Impfdosen und Impfspritzen stehen auf einem Tisch vor dem AstraZeneca Logo. © picture alliance / Geisler-Fotopress Foto: Dwi Anoraganingrum

AstraZeneca für alle: Hausärzte spielen entscheidende Rolle

Stand: 07.05.2021 17:31 Uhr

Bund und Länder haben sich darauf geeinigt, den Impfstoff von AstraZeneca freizugeben - unabhängig von der Prioritätsgruppe. Eine wichtige Position nehmen nun die Hausärzte im Land ein.

Das schleswig-holsteinische Gesundheitsministerium meldet, dass die Arztpraxen nach ärztlichem Ermessen die Impfungen vornehmen können und sich im Vorfeld mit den Impfwilligen absprechen. Jeder, der sich mit AstraZeneca impfen lassen möchte, kann sich beim Hausarzt melden. Die Praxen hätten damit - wie gefordert - mehr Flexibilität beim Einsatz des Impfstoffes, schreibt das Ministerium. Vorrang sollen in der Regel weiterhin die bisherigen Prioritätsgruppen 1 und 2 haben. Die verfügbare Impfstoffmenge sei weiterhin begrenzt, so ein Ministeriumssprecher.

Maurer vom Hausärzteverband: Telefon steht nicht still

Dr.Thomas Maurer gibt ein Interview in seiner Praxis.
Thomas Maurer vom Hausärzteverband sagt, dass nun viel zu tun sei.

Der Vorsitzende des Hausärzteverbandes Schleswig-Holstein, Thomas Maurer, sagte, das Telefon in den Praxen stehe nun endgültig nicht mehr still. Er selbst hat eine Praxis in Leck (Kreis Nordfriesland). Seit dem Freitagmorgen hätten sich viele Patienten in den Hausarztpraxen gemeldet, die noch vor ihrem Urlaub einen Impftermin möchten. Es sei viel Arbeit, aber zu schaffen, so Maurer.

KVSH: Einige Praxen sind am Limit

Ähnlich ist die Einschätzung der Kassenärztlichen Vereinigung (KVSH). Dort weist man aber auch darauf hin, dass viele Praxen in den kommenden Wochen erst einmal die Impftermine der Prioritätsgruppen 1 und 2 abarbeiten müssen. Ob also wirklich Zeit bleibt für AstraZeneca-Impfungen, bleibt abzuwarten. Einige Praxen seien völlig am Limit, so KVSH-Sprecher Nikolaus Schmidt.

Zwölf Wochen Impf-Abstand bei AstraZeneca aufgehoben

Auch den Zwölf-Wochen-Abstand zwischen der ersten und zweiten Impfung bei AstraZeneca haben Bund und Länder nun aufgehoben. Sowohl beim Hausärzteverband als auch bei der Kassenärztlichen Vereinigung hält man dies für verantwortbar: Die Bevölkerung könne so schneller durchgeimpft sein, sagte Schmidt von der KVSH.

Den Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung legt der Arzt in Absprache mit dem zu Impfenden individuell fest. Zugelassen ist ein Zeitraum zwischen vier und zwölf Wochen. Nach der derzeitigen Studienlage erhöhe sich die nachgewiesene Wirksamkeit bei einem längeren Intervall, erläuterte das Ministerium. Andererseits lägen dann die Zweitimpfung und damit ein umfassenderer Schutz weiter in der Zukunft.

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Stiko empfiehlt AstraZeneca weiterhin für über 60-Jährige

Empfohlen wird AstraZeneca von der Ständigen Impfkommission (Stiko) nach wie vor für über 60-Jährige. Die Verunsicherung bei dem Impfstoff ist aber offensichtlich so groß, dass viele AstraZeneca nicht wollen und er zum Ladenhüter wird. Der Impfstoff war ursprünglich auch für jüngere Menschen freigegeben, doch Nachweise von vereinzelten Thrombosen hatten zu Änderungen in der Empfehlung geführt.

SH: Rund 29 Prozent der Bevölkerung einmal geimpft

Nach derzeitigem Stand erhielten in Schleswig-Holstein laut Impfdashboard des Bundesgesundheitsministeriums bisher 838.040 Menschen mindestens eine Erstimpfung. Das entspricht rund 29 Prozent der Bevölkerung (Stand Donnerstag, 6. Mai). 287.522 können inzwischen eine Zweitimpfung vorweisen, was einem Bevölkerungsanteil von rund 10 Prozent entspricht.

Am Donnerstagabend wurden im Land nach nur 40 Minuten 65.000 Erstimpfungstermine für die Impfzentren vergeben. Erstmals durften sich auch Menschen aus der Prioritätsgruppe 3 melden.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 07.05.2021 | 12:00 Uhr

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