Stand: 09.09.2020 17:13 Uhr

Demo von Veranstaltern: "Wir schaffen das nicht"

T-Shirts von Demonstrationsteilnehmern liegen auf der Wiese vor dem Reichstag bei der Demonstration "Existenzkrise in der Veranstaltungswirtschaft" des Bündnisses #AlarmstufeRot. © dpa-Bildfunk Foto: Britta Pedersen
Tausende demonstrierten in Berlin für finanzielle Überbrückungsprogramme.

Wummernde Bässe, ausgelassene Stimmung und tanzende Menschen in einem Club - zuletzt gab es das Mitte März. Seitdem sind Diskotheken in Schleswig-Holstein und allen anderen Bundesländern geschlossen, wenn sie sich nicht alternativ aufgestellt haben. Tanzen ist wegen der Corona-Pandemie und der Ansteckungsgefahr tabu. Seit einem halben Jahr haben die Betreiber bundesweit keine Einnahmen mehr und können ihre Angestellten nicht beschäftigen. Darauf haben sie am Mittwoch in Berlin aufmerksam gemacht - zusammen mit anderen Menschen aus der Veranstaltungsbranche, wie Technikverleihern, Messe- und Zeltbauern. Die Veranstalter sprachen von mehr als 15.000 Demonstranten, die Polizei von etwa 6.500.

Bündnis: Hunderttausende Jobs bedroht

Die Veranstaltungswirtschaft stehe vor einer "gigantischen Pleitewelle", erklärte das Bündnis #AlarmstufeRot. Wegen der Corona-Krise fänden Tagungen, Messen, Festivals, Konzerte oder Discos praktisch nicht mehr statt, Deutschlands sechsgrößter Wirtschaftszweig stehe vor dem Kollaps. "Wir schaffen das nicht", hieß es seitens des Bündnisses in Richtung von Bund und Ländern.

Hunderttausende Jobs von Tontechnikern, Verleihern, Servicepersonal, Beleuchtern, Eventfirmen, Caterern, Security-Firmen und Schaustellern seien bedroht. Seit März sei ein Verlust von mehr als 50 Milliarden Euro entstanden, so das Bündnis. Gefordert wurden unter anderem mehr Flexibilität beim Kurzarbeitergeld und finanzielle Überbrückungsprogramme.

Plan für Disco in Henstedt-Ulzburg "gescheitert"

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Disco-Betreiber Joey Clausen aus Henstedt-Ulzburg: "Für mich geht es jetzt darum zu überleben."

Wie es um die Diskotheken steht, zeigt ein Beispiel aus Henstedt-Ulzburg (Kreis Segeberg). Joey Clausen betreibt dort das "Joy". Auf die Tanzfläche hier passen normalerweise bis zu 600 Leute. In den sechs Monaten hat er nach eigenen Angaben rund eine viertel Million Euro Verlust gemacht, ein halber Jahresumsatz "Das ist eine Katastrophe", sagt er. "Ich hab' den Laden im April 2016 übernommen und habe jedes Jahr Geld reingesteckt. Ich habe versucht, meine Gewinne zu veräußern, noch mehr Power reinzustecken und noch mehr Ertrag rauszuholen. Dieser Plan ist definitiv gescheitert. Für mich geht es jetzt darum zu überleben."

Betreiber: Mit Abstand funktioniert eine Disco nicht

Clausen fordert die Abschaffung der Abstandsregeln für Veranstaltungen von 50 bis 100 Leuten. Denn dann könnte er im "Joy" einzelne Räume für private Veranstaltungen vermieten, auf denen auch getanzt werden kann. Mit Abstand, sagt Clausen, funktioniere eine Disco nicht. Außerdem könnten sich seiner Meinung nach Gäste vorher online registrieren, so wie bei der Kieler Woche.

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Dieses Thema im Programm:

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