clubs die Dichte an Menschen so hoch ist wie fast nirgendwo. "Da muss man sich nichts vormachen", sagt Wolf und seufzt. "Man kann am ehesten aufs Feiern verzichten als auf etwas anderes. Es wäre dumm von der Regierung zu sagen, wir machen als erstes die Clubs auf."

Modehaus in Kappeln: Saisonbeginn "drastisch schlecht"

Bild vergrößern
Geschlossen: Modehaus Wichmann in der Kappelner Innenstadt.

Rund 60 Kilometer weiter nördlich an der Ostseeküste sorgt sich auch Torsten Wichmann um sein Geschäft. An seiner Stimme hört man es ihm aber nicht an. "Was soll man denn machen? Nützt ja nichts", sagt der 42 Jahre alte Mann und lacht ins Telefon. Das Wetter am Wochenende sei ja nett gewesen. "Da konnte man ja was im Garten machen." Wichmann ist im gleichnamigen Modehaus in der Kappelner Innenstadt Geschäftsführer. Auch er ist von den Maßnahmen der Landesregierung betroffen, der Laden ist zu und die Aussicht sei besorgniserregend, sagt er. "Wenn man davon ausgeht, dass jetzt die Saison beginnt, ist es natürlich drastisch schlecht", sagt Wichmann. "Ostern ist eins der wichtigsten Feste in Kappeln, Ostersamstag mit der umsatzstärkste Tag im Jahr." Dieses Mal bleiben die 1.200 Quadratmeter auf drei Etagen aber verlassen. Eine Antwort auf die Frage zu geben, wann es wieder losgehen könnte, sei Lesen in der Glaskugel - und alles andere vage Kalkulation. "Wenn ich diesen Monat zehn Prozent des Umsatzes schaffe, jubele ich. Bei fünf Prozent kommen wir gerade so durch."

Online-Geschäft? Keine Alternative

Bild vergrößern
Online-Handel ist für Wichmann keine Option - er befürchtet zu hohe Kosten.

Es ist momentan schwer für Unternehmen, die auf direkten Kundenkontakt ausgelegt sind. Für ein Modegeschäft könnte es eine Chance sein, die Ware online zu verkaufen. Doch diese Rechnung geht für den gebürtigen Rendsburger mit seinem klassisch geprägten Laden nicht auf. "Das ist für uns nicht realisierbar: Hohe Kosten, hohe Retourquote, die Portokosten sind nicht zu kalkulieren", meint Wichmann. "Das ist für unsere Größe nicht machbar." Über Facebook oder Instagram versuche er etwas zu verkaufen, in Kappeln kenne man sich ja. Wenn jemand mal zehn Socken brauche, dann sei das kein Problem. "Aber das ist ja auch ein Tropfen auf den heißen Stein."

Anträge bei der Investitionsbank noch in Vorbereitung

Für seine Mitarbeiter hat der Unternehmenschef deswegen Kurzarbeitergeld beantragt. Und inzwischen hat Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) auch Hilfspakete für Unternehmen mit 11 bis 50 Mitarbeitern versprochen. Es scheint ein Lichtblick für Mittelständler, Wichmann bleibt aber skeptisch. "Bis jetzt gibt es noch keine Infos von der Investitionsbank Schleswig-Holstein - die sind offenbar noch nicht so weit, also warten wir noch." Die Bank teilt auf der Website mit, dass die Anträge für dieses Programm noch in Vorbereitung sind - sie sollen voraussichtlich ab kommenden Dienstag (14.4.) gestellt werden können.

Wichmann bemängelt, die Landesregierung schieße in dieser unsicheren Zeit Informationen zu schnell raus - er meint, die Konzepte in der Wirtschaftshilfe seien unausgereift. "Ich denke aber, das ist eher Unwissen", sagt er beschwichtigend. "Man hätte sich mehr Tage Zeit lassen sollen und mehr darüber nachdenken sollen und dann etwas rausbringen sollen mit Hand und Fuß." Für die kommenden Wochen wünsche er sich, dass es bald wieder losgeht - unter welchen Bedingungen auch immer. "Und dass Versprechen so eingehalten werden, wie sie vor der Kamera gesagt werden", fügt er an. Aus dem Hintergrund hallt es von Wichmanns Frau: "Und Bürokratieabbau."

Weitere Informationen

Lieferdienst und Livestream: Corona macht erfinderisch

22.03.2020 14:00 Uhr

In Zeiten, in denen das öffentliche Leben still steht, lassen sich viele Betriebe, Clubs und Selbstständige etwas einfallen. Die Ideen reichen vom Käse-Lieferdienst bis zum Club-Livestream. mehr

Spenden, was man sonst an der Theke gelassen hätte

Im Kieler Luna sind Marc Wolf und die anderen beiden Geschäftsführer die einzigen Festangestellten, dazu gibt es einige 450-Euro-Kräfte. Für Unternehmen dieser Größe - mit maximal fünf Festangestellten - hat das Land Soforthilfe bis zu 9.000 Euro angekündigt. Doch auch hier wird ein Detail zur Sackgasse. "Wir drei haben eine neue Gesellschaft gegründet und das laufende Geschäft übernommen, das Personal und das Programm", erzählt Wolf, "und irgendwo in den Bedingungen steht, dass das Unternehmen vor dem 1. Dezember 2019 gegründet sein muss."

Ein Vorabend-Barbetrieb sei gerade im Aufbau gewesen, aber noch nicht abgeschlossen. Daher bliebe die Möglichkeit, beispielsweise einen Lieferservice für Cocktails ins Leben zu rufen, so wie andere Bars in der Stadt, verwehrt. Also machen sie das, was sie als Clubbetreiber am besten anbieten können: Musik - in Form von Livesessions online unter dem Namen "Together at Home Kiel". "Stammgäste fragen fast täglich, wie sie helfen können," verrät Wolf, "aber wir wissen gerade selbst nicht ganz genau, was wir brauchen." Eine Möglichkeit sei, beim Livestream das, was man sonst im Luna lassen würde, zu spenden. Doch ob das am Ende des Tages reicht, sei die große Frage. "Im Grunde brauchen wir nur, dass der Laden wieder aufmachen kann", sagt Wolf. Dann könnte im Oktober auch ordentlich gefeiert werden: zum 20. Geburtstag des Luna in Kiel.

Weitere Informationen

Mehr Zuschüsse: Freude bei Wirtschaft und Opposition

03.04.2020 12:00 Uhr

Die neue Zuschuss-Regelung in der Corona-Krise für Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern trifft auf viel Zustimmung. Für die IHK gibt es nun keine Förderlücken mehr. mehr

Ministerium weist 6,7 Millionen Euro Soforthilfen an

30.03.2020 12:00 Uhr

Die ersten Soforthilfen für Selbstständige und Kleinstunternehmen, die wegen Corona in finanzielle Nöte stecken, sind ausgezahlt worden. Das Geld müsste in diesen Tagen bei den Betroffenen eingehen. mehr

Coronavirus in SH: Videos, Infos, Hintergründe

Die Zahl der bestätigten Infektionen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 in Schleswig-Holstein steigt weiter an. Hier finden Sie Videos, Informationen und Hintergründe zu dem Thema. mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 22.03.2020 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

03:41
Schleswig-Holstein Magazin
03:26
Schleswig-Holstein Magazin
02:29
Schleswig-Holstein Magazin