CDU verliert acht Wahlkreise: Woran lag es?

Stand: 27.09.2021 16:31 Uhr

Die CDU in Schleswig-Holstein ist geradezu abgestürzt: Die SPD, die im Norden mit 28 Prozent deutlicher vor der CDU mit 22 Prozent liegt als im Bund, gewinnt acht von elf Direktmandaten, die CDU nur noch zwei.

Woran lag es? War es der Promi-Faktor bei den SPD-Kandidaten? Das trifft wohl zu im Wahlkreis Pinneberg. Dort konnte sich der ehemalige SPD-Landeschef Ralf Stegner mit 31,27 Prozent gegen den CDU-Bundestagsabgeordneten Michael von Abercron durchsetzen, bei der vergangenen Wahl hatte Abercron noch fast zehn Prozentpunkte Vorsprung.

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Auch Johann Wadephul verliert seinen Wahlkreis

Doch in anderen Fällen galt eher der CDU-Kandidat als Promi - Beispiel Wahlkreis Rendsburg-Eckernförde. Johann Wadephul sitzt schon lange im Bundestag, der bisherige Unions-Fraktionsvize ist bekannt, zudem in seiner Rolle als CDU-Verteidigungsexperte immer wieder als Interviewpartner gefragt. Doch Wadephul verlor seinen Wahlkreis an den SPD-Kandidaten Sönke Rix. Zu den Gründen sagte er NDR Schleswig-Holstein: "Ich habe viel Haustürwahlkampf gemacht. Und an fast jeder Haustür hat man mir gesagt, dass das der falsche Kanzlerkandidat war. Und dann war auch nicht klar, mit welchen Themen wir für die nächsten vier Jahre als CDU antreten würden. Da waren andere Parteien klarer."

Ein Portrait von dem Politiker Dr. Johann David Wadephul von der CDU. © Johann David Wadephul / CDU Foto: Johann David Wadephul / CDU
Herbe Niederlage für den CDU-Abgeordneten Johann Wadephul. Sönke Rix von der SPD erobert das Direktmandat im Wahlkreis Rendsburg-Eckernförde.

Wadephul, wie auch Ingo Gädechens, Petra Nicolaisen und Gero Storjohann schafften es aber über die Landesliste in den Bundestag. Die CDU ist mit Astrid Damerow (Nordfriesland-Dithmarschen-Nord) und Mark Helfrich (Steinburg-Dithmarschen-Süd) nur noch mit zwei - bisher waren es zehn - Wahlkreisgewinnern dabei.

Gero Storjohann verliert in Segeberg/Stormarn sein Direktmandat

Gero Storjohann im Wahlkreis Segeberg/Stormarn Mitte ist seit fast 20 Jahren Bundestagsabgeordneter der CDU. Der 62-Jährige hat bei den vier vorangegangenen Wahlen immer das Direktmandat geholt. Auch er hat gegen einen SPD-Kandidaten verloren, gegen Bengt Bergt, Anfang 40 und noch recht unbekannt auf der politischen Bühne. Der Newcomer hat sich mit etwa vier Prozentpunkten Vorsprung gegen Storjohann durchgesetzt. Der erklärt die Niederlage unter anderem damit, dass in ländlichen Regionen, in denen es ja traditionell oft viel Zustimmung für die CDU gab, mittlerweile auch viele Städter wohnen, die eben anders wählen.

Insgesamt sind aus Schleswig-Holstein 28 Abgeordnete demnächst in Berlin - die SPD mit acht Politikern, CDU und Grüne mit jeweils sechs, darunter auch erstmals mit Robert Habeck ein Direktkandidat (Wahlkreis Flensburg-Schleswig), die FDP mit vier, die AfD mit zwei, Linke und SSW jeweils mit einem.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 27.09.2021 | 12:00 Uhr

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