Stand: 25.12.2018 12:04 Uhr

Wolf GW781m: Von Mecklenburg bis nach Skagen

von Daniel Kummetz, Jörn Schaar, Jörg Jacobsen

Weiter in Richtung Westen geht es auf dem schleswig-holsteinischen Festland sonst nirgendwo: Die Halbinsel Eiderstedt ragt in die Nordsee hinein, ist bekannt für das platte Land, den Leuchtturm von Westerhever und den Strand bei St. Peter-Ording. Bei Urlaubern ist die Gegend beliebt - und offenbar ebenso bei Wölfen. Seit Jahren fallen dort immer wieder Schafe den wildlebenden Raubtieren zum Opfer. Aus den Daten des Landes geht hervor, dass immer nur ein Wolf zur Zeit dort war. Der Wolf, der 2017 in der Gegend unterwegs war, ist weitergezogen nach Dänemark. Auf seinem Weg hinterlässt er jede Menge Spuren. Er trägt in den Datenbanken der Wissenschaftler das Kürzel GW781m.

Nachweise in zahlreichen Regionen

GW781m ist in der Lübtheener Heide in Mecklenburg-Vorpommern geboren. Einige Tiere des Rudels tragen einen Sender und können so sehr genau beobachtet werden. GW781m gehört nicht dazu. Wissenschaftler konnten allerdings seine DNA in zahlreichen Landesteilen im Norden nachweisen: Im August 2017 im Kreis Segeberg, im September in den Kreisen Rendsburg-Eckernförde, Nordfriesland und Dithmarschen und im Oktober im Kreis Schleswig-Flensburg. Wenn man die Punkte auf der Karte verbindet, sieht es so aus, als wäre der Wolf aus Mecklenburg zuerst zielgerichtet in Richtung Westen gelaufen und dann umgedreht und nach Norden abgebogen.

In dieser Zeit gab es auch auffällig viele Sichtungen und Fotonachweise. Sie zeigen, wie ein Wolf nachts durch einen Garten läuft und sich auch tagsüber in Dörfern aufhält. Die Wolfsbetreuer vermuten, dass es sich dabei um das Tier mit der Nummer 781 handelt. Zweifelsfrei belegen lässt sich das allein anhand der Aufnahmen nicht. Allerdings gibt es nach Angaben des Landesamts für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) in dieser Region und in diesem Zeitraum keine genetischen Spuren von anderen Wölfen.

Dänen veröffentlichen Quartalsberichte

An der Landesgrenze ändert sich die Zuständigkeit für das Monitoring der Wölfe. In Dänemark sind das Nationale Zentrum für Umwelt und Energie an der Univesität Aarhus und das Naturhistorische Museum in Aarhus dafür zuständig. Vierteljährlich veröffentlichen sie einen Bericht. Die dänischen Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich der Wolf mit der Nummer 781 seit Monaten auf der Nordjütische Insel aufhält. "Das scheinbar regelmäßige Wanderungsmuster könnte darauf hindeuten, dass GW781m jetzt in einem festen Gebiet patrouilliert", heißt es im Bericht für das zweite Quartal (PDF, dänisch). Eine Partnerin hat er bislang offenbar jedoch nicht gefunden.

Spuren im Sand an Dänemarks Nordspitze

Wie auch in Schleswig-Holstein gelingen immer Fotos von dem Tier - teilweise aus kurzer Entfernung. "Die Nachweise haben eine räumliche und zeitliche Chronologie, was Anlass zu der Schlussfolgerung gibt, dass es sich mit großer Sicherheit um GW781m handelt", schreiben die dänischen Forscher. Mitte November 2018 fand ein Vogelwart Pfotenabdrücke am Strand nördlich von Skagen, dort wo Skagerrak und Kattegat zusammenfließen. Weiter in Richtung Norden geht es auf dem dänischen Festland sonst nirgendwo.

Wolf 781 läuft immer wieder vor Kameras

Weitere Informationen

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Die Rückkehr des Wolfes nach Schleswig-Holstein bewegt viele im Land. Im Dossier bei NDR.de berichten die NDR Reporter über Aktuelles und Hintergründe. mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 19.12.2018 | 19:30 Uhr

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