Stand: 06.04.2020 20:53 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Corona-Grenzkontrollen: Widersprüchlich oder wichtig?

Der blaue Punkt bei Google-Maps, der mich selbst darstellt, überquert die gestrichelte Linie an der Segeberger Chaussee: Hier endet Hamburg und der Kreis Segeberg, und damit Schleswig-Holstein, beginnt. Kein Hinweis, kein "Willkommen im echten Norden" Schild, das mich im nördlichsten Bundesland empfängt. Wer hier zwischen Tangstedt (Kreis Stormarn) und Hamburg Duvenstedt spazieren geht oder eine Fahrradtour macht, dem kann es durchaus passieren, dass er das Bundesland wechselt, ohne es zu merken.

Polizei aus Schleswig-Holstein schickt Hamburger zurück

Doch in Corona-Zeiten müssen vor allem Hamburger genau darauf achten: Seit Mitte März dürfen keine Touristen mehr nach Schleswig-Holstein einreisen, auch nicht für eine Tagesreise. Daran gehalten - ob bewusst oder unbewusst - haben sich aber auch an diesem Wochenende wieder nicht alle. In Wedel, im Rader Forst (Kreis Stormarn) oder eben auch in Tangstedt musste die Polizei zahlreiche Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer zurückschicken. Und auch zum Wochenbeginn nutzten Nicht-Schleswig-Holsteiner die Wälder und Wege in Südholstein, um die Sonne zu genießen. Etwa die Hälfte der Autos, die am Montagmittag auf dem kleinen Parkplatz am Hundetummelplatz bei Tangstedt parken, hat ein Hamburger Nummernschild. Auch an den Straßenrändern im Waldgebiet fallen immer wieder Fahrzeuge mit ortsfremden Kennzeichen auf.

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Kein Verständnis für Regelung an Landesgrenze

Die Meinungen bei Fußgängern und Radfahrern, die hier im Waldgebiet ihre Runden drehen, gehen auseinander. Der größere Teil allerdings hat kein Verständnis für die Vorgaben des Landes Schleswig-Holstein: "Ich kann das überhaupt nicht nachvollziehen", erklärt eine Norderstedterin, die ihre drei Hunde an der Leine hält. "Die Hamburger dürfen nach Niedersachsen fahren, aber nicht nach Schleswig-Holstein. Und die Schleswig-Holsteiner dürfen nach Hamburg fahren. Das steht in einem totalen Widerspruch und ist für mich völlig unverständlich." "Haarspalterei", sagt ein Jogger aus Hamburg, der seit Jahren im Tangstedter Forst seine Runden dreht. Für einen älteren Radfahrer aus Norderstedt sollten überall die gleichen Regeln gelten. Das Corona-Virus sei hier nicht anders als in Bayern, Baden-Württemberg oder Berlin erklärt er. 

Zuspruch für das Einreiseverbot in Schleswig-Holstein gibt es aber auch - ausgerechnet von einem Hamburger: "Wir haben Ski-Ferien in Hamburg und viele meiner Ski-Fahrer-Freunde hatten Kontakt mit Corona-Infizierten oder sind selbst erkrankt. Und damit haben wir Hamburger zumindest ordentlich was in den Norden gebracht", erklärt der junge Mann, der sich mit einer Freundin aus Schleswig-Holstein zu einem Spaziergang verabredet hatte.

Hamburgs erster Bürgermeister kritisiert "Kleinstaaterei"

Das sieht Hamburgs erster Bürgermeister Peter Tschentscher anders. Er hatte in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung unter anderem die Schleswig-Holsteinische Landesregierung für Ihre "Kleinstaaterei" kritisiert.
Er wolle erreichen, dass zumindest Fußgänger und Radfahrer an der Landesgrenze nicht mehr kontrolliert werden, hatte das Hamburger Abendblatt berichtet. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther hat das aber abgelehnt. Niemand habe etwas gegen Hamburger so Günther, man bitte nur alle darum, sich in diesem Ausnahmezustand an die Regeln zu halten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 06.04.2020 | 18:00 Uhr

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