Stand: 25.03.2020 07:18 Uhr

Abitur ohne Prüfung: User-Meinungen aus dem Netz

Schleswig-Holsteins Landesregierung entscheidet heute (25.03.) über eine Absage der Abitur- und auch aller anderen Abschlussprüfungen wegen der Corona-Pandemie. Nach den Plänen von Bildungsministerin Karin Prien (CDU) sollen die Schüler stattdessen Abschlusszeugnisse auf Basis bisheriger Noten erhalten. Die Schüler hätten in den vergangenen beiden Jahren in erheblichem Umfang Leistungen erbracht, so dass Lehrer deren Leistungspotential sehr gut einschätzen könnten, sagte Prien.

Abitur ohne Prüfung: Pro oder Contra?

Das Thema polarisiert und auch unser Artikel darüber von gestern (24.03.) hat über die Kommentarfunktion sowie in den sozialen Netzwerken auf Facebook und Twitter für viele Kommentare gesorgt. Wir haben Ihre Meinungen ausgewertet. Nur wenige kommentierende User haben Verständnis für den Vorschlag von Bildungsministerin Prien.

"Demokratieverständnis00" etwa meint: "Es bringt aktuell nichts auf bessere Zeiten zu hoffen. Es (...) scheint mir eine gute Lösung zu sein. Die erbrachten Leistungen sollten im Normalfall schon auf Abiturniveau erbracht worden sein. (...)"

Auch "Heinrich" unterstützt die Vorgehensweise der Bildungsministerin. Er schreibt: "Richtige Entscheidung von Frau Prien! Wenn wir eine der größten Krise seit dem Weltkrieg haben, brauchen wir nicht mehr leistungsorientiert zu denken, sondern vorsorglich. Dieses leistungsorientierte Denken müssen wir jetzt mal vergessen. Die Noten aus dem Jahr übernehmen, ist in dieser Lage, in der wir uns befinden, Okay."

Schülermeinungen

Zwölftklässlerin "Mia" fühlt sich hin- und hergerissen zwischen der scheinbaren Freude über die fehlenden Prüfungen und der Angst vor einer geraubten Möglichkeit, die aktuellen Noten zu verbessern. "Ich denke, es kommt da sehr auf den Einzelfall an - beziehungsweise wie die Klausurnoten in den Jahrgängen Q1 und Q2 aussehen. Ein Drittel kann schließlich doch über den angestrebten Studienplatz entscheiden. Die Idee von einem minderwertigen "Notzeugnis" lehne ich insofern ab, da viele sich schon sehr auf die Prüfungen vorbereitet haben. Zwölf Jahre lief alles auf diesen einen Tag hinaus und nun wird diese Möglichkeit genommen. (...)" Sie hofft auf eine Kompromiss-Lösung, nach der sie ein vollwertiges Abitur erlangen kann.

"L" schlägt vor: "Lasst es die Schüler doch selber entscheiden. Entweder sie gehen mit einem voreiligen Abschluss ab - wie Fachabi-Note oder was auch immer vor den Prüfungen an Noten feststand - oder sie wiederholen das Jahr. Dann muss halt mal von staatlicher Seite unterstützt werden. (...) Ich bin im zwölften Jahr und würde mit Kusshand eine Wiederholung nehmen, da wir durch verschiedene Vorkommnisse schon mehrere Wochen Ausfall hatten und jetzt noch Corona reinhaut."

"Unzählige freie Räume und genug Personal"

"KAT" kommentiert: "Ich arbeite am Gymnasium und bin der Meinung, dass unsere Bildungsministerin eine Fehlentscheidung trifft, wenn sie das Abitur absagt. Wir haben unzählige freie Räume und genug Personal, um die schriftlichen Prüfungen durchzuführen und trotzdem eine Ansteckung zu verhindern. Und bis Mitte März ist im Grunde genommen der gesamte Lehrstoff durchgenommen worden. Also wo ist das Problem? Mit ein wenig Planung ist das Abitur trotz Coronakrise machbar."

"Fritchen12" meint: "Ich denke, es wird einige Kinder geben, die durch die Abiturprüfungen zu einem viel besseren Abschluss kommen können und sich darauf verlassen haben. Die haben keine Chance mehr, irgendwas zu korrigieren. (...) Den Schülern, die ein richtiges Abitur machen wollen, muss man die Möglichkeit (geben) und es ist an der Zeit, klare, verbindliche und unumstößliche Regeln aufzustellen."

Vor allem viele Eltern zeigen Ängste darüber, dass ein Abitur ohne Prüfung weniger Anerkennung finden könnte in späteren Leben ihrer Kinder. "Eine Mutter in S-H" schreibt: "Abiturprüfungen müssen geschrieben werden! Mein Sohn, der Abiturient eines G8 Gymnasiums ist, möchte nicht den Rest seines Lebens hören, dass er gar kein 'richtiges' Abitur hat, weil er keine Prüfungen schreiben musste. Die Schüler sind vorbereitet, also gebt ihnen die Chance, ihre Prüfungen zu machen und nicht für immer mit einem 'Anerkennungszeugnis' durchs Arbeitsleben zu gehen!" User "Fraglich" äußert sich kritisch und weist darauf hin, dass die Absolventen in Konkurrenz um Studienplätze mit anderen Jahrgängen stehen. Da fehle es dann an Vergleichbarkeit.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 25.03.2020 | 12:00 Uhr

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