Zehn Jahre Haft für tödliche Messerstiche auf Spielplatz Grönwohld

Stand: 03.06.2021 18:06 Uhr

Das Landgericht Lübeck hat den angeklagten 21-Jährigen wegen Totschlags verurteilt. Nach Überzeugung der Richterin erstach er das 22 Jahre alte Opfer im Oktober während eines Streits um ein Drogengeschäft.

Äußerlich emotionslos hat der Angeklagte auf das Urteil reagiert, schon während der gesamten Verhandlung wirkte er ruhig. "Die Beweisaufnahme hat ergeben, dass der Angeklagte sein Opfer mit 27 Messerstichen getötet hat", hieß es am Donnerstag in der Urteilsverkündung. Der Angeklagte muss nun für zehn Jahre ins Gefängnis.

Tat wohl aus "emotional aufgeladener Situation"

Die Staatsanwaltschaft hatte elf Jahre wegen Totschlags gefordert, die Nebenklage eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes. Der Verteidiger des Angeklagten plädierte dagegen auf Freispruch. Da keine Mordmerkmale wie Geldgier oder Heimtücke vorlagen, wertete das Gericht die Tat als Totschlag. "Wir halten es für möglich, dass sich die Tat aus einer emotional aufgeladenen Situation heraus entwickelt hat", sagte Richterin Helga von Lukowicz.

Schlagring mit ausklappbarem Messer als Tatwaffe

"Den genauen Tathergang von Oktober 2020 konnten wir nicht rekonstruieren, aber Zeugenaussagen und Handydaten haben doch ein recht genaues Bild vom Tatabend gezeichnet", so die Richterin. Danach hatten sich die beiden Männer an dem Abend auf dem Spielplatz verabredet, um ein Drogengeschäft abzuwickeln. Dabei sei es zum Streit gekommen und der 21-jährige Angeklagte habe schließlich mit einem Schlagring mit ausklappbarem Messer auf seinen Kontrahenten eingestochen, sagte sie. Der 22-Jährige Mann war am Tatort verblutet, seine Leiche wurde erst am nächsten Tag von Anwohnern auf dem Spielplatz entdeckt.

"Auch wenn sich der genaue Zeitpunkt der tödlichen Stiche nicht mehr feststellen ließ, so ist es doch unstrittig, dass der Angeklagte der Täter war", sagte die Richterin. Das sei unter anderem durch DNA-Spuren belegt.

Zwischenfall im Gerichtssaal: "Machen Sie doch Platz!"

Wie schon zum Prozessauftakt gab es auch kurz vor der Urteilsverkündung einen kleinen Zwischenfall. "Sie haben doch gar nichts mit dem Opfer zu tun, machen Sie doch Platz für seine Freunde", rief ein Jugendlicher aus dem Umfeld des Opfers Zuschauern und Journalisten im Verhandlungssaal zu. Am ersten Verhandlungstag hatte ein Bruder des Getöteten den Angeklagten lautstark als "dreckigen Mörder" bezeichnet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 03.06.2021 | 12:00 Uhr

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