Stand: 24.05.2018 13:54 Uhr

Zahl der Islamisten im Land gestiegen

Es gibt immer mehr Islamisten in Schleswig-Holstein. Das geht aus dem am Donnerstag in Kiel vorgestellten Verfassungsschutzbericht 2017 hervor. Demnach hat sich die Zahl dieser Extremisten im vergangenen Jahr um etwa 25 Prozent erhöht - auf 550 Anhänger. Steigt damit auch die Terrorgefahr? Der Leiter der Verfassungsschutz-Abteilung im Innenministerium, Dieter Büddefeld, sagt: "Da sind natürlich auch politische Überzeugungstäter dabei. Also sie sind noch nicht bereit, terroristische Anschläge zu begehen oder in den Krieg zu ziehen. Insofern kann man das nicht eins zu eins gleichsetzen. Aber auch die Anzahl der terroristischen Verdachtsfälle ist entsprechend gestiegen in Schleswig-Holstein und bundesweit."

Unter den verschiedenen Formen des radikalen Islam ist die islamistische Strömung des Salafismus die, die am rasantesten wächst. 2017 gab es laut Verfassungsschutz 500 erfasste Salafisten, 2016 waren es 370. 2014 waren es noch rund 230.

Grote: Verfassungsschutz als Frühwarnsystem

Schleswig-Holsteins Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) spricht von einer angespannten Sicherheitslage. Ihm bereiten besonders der islamistische Terrorismus und zunehmende Radikalisierungstendenzen an den politischen Rändern Sorge. "Der Verfassungsschutz erweist sich als unverzichtbares Frühwarnsystem zum Schutz unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung", sagte Grote. Der Verfassungsschutz müsse sich darauf konzentrieren, den politischen Extremismus zu beobachten.

  • Was wollen Islamisten?

    Als Islamismus bezeichnet das Bundesamt für Verfassungsschutz eine religiös motivierte Form des politischen Extremismus. Islamisten sehen in den Geboten des Islam Handlungsanweisungen für eine islamistische Staats- und Gesellschaftsordnung. Sie sagen, alle Staatsgewalt könne ausschließlich von Gott (Allah) ausgehen. Damit richten sich islamistische Bestrebungen gegen die Wertvorstellungen des deutschen Grundgesetzes.

  • Was wollen Salafisten?

    Der Salafismus ist eine ultrakonservative Strömung des Islam, der eine Rückkehr zu den Wurzeln des Islams will. Diese Ideologie ist vom Wahhabismus geprägt und geht auf Muhammad Ibn Abdalwahhab (1703-1792) zurück. Ziel von Salafisten ist es, Staat, Rechtsordnung und Gesellschaft nach einem salafistischen Regelwerk umzugestalten. In letzter Konsequenz soll ein islamischer Gottesstaat entstehen. Die demokratische Grundordnung in Deutschland lehnen Salafisten somit ab.

  • Was wollen Dschihadisten?

    Die islamische Tradition kennt den "kleinen Dschihad" und den "großen Dschihad". Der "große Dschihad" ist friedlich. Er bezeichnet das individuelle Bemühen um das richtige religiöse Verhalten gegenüber Gott und den Mitmenschen. Der "kleine Dschihad" ist kriegerisch. Er beschreibt den gewalttätigen Kampf zur Verteidigung und Ausweitung des Herrschaftsgebiets des Islam. Dschihadistische Islamisten berufen sich ausschließlich auf den "kleinen Dschihad". Gewalttaten werden für sie durch den Islam gerechtfertigt.

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Ideologisierte Kämpfer kommen teils zurück

Islamistische Kämpfer tarnen sich offenbar in vielen Fällen als Flüchtling, um nach Deutschland einzureisen. Entsprechende Hinweise liegen dem Innenministerium vor. Mit dem Niedergang der Terrororganisation Islamischer Staat muss laut Innenministerium vermehrt damit gerechnt werden, dass ideologisierte Kämpfer, teils mit ihren Familien, wieder nach Deutschland und Schleswig-Holstein zurückkommen.

Radikale Ideen auf dem Vormarsch

Aber auch andere radikale Ideen finden vermehrt Zulauf. Deutlich gestiegen sei im Jahr 2017 die Zahl der registrierten sogenannten Reichsbürger, so der Verfassungsschutzbericht. 230 Personen konnten als Reichsbürger eindeutig identifiziert werden. Das sind mehr als vier Mal so viele wie 2016, da registrierte der Verfassungsschutz 54 Personen. Diese erkennen die Bundesrepublik nicht als Staat an. Auch die Identitäre Bewegung (IB) Deutschland hat laut Verfassungsschutz 2017 in Schleswig-Holstein weiter Fuß gefasst und mit mehreren öffentlichen Aktionen auf sich aufmerksam gemacht.

Rechtsextremisten registrierte der Verfassungsschutz 2017 etwa vier Prozent weniger als im Vorjahr, nämlich 1.300 Personen. Als einen Grund dafür wird die nachlassende Anti-Asyl-Bewegung genannt.

Weitere Informationen

Fachtag: Wenn sich Jugendliche radikalisieren

Beim landesweiten Fachtag haben Lehrer, Sozialarbeiter und Fachleute zum Thema "religiöse und politische Radikalisierung bei Jugendlichen" diskutiert. Gerade die Zeit der Pubertät kann kritisch sein. (09.03.2017) mehr

Immer mehr Salafisten in Schleswig-Holstein

Sie folgen dem Versprechen von Stärke, Macht und Zusammengehörigkeit: Die Zahl der radikalen Muslime im Land steigt. Vor allem junge Männer lassen sich anwerben, auch in Fußgängerzonen. ( 09.02.2016) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 24.05.2018 | 12:00 Uhr

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