Alle Tourismus-Modellregionen im Land steigen aus Projekt aus

Stand: 12.05.2021 18:33 Uhr

Ab kommenden Montag öffnet ganz Schleswig-Holstein wieder für Urlauber. Deshalb sollen ab dann auch in Nordfriesland, Büsum, der Schleiregion mit Eckernförde und der inneren Lübecker Bucht die gleichen Regeln für den Tourismus gelten wie im ganzen Land.

Nach Nordfriesland und Büsum haben auch die anderen beiden Modellregionen das Ende bekanntgegeben. Denn ab 17. Mai sollen auch hier die von der Landesregierung beschlossenen Lockerungen im Tourismus gelten. Überall müssen Gäste nur noch alle 72 Stunden zur Test-Station - das gilt auch für die Beschäftigten im Hotel- und Gastrobreich. Tourismusminister Bernd Buchholz (FDP) sagte dazu am Mittwoch in St.Peter-Ording, die Modellprojekte hätten sehr gute Vorarbeit und eine Blaupause für ganz Schleswig-Holstein geliefert. Vor dem Hintergrund der Erfahrungen und der gesunkenen Inzidenzwerte könne man nun landesweit für Urlauber öffnen.

Modellregion: Lockerungen nur unter strengen Auflagen

Seit dem 19. April ist die Schleiregion Modellprojekt, das Projekt wäre am Wochenende ohnehin ausgelaufen, die beantragte Verlängerung wurde zurückgezogen. Seit dem 1. Mai ist auch der Kreis Nordfriesland dabei, es folgte die innere Lübecker Bucht am 8. Mai. Büsum kam als letzte Modellregion erst am vergangenen Montag dazu. Voraussetzung überall: Strenge Auflagen und eine wissenschaftliche Begleitung. Allerdings hatte jedes Projekt eigene Regeln beispielsweise bei der Testpflicht - ab kommender Woche gelten dann einheitliche Bedingungen.

Landrat Lorenzen: Modellregion macht dann keinen Sinn mehr

Beispielsweise durften Urlauber wieder auf die Insel Sylt oder nach St. Peter-Ording - aber nur mit regelmäßigen Tests der Urlauber und der Mitarbeiter der Betriebe. Weil von Montag an aber ganz Schleswig-Holstein für Urlauber geöffnet werde, mache es keinen Sinn mehr, die Modellregion weiterzuführen, sagte Norfrieslands Landrat Florian Lorenzen (CDU): "Das heißt konkret, dass ab 17. Mai dann in Nordfriesland dieselben Regeln gelten werden wie im gesamten Land Schleswig-Holstein. Und das ist - glaube ich - gut, damit wir hier ein einheitliches Bild für alle Unternehmen, aber auch für die Gäste, die Schleswig-Holstein besuchen, haben." Die wissenschaftliche Begleitung im Kreis Nordfriesland, der ja die größte Modellregion ist, soll aber wie geplant bis zum Ende des Monats fortgesetzt werden, allerdings in schlankerer Form.

Florian Lorenzen freudestrahlend auf einer Kreistagssitzung in Nordfriesland. © dpa-Bildfunk Foto: Carsten Rehder
AUDIO: Tourismus-Modellprojekte lockern Corona-Testintervalle (1 Min)

Weniger Tests und Datenermittlung nötig

Die Änderungen seien im Wesentlichen, dass der Kreis im Kreisgebiet das Testintervall bei der Beherbergung von 48 Stunden dann angleichen werde auf die 72 Stunden, die in der Landesverordnung vorgesehen sind. Und für die teilnehmenden Betriebe werde die umfangreiche Datenmeldepflicht dann nicht mehr notwendig sein, so Lorenzen weiter.

Büsum und Schleiregion hoffen auf Erfahrungswerte

Auch in Büsum (Kreis Dithmarschen) hat Tourismuschef Olaf Raffel am Mittwoch gemeinsam mit Hoteliers und Gastronomen das Ende des Projekts beschlossen. Schleswig-Holstein könne nun von den Erfahrungen aus dem Büsumer Modellprojekt profitieren, so Raffel. Max Triphaus, Chef der Ostseefjord Schlei GmbH sieht es ähnlich. Er sagte NDR Schleswig-Holstein: "Ich finde es super, dass wir am Montag von der Modellregion in die Landesverordnung wechseln. Das war unser Ziel - und das hat toll geklappt. Wir haben durch dieses Projekt einen großen Imagegewinn und bundesweite Aufmerksamkeit erfahren. Für uns rundum ein Erfolg".

Innere Lübecker Bucht sieht sich nun gut vorbereitet

Es werde aber selbstverständlich weiter getestet, betont André Rosinski von der Tourismusagentur Lübecker Bucht. Die wissenschaftliche Begleitung fällt seinen Worten nach dann allerdings weg. Die bisher gesammelten Erfahrungen aus der Modellregion sowie der Aufbau der Test-Infrastruktur seien enorm wichtig für einen corona-sicheren Tourismus, so Rosinski. Er sei froh, dass die Lübecker Bucht jetzt mit wichtigen Erkenntnissen und gut vorbereitet in die Tourismus-Saison starten kann.

Infektionsmediziner Rupp sieht Nachteil für Wissenschaft

Der Infektionsmediziner am UKSH in Lübeck, Jan Rupp, spricht angesichts der fehlenden wissenschaftlichen Begleitung bei der landesweiten Öffnung für Touristen von einer vertanen Chance. Gerade dieser Erkenntnisgewinn hätte parallel laufen können, findet der Wissenschaftler. Denn sollte es in Schleswig-Holstein wieder zu mehr Ansteckungen kommen, werde man sich fragen: "Woher kommen die Fälle? Sind es wirklich die Touristen, die es eingeschleppt haben? Und das hätte man einfach in den kommenden Wochen parallel zu Öffnungen wissenschaftlich begleiten können", so Rupp. Die Lübecker Universität biete deshalb allen Tourismus-Regionen weiterhin an, die Ergebnisse ihrer Corona-Tests auszuwerten.

Weitere Informationen
Blick auf einen belebten Fußweg mit Straßengastronomie. © picture alliance Foto:  Jonas Walzberg

Neue Corona-Regeln in SH: Das ist erlaubt, das ist verboten

Was Schleswig-Holsteiner jetzt beachten müssen - von A wie Abstandsgebot bis Z wie Zweitwohnung. mehr

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther spricht mit Medienvertretern. © dpa / picture alliance Foto: Axel Heimken

Günther findet Modellregion-Konzept aus SH vorbildlich

In einem Interview mit der ARD betonte Ministerpräsident Günther, dass auch in den Modellregionen die Zahlen nicht gestiegen seien. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 12.05.2021 | 15:00 Uhr

Nachrichten aus Schleswig-Holstein

Ein Absperrband der Polizei sperrt einen Teilbereich des Ufers am Einfelder See in Neumünster. © Daniel Friederichs Foto: Daniel Friederichs

Einfelder See bei Neumünster: 13-Jährige tot aufgefunden

Im Einfelder See haben Einsatzkräfte ein beim Baden verunglücktes Mädchen tot geborgen. Auch in Kollmar und in Müssen gab es Badeunfälle. mehr

Videos