Parteien-Anstecker auf einem Stimmzettel, Koalition aus CDU/CSU, SPD und Grünen, Kenia-Koalition © picture alliance / CHROMORANGE | Christian Ohde Foto: Christian Ohde

Bundestagswahl 2021: So reagieren Politiker aus SH

Stand: 26.09.2021 20:59 Uhr

Nach den Hochrechnungen zur Bundestagswahl 2021 haben Politiker aus Schleswig-Holstein reagiert. Ein Überblick.

Starke Zugewinne für die Sozialdemokraten, massive Verluste für die Union, aber noch keine klaren Verhältnisse: CDU und CSU mit Spitzenkandidat Armin Laschet und die SPD mit Olaf Scholz liefern sich bei der Bundestagswahl ein enges Rennen und liegen in etwa gleichauf. Die ARD-Hochrechnung von 19.59 Uhr sieht die SPD bei 25,5 Prozent und somit knapp vor der Union, die derzeit bei 24,5 Prozent liegt. Die Grünen mit Spitzenkandidatin Annalena Baerbock kommen laut der ersten Hochrechnung auf 13,8 Prozent. Für die FDP sind es demnach 11,7 Prozent, die AfD liegt bislang bei 10,9 Prozent. Für die Linken ist noch nicht klar, ob sie es über die Fünf-Prozent-Hürde schaffen: Sie kommen laut der Hochrechnung auf 5,0 Prozent.

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Ministerpräsident Günther: Jamaika auf Bundesebene möglich

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sprach angesichts dieser Zahlen in einer ersten Reaktion von "keinem guten Ergebnis für die Union." Er sagte weiter: "Ich glaube, daran darf man an so einem Wahlabend auch nicht vorbeireden. Offenkundig ist es ja gelungen, zu verhindern, dass es eine Mehrheit von SPD, Grünen und Linkspartei gibt - schon mal ein gutes Zeichen". Er fügte an: "Jetzt ist auch Jamaika möglich. Dafür habe er immer geworben - auch auf Bundesebene, weil es in Schleswig-Holstein gut klappt. Und jetzt auch auf Bundesebene."

SPD-Landeschefin Midyatli sieht "politisches Comeback des Jahres"

Aus Sicht der schleswig-holsteinischen SPD-Landesvorsitzenden Serpil Midyatli hat ihre Partei bei der Bundestagswahl das "politische Comeback des Jahres"geschafft. Vor zwölf Monaten habe die Union noch 20 Prozentpunkte vor der SPD gelegen, und heute seien beide Kopf an Kopf, sagte die Kieler Fraktionschefin am Sonntagabend. "Mit Olaf Scholz haben wir den Kandidaten, den sich die Mehrheit der Menschen als Kanzler wünscht", so die SPD-Bundesvize weiter und fügte an: "Daraus leitet sich unser Anspruch ab, die Regierung zu führen." Die Union sei der größte Wahlverlierer und damit abgewählt. "Sie gehört in die Opposition."

Grünen-Landeschefin Tranziska: Klares Votum gegen das weiter so

Schleswig-Holsteins Grünen-Vorsitzende Anna Tranziska äußerte sich erfreut über das Abschneiden ihrer Partei. "Deutschland braucht jetzt schnell eine neue Regierung, die sich um die Probleme und ganz besonders um den Klimaschutz kümmert statt weiter vor sich hin zu dödeln", sagte Tranziska in Kiel. Die Grünen stünden bereit, Verantwortung zu übernehmen. Viele Wähler hätten gegen die große Koalition gestimmt. Das sei ein klares Votum gegen das "weiter so" und für Veränderung.

FDP-Spitzenkandidat Kubicki: "Rot-Grün-Rot wird wahrscheinlich nicht funktionieren"

"Heute Abend feiern wir zunächst einmal. Es ist das erste Mal in der Geschichte unseres Landes, dass die FDP bei einer Bundestagswahl zwei Mal in Folge zweistellig wird. Das ist ja wahrscheinlich ganz toll und wir freuen uns riesig. Jetzt müssen wir in aller Bescheidenheit das richtige Ergebnis mal abwarten und gucken, was geht. Rot-Grün-Rot wird wahrscheinlich nicht funktionieren", meinte Wolfgang Kubicki, Spitzenkandidat der Nord-FDP.

SSW-Spitzenkandidat Seidler: Das ist sensationell

Der Südschleswigsche Wählerverband (SSW) kehrt nach 68 Jahren in den Bundestag zurück. Die von der Fünf-Prozent-Hürde befreite Minderheitenpartei aus Schleswig-Holstein kann nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis des Bundeswahlleiters einen Abgeordneten nach Berlin schicken. Als fraktionsloser Abgeordneter wird der Flensburger Stefan Seidler - ein Vertreter der dänischen Minderheit - ins Parlament einziehen. "Das ist ganz sensationell für unseren SSW", sagte Seidler bereits am Sonntagabend und kündigte an, dass er mit allen demokratischen Parteien zusammenarbeiten werde. Er werde "aber auch die Stimme erheben und auf den Tisch hauen, wenn der Norden zu kurz kommt".

AfD-Spitzenkandidat Witt: "Interne Streitigkeiten nicht mehr nach außen tragen"

Der Spitzenkandidat der AfD in Schleswig-Holstein ist enttäuscht vom Abschneiden seiner Partei bei der Bundestagswahl. Uwe Witt sagte NDR Schleswig-Holstein, das Ergebnis spiegele nicht den Einsatz der AfD im Bundestag wider. Das Ergebnis habe sehr viel mit der überwiegend negativen Berichterstattung über die AfD zu tun. Außerdem, so Witt, müsse sich die AfD auch selber besser reflektieren und interne Streitigkeiten nicht mehr nach außen tragen.

CDU-Fraktionschef: "Nicht unser Traumergebnis"

Auch Schleswig-Holsteins CDU-Fraktionschef Tobias Koch hat sich nach Veröffentlichung der ersten Prognosen zurückhaltend geäußert. "Es ist jetzt nicht unser Traumergebnis. Unser eigener Anspruch wäre sicherlich gewesen bei 30 Prozent + X, beziehungsweise 35 Prozent zu liegen. Ein echtes Kopf-an-Kopf-Rennen. Wo wir uns besonders gefreut haben, war gerade zu sehen, rot-grün-rot ist vom Wähler nicht gewollt. "

SPD-Politiker Stegner freut sich über "großartigen Erfolg"

SPD-Politiker Ralf Stegner sieht einen klaren Regierungsauftrag für seine Partei und Kanzlerkandidat Olaf Scholz. Dies twitterte der langjährige schleswig-holsteinische Fraktionschef im Landtag in Kiel und frühere SPD-Bundesvize am Abend. "Großartiger Erfolg für @spdde im Bund+MV", kommentierte Stegner. "Desaster für Union + @ArminLaschet."

Grüne Amtsberg hat gemischte Gefühle

Schleswig-Holsteins Grünen-Spitzenkandidatin Luise Amtsberg sagte, ihre Partei blicke mit gemischten Gefühlen auf das Ergebnis. "Natürlich hätten wir uns ein noch besseres Ergebnis gewünscht."

Auch FDP-Landeschef Garg wirbt für Jamaika-Koalition

Der FDP-Landesvorsitzende und Sozialminister Heiner Garg hat in Schleswig-Holstein für eine Jamaika-Koalition mit CDU und Grünen auch auf Bundesebene ausgesprochen. "Unser Land braucht dringend einen Regierungswechsel, um die drängendsten Probleme endlich anzugehen", erklärte der Sozialminister in Kiel. Weitere vier Jahre Stillstand dürfe es nicht geben. In Kiel regiert die FDP bereits mit Union und Grünen.

 

Weitere Informationen
SPD-Landeschefin Serpil Midyatli.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 26.09.2021 | 22:00 Uhr

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