Mehrere Kunden eines Friseursalons werden frisiert. © NDR Foto: Sebastian Parzanny

Corona: Friseure kritisieren neue Testpflicht

Stand: 12.08.2021 10:19 Uhr

Der Landesinnungsverband der Friseure in Schleswig-Holstein hat die Einführung der sogenannten 3G-Regelung ab einer Inzidenz von 35 scharf kritisiert.

Der Landesinnungsmeister der Friseure, Klaus-Dieter Schäfer, sagte NDR Schleswig-Holstein, dass die Regel auch in den Friseursalons eingeführt werden solle, habe die Branche "kalt erwischt". Er erwarte, dass die Umsätze erneut einbrechen, etwa da jüngere, ungeimpfte Kunden künftig auf Friseurtermine verzichten könnten. "Das muss ja auch immer terminlich zusammenpassen, erst einen Test- und dann einen Friseurtermin zu haben", sagt er. Infektionstreiber seien die Friseure nicht, das zeigten Statistiken der Berufsgenossenschaft. "Und wenn wir jetzt schon die 3G-Regeln so genau einhalten müssen, würde ich mir zumindest wünschen, dass wir auf die großen Abstände verzichten könnten", sagte er.

Einigung am Mittwoch

Am Mittwoch hatte sich die Landesregierung darauf verständigt, wie die jüngsten Bund-Länder-Beschlüsse in Schleswig-Holstein umgesetzt werden. Die neue Corona-Bekämpfungsverordnung tritt am Montag (23. August) in Kraft. Die Koalition aus CDU, Grünen und FDP verständigte sich auf die Umsetzung der Testpflicht für Ungeimpfte ab einem landesweiten Inzidenzwert von 35. Ein Test wird künftig verpflichtend, wenn Menschen ohne vollen Impfschutz zum Beispiel zum Friseur oder in ein Restaurant gehen wollen. Anders ursprünglich gedacht, gilt dieser Wert nicht für jeden Kreis einzeln, sondern landesweit.

Von Kalben: "Das muss einheitlich sein"

"Testen ist ja das mildere Mittel als das irgendwas geschlossen wird. Man muss immer gucken, führt man die Testungen nur in Kreisen ein oder landesweit", sagte Eka von Kalben, die Fraktionschefin der Grünen, NDR Schleswig-Holstein. "Wir sind der Meinung, dass man sie landesweit einheitlich machen sollte, weil es nicht sein kann, dass ich in eine Pizzeria in Norderstedt ungetestet komme und in Quickborn muss ich einen Test mitbringen. Das muss einheitlich sein."

Steigende Inzidenz im Land

Schleswig-Holstein hatte den von Bund und Ländern auf 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen festgelegten Schwellenwert mit zuletzt 48,5 deutlich überschritten. Nur noch 5 von 15 Kreisen und kreisfreien Städten lagen darunter. Die Testpflicht für nicht Geimpfte und nicht Genesene gilt auch für Innenräume von Krankenhäusern, Pflegeheimen, Friseuren, Sporthallen, Kosmetik- und Fitnessstudios, Schwimmbädern sowie Freizeit- und Kultureinrichtungen.

In welchen Bereichen gilt Testpflicht?

Wer weder geimpft noch kürzlich von einer Covid-19-Erkrankung genesen ist, muss ab dem 23. August einen negativen Coronatest in Schleswig-Holstein vorlegen. Ein Antigen-Schnelltest darf dabei nicht älter als 24 Stunden, ein PCR-Test nicht älter als 48 Stunden sein. Die Pflicht zur Vorlage eines Tests gilt laut Landesregierung in folgenden Bereichen:

  • Zugang als Besucherin/Besucher zu Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen sowie Einrichtungen der Eingliederungshilfe
  • Zugang zur Innengastronomie
  • Teilnahme an Veranstaltungen und Festen in Innenräumen
  • Inanspruchnahme körpernaher Dienstleistungen (z.B. Friseur, Kosmetik, Körperpflege)
  • Sport in Innenbereichen (z.B. in Fitness-Studios, Schwimmbädern oder Sporthallen)
  • Beherbergung (Test bei Anreise und zwei Mal pro Woche während des Aufenthalts)
  • Innenbereiche der Freizeit- und Kultureinrichtungen und Einrichtungen außerschulischer Bildung

Es gibt Ausnahmen für 3G-Regel

Die sogenannte 3G-Regel - also Zutritt nur für Geimpfte, Genesene oder Getestete - gilt nicht für Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Versammlungen, Gottesdiensten und Besucherinnen und Besucher von Bibliotheken. Kinder bis zur Vollendung des siebten Lebensjahres sind von der 3G-Regelung ausgenommen, ebenso Schülerinnen und Schüler unter 18 Jahren, die regulär zweimal wöchentlich in der Schule getestet werden.

Kinder werden dauerhaft in ihrer Kita betreut

Weiterhin wird die bisherige Regelung zum eingeschränkten Regelbetrieb an Kitas aus der Verordnung gestrichen. Damit werden alle Kinder in vollem Umfang und dauerhaft in ihrer Kita betreut. Dafür wird das Land einen seit kurzem für Kleinkinder geeigneten und vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zugelassenen Selbsttest beschaffen und kostenfrei zur Verfügung stellen. Damit bekommen Kita-Eltern die Möglichkeit, ihre Kinder zweimal wöchentlich zu testen. Zudem wird die Pflicht zur Erhebung von Kontaktdaten in den meisten Außenbereichen abgeschafft.

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Dieses Thema im Programm:

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