Stand: 10.09.2018 18:41 Uhr

Zugausfälle in der Region Lübeck

Weil der Deutschen Bahn in Schleswig-Holstein Lokführer fehlen, kommt es seit Montag zu Zugausfällen in der Region Lübeck. Betroffen sind die Linien Lübeck-Lüneburg, Lübeck-Kiel, Lübeck-Neustadt-Fehmarn und Lübeck -Travemünde-Strand. Statt Zügen fahren dann auf unbestimmte Zeit Busse oder Taxis. Eigentlich hätten schon am Montagmorgen zwei Verbindungen ausfallen sollen. Doch Lokführer aus der Nachtschicht übernahmen die Strecken nach Angaben einer Bahnsprecherin. Seit Montagabend aber fallen zahlreiche Verbindungen aus.

DB Region verweist auf Ausbildungsoffensive

Das Unternehmen beteuert, dem Personalmangel gegenzusteuern. DB Regio Schleswig-Holstein habe seine Rekrutierungsanstrengungen bereits deutlich verstärkt und sei dabei, mit einer Ausbildungsoffensive gegenzusteuern, teilte das Unternehmen mit. "So beginnen nun alle zwei Monate neue Ausbildungslehrgänge. Zuletzt wurden am 1. September neun neue Lokführer-Anwärter begrüßt", hieß es in der Mitteilung. Allerdings dauere es etwa zehn bis zwölf Monate, bis ein ausgebildeter Triebfahrzeugführer dem Betrieb zur Verfügung steht.

Busse statt Bahn: Diese Zug-Verbindungen fallen aus

  • RE83 Lübeck–Lüneburg

    • RE 21837, Lübeck Hbf (22.09)–Lüneburg (23.15), täglich
    • RE 21802, Lüneburg (4.20)–Lübeck Hbf (5.36), montags bis freitags
    • RE 21806, Lüneburg (6.30)–Lübeck Hbf (07.52), samstags und sonntags
    • RE 21831, Lübeck Hbf (19.09)–Lüneburg (20.15), freitags und samstags
    • RE 21834, Lüneburg (20.30)–Lübeck Hbf (21.53), freitags und samstags

  • RB84 Lübeck–Kiel (sonntags)

    • RB 21676, Lübeck Hbf (18.28)–Kiel Hbf (19.56)
    • RB 21687, Kiel Hbf (20.04)–Lübeck Hbf (21.32)

  • RB85 Lübeck–Neustadt–Fehmarn (täglich)

    • RB 21726/21776, Lübeck Hbf (18.12)–Neustadt(Holstein)
    • RB 21733, Neustadt(Holstein) (19.23)–Lübeck Hbf (19.54)
    • RB 21732/21782, Lübeck Hbf (21.12)–Neustadt (21.52)–Puttgarden (22.55)
    • RB 21736, Lübeck Hbf (23.12)–Puttgarden (0.55)
    • RB 21707, Puttgarden (5.19)–Lübeck Hbf (6.54)

  • RB85 Lübeck–Neustadt–Fehmarn (montags bis freitags)

    • RB 21709, Puttgarden (6.20)–Lübeck Hbf (7.54), Ausfall vsl. nur bis Neustadt(Holstein)

  • RB85 Lübeck–Neustadt–Fehmarn (samstags und sonntags)

    • RB 21722, Lübeck Hbf (16.12)–Neustadt (Holstein) (16.51)
    • RB 21743, Neustadt(Holstein) (17.14)–Lübeck Hbf (17.54)
    • RB 21711, Puttgarden (7.20)–Lübeck Hbf (8.54), Ausfall vsl. nur bis Neustadt(Holstein)

  • RB86 Lübeck – Lübeck-Travemünde-Strand (samstags und sonntags)

    • RB 21536, Lübeck Hbf (23.03)–Lübeck-Travemünde Strand (23.25)
    • RB 21541, Lübeck Travemünde Strand (23.34)–Lübeck Hbf (23.56)

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Quelle: Deutsche Bahn

 

Private bieten mehr Geld und bessere Schichtpläne

Dass es zu solch drastischen Maßnahmen wie Zugstreichungen kommen muss, überrascht die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) nicht. Sie weist daraufhin, dass es kaum Interessenten für den Lokführerberuf gebe und sich viele ausgebildete Fahrer abwerben ließen. Sie wechseln zu privaten Gesellschaften.

Zwar sei für viele Lokführer in Deutschland die Deutsche Bahn nach wie vor ein sicherer Arbeitgeber, sagte Uwe Reiz von der EVG NDR 1 Welle Nord. Dort gebe es eine bessere soziale Absicherung als bei Mitbewerbern. Aber: "Für die Kollegen ist ausschlaggebend, dass die privaten Bahnen zum Teil besser bezahlen als die Deutsche Bahn und dass die Arbeitsbedingungen attraktiver sind", so Reiz. Schichtpläne würden dort anders gemacht, die Einsätze der Lokführer anders geplant. Dass die Lokführer zu privaten Gesellschaften wechseln, ist für ihn ein Zeichen dafür, wie schwierig die Arbeitssituation bei der Deutschen Bahn ist.

Auch DB-interne Konkurrenz

Nach Informationen des Fahrgastverbands "Pro Bahn" sind nicht nur private Wettbewerber Konkurrenten der DB Regio Schleswig-Holstein in der Personalfrage: "In der jüngeren Vergangenheit hat man hier in Lübeck viel in Ausbildung gesteckt. Das junge Personal ist hier auch viel gefahren, ist nur dann auch schnell zu anderen Regionalbereichen gewechselt und häufig auch zum Fernverkehr", sagt Birger Wolter. Auch er bemängelt die Ausfälle. "Wir finden es natürlich schlecht, wenn Leistungen, die im Fahrplan stehen, nicht durchgeführt werden."

Buchholz: Es fehlen 27 Lokführer

Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) ist von den Streichungen alarmiert. Er sagte dem Schleswig-Holstein Magazin: "Das ist eine katastrophale Situation fürs Land und für die Menschen, die darauf angewiesen sind, auf der Schiene unterwegs zu sein." Nach seinen Informationen fehlen der Bahn allein in Schleswig-Holstein 27 Lokführer. "Das macht mich fassungslos." Er werde jetzt prüfen, ob es im Verkehrsvertrag mit der Deutschen Bahn Regelungen für so eine Situation gebe. Doch danach sehe es im Moment nicht aus.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 10.09.2018 | 17:00 Uhr

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