Uwe Witt (AfD) spricht bei der Plenarsitzung im Deutschen Bundestag.  Foto: Bernd von Jutrczenka

AfD: Uwe Witt - Sozialpolitiker als Spitzenkandidat

Stand: 05.09.2021 10:00 Uhr

Uwe Witt ist Spitzenkandidat der AfD in Schleswig-Holstein für die Bundestagswahl. Der 61-jährige sieht seinen Schwerpunkt in den Bereichen Arbeit und Soziales.

von Constantin Gill

Dass ein AfD-Politiker stolz seine Auftritte in öffentlich-rechtlichen Sendungen auflistet, wie Uwe Witt es auf seinem Youtube-Kanal tut, mag überraschen. Kommen die klassischen Medien bei der Partei doch sonst eher schlecht weg. Doch Witt weiß seine Bühne zu nutzen, ob nun medial, in eigenen Videopodcasts oder bei seinen Reden im Bundestag.

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Dort ist er seit vier Jahren für die AfD aktiv - allerdings noch über die Landesliste Nordrhein-Westfalen. Geboren in Witten, wurde er zunächst Betriebsschlosser, macht dann ein Aufbaustudium zum Personalbetriebswirt. In verschiedenen Unternehmen war er fürs Personal zuständig, als selbstständiger Unternehmer hatte er laut Lebenslauf drei Firmen. In die AfD trat Uwe Witt 2013 ein. Seinen Schwerpunkt sieht er in der Arbeits- und Sozialpolitik. Er leitet die "Alternative Vereinigung der Arbeitnehmer" in der Partei. Außerdem ist er behindertenpolitischer Sprecher seiner Fraktion. Mehrere Jahre hat er ehrenamtlich mit Behinderten gearbeitet.

Vertreter der "Alternativen Mitte"

Diejenigen in der schleswig-holsteinischen AfD, die sich selbst als gemäßigt sehen, können mit Witt als Spitzenkandidat gut leben. Auch, weil er ein Sprecher der "Alternativen Mitte" ist. Einer innerparteilichen Gruppe, die ein Gegengewicht zum völkischen Flügel der AfD sein soll. Er selbst stehe für "konservativ-freiheitliche und patriotisch-bürgerliche Politik", schreibt Witt über sich.

"Nachdenken statt dementieren"

In einem Interview widersprach er Rechtsaußen Björn Höcke, der beim Denkmal für die ermordeten Juden in Berlin von einem "Mahnmal der Schande" gesprochen hatte. Witt wollte sich ins Kuratorium der Gedenkstätte wählen lassen. Und als sich der inzwischen aus der AfD ausgetretene Politiker Uwe Junge über die Regenbogen-Binde am Arm des Nationaltorhüters ausließ ("Schwuchtelbinde"), riet Witt ihm: "Es gibt Statements, da sollte man zunächst überlegen, bevor man anschließend dementieren muss." Und den Gauland-Spruch "Wir werden sie jagen" übersetzt Witt so: Die AfD zwinge mit Gesetzesanträgen im Bundestag die Regierung zum Handeln.

Er selbst platziert seine Statements so, dass er Zuspruch aus allen Lagern der AfD Schleswig-Holstein erhält. In seiner Bewerbungsrede in Büdelsdorf wetterte er gegen die Corona-Maßnahmen und wähnte die Bundesrepublik auf dem Weg in einen autoritären Staat. Im Bundestag bezeichnete er mRNA-Impfstoffe als "genmanipulierte Impfstoffe." Auch die klassischen AfD-Themenfelder bedient er und warnt vor "massenhafter Einwandererung in die deutschen Sozialsysteme."

Wenn Uwe Witt nicht in Berlin Anzug trägt und Politik macht, wechselt er auch mal in die Lederkluft. Seit dem 16. Lebensjahr fährt er Motorrad. Doch unpolitisch ist auch das für ihn offenbar nicht: In der "Interessengemeinschaft AfD Motorrad" will er sich mit drohenden ""Freiheitseinschränkungen" durch den politischen Gegner auseinandersetzen.

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