Zugeschüttete Bunkergänge auf Helgoland werden zum Museum

Stand: 03.01.2021 14:44 Uhr

Die Stiftung Nordseemuseum legt verschüttete Bunkergänge auf Helgoland frei. Ende 2022 sollen sie besichtigt werden können.

Seit Jahrzehnten ist er stillgelegt. Jetzt soll er zum Museum werden: Ein Bunker im Unterland von Helgoland. Die Stiftung Nordseemuseum legt dafür längst verschüttete Gänge frei. Die Teile der unterirdischen Bunkeranlagen die besichtigt werden können, sollen damit größer werden. Die EU, das Land Schleswig-Holstein und die Gemeinde Helgoland fördern dieses Projekt.

Immer weniger Zeitzeugen

Das Geflecht langer Gänge unter der Insel war fast 14 Kilometer lang. Es rettete der Zivilbevölkerung im Zweiten Weltkrieg das Leben, als die Insel komplett zerbombt wurde. "Zeitzeugen gibt es immer weniger. Und wir müssen es einfach für die junge Generation erhalten: Was ist gewesen, was bedeutet Krieg", betont Museumsleiter Jörg Andres.

Mit Müll zugeschüttet

Das Stück, das jetzt freigelegt wird, war im Krieg ein Zugang für Marine und Bevölkerung in das Bunkergeflecht. Nach dem Krieg wurde dieser Zugang mit Müll zugeschüttet. Damit bald Besucher hier durchgeführt werden können, schaffen Arbeiter mithilfe einer sogenannte Schrämfräse einen neuen Zugang. "Die Atmosphäre, die man hier unten wahrnimmt, die kann man nicht in einem Museum haben. Das ist ein Originalschauplatz. Und das empfindet der Besucher, wenn er hier reingeht - und das ist ganz wichtig, dass wir das vermitteln", sagt Museumsleiter Jörg Andres. Bislang konnten Besucher nur mit einem Museumsführer die unterirdischen Bunkergänge erkunden - über den gut getarnten Einstieg im Oberland.

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3.000 Soldaten auf der Insel

Im April 1945 bombardierten die Engländer Helgoland. Denn die Insel war damals ein Militärhafen der Nazis. 3.000 Soldaten waren auf der Insel stationiert. Die Zivilbevölkerung konnte sich bei der Bombardierung in die Bunkeranlagen retten. In 100 Minuten Bombenhagel wurden fast alle Gebäude zerstört. Einen Tag nach dem Angriff wurde die Insel evakuiert, die Bevölkerung musste aufs Festland übersiedeln.

Die Eröffnung des neuen Bunkermuseums ist für Ende 2022 geplant.

 

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Schleswig-Holstein Magazin | 03.01.2021 | 19:30 Uhr

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