Eine Akte und ein Antrag auf Privatinsolvenz. © picture alliace Foto: Alexander Heinl

Zahl der Privatinsolvenzen in SH gestiegen

Stand: 07.10.2021 14:11 Uhr

Die Zahl der Privatinsolvenzen ist im ersten Halbjahr 2021 deutschlandweit um knapp 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen. Schleswig Holstein liegt laut Wirtschaftsauskunftei CRIFBÜRGEL über dem Durchschnitt.

Bundesweit gab es im ersten Halbjahr dieses Jahres 68 Privatinsolvenzen je 100.000 Einwohner. In Schleswig-Holstein sind es 84 Insolvenzen je 100.000 Einwohner. Der Grund liegt nach Angaben der Koordinierungsstelle Schuldnerberatung Schleswig-Holstein auf der Hand: Viele Betroffene haben demnach eine Gesetzesreform abgewartet. Seit Ende vergangenen Jahres gilt: "Wer privat pleite geht, ist nach drei Jahren von seinen restlichen Schulden befreit - und nicht mehr wie bisher nach sechs Jahren." Die Verkürzung gilt rückwirkend auch für Insolvenzverfahren, die ab dem 1. Oktober 2020 beantragt wurden.

Andere Insolvenz-Lage durch Corona

Nach Angaben der Koordinierungsstelle Schuldnerberatung spielte die Pandemie gleich zweifach eine Rolle: Zum einen waren viele von Kurzarbeit oder Einkommenseinbußen betroffen. Außerdem war es schwieriger, Insolvenz anzumelden, weil Kanzleien geschlossen hatten und es keinen Publikumsverkehr in den Gerichten gab.

Dass in Schleswig-Holstein im bundesweiten Vergleich der Anteil der Privatinsolvenzen relativ hoch ist, liegt nach Angaben der Koordinierungsstelle auch daran, dass das Lohnniveau relativ niedrig ist. Trotz des hohen Werts steht Schleswig-Holstein im Vergleich der norddeutschen Länder noch am besten da: Bremen führt die Statistik mit 135 Fällen je 100.000 Einwohner an, danach folgen Hamburg (97), Niedersachsen (94) und Mecklenburg-Vorpommern (90).

Sibylle Schwenk: Folgen erst in einigen Jahren sichtbar

Die Leiterin der Koordinierungsstelle, Sibylle Schwenk, sagte, die Folgen der Pandemie würden erst in einigen Jahren sichtbar sein. "Ich gehe davon aus, dass wir den großen Schwung von Überschuldung aufgrund der Corona-Pandemie erst in circa drei Jahren in den Beratungsstellen sehen." So lange dauere es erfahrungsgemäß, bis sich die Menschen professionelle Hilfe holten. "Das heißt, sie versuchen, Kredite zu beantragen, Freunde um Geld zu bitten und so weiter. Und irgendwie noch Sachen zu verkaufen, um sich irgendwie über Wasser zu halten."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 07.10.2021 | 13:00 Uhr

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