Stand: 21.01.2020 20:27 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Wohl vorerst kein Warnstreik am UKSH

Streiken die Beschäftigten am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH)? Nachdem auch in vierter Verhandlungsrunde kein Durchbruch erzielt worden war, stand diese Frage im Raum. Das UKSH wollte vor dem Arbeitsgericht in Lübeck mögliche Streiks durch eine einstweilige Verfügung verbieten. Das UKSH berief sich auf Handzettel mit konkreten Terminen für Warnstreiks, die die Gewerkschaft Ver.di im Vorfeld verteilt haben soll. Ver.di-Sprecher Frank Schischefsky zeigte sich verwundert - die Flyer seien echt, aber einen offiziellen gewerkschaftlichen Beschluss für einen Warnstreik habe es nie gegeben. Das UKSH hingegen teilte nach dem Gerichtstermin mit, die Gewerkschaft habe nun diverse Warnstreikaufrufe zurückgezogen.

Einen Aufruf zum Warnstreik habe es von der Gewerkschaft definitiv gegeben, sagte UKSH-Sprecher Oliver Grieve NDR Schleswig-Holstein. Nein, sagte dagegen Schischefsky: Man habe nie zum Warnstreik aufgerufen. Und da man nie geplant habe, konkret zu streiken, hätten beide Seiten den Rechtsstreit vor dem Arbeitsgericht in Lübeck für erledigt erklärt. Das Verfahren sei ins Leere gelaufen. Darüber hinaus habe man aber eine Notdienstvereinbarung erzielt, die im Streikfall Anwendung finde, so Schischefsky.

Ver.di-Flyer sorgt für Verwirrung

Für die ganze Verwirrung hatte offenbar ein Flyer der Gewerkschaft gesorgt: Der Zettel hat die Überschrift "Ultimatum Zwischenergebnis, sonst Streik". Er enthält einen Forderungskatalog und einem Aufruf zum Streik am Mittwoch, den 22. Januar, mit Beginn der Frühschicht im Zentrum für integrative Psychiatrie und in der UKSH-Akademie. Der Richter am Arbeitsgericht in Lübeck habe diesen Flyer als übliches Säbelrasseln in einem solchen Konflikt bezeichnet, sagte Schischefsky.

Haustarifvertrag namens "Entlastung"

Worum geht es im derzeitigen Tarifkonflikt? Die Pflegekräfte am UKSH wollen entlastet werden. Sie klagen an den Standorten in Kiel und in Lübeck über mehr Aufgaben, weniger Zeit und weniger Personal. So müssten Patienten abgewiesen werden oder könnten nur notdürftig versorgt werden, obwohl sie eine intensive Pflege bräuchten. Die Pflegekräfte wollen einen Haustarifvertrag namens "Entlastung". Bereits seit Ende des vergangenen Jahres verhandeln das UKSH und die Gewerkschaft Ver.di darüber.

Es geht um 5.000 Beschäftigte

Das Ziel von Ver.di ist, für die rund 5.000 Beschäftigten an den Standorten Kiel und Lübeck vor allem bessere Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Gefordert ist eine bestimmte Anzahl von Sollstellen. Unterschreitet das UKSH diese, soll es Sanktionen geben. Weitere Forderung: Beschäftigte, die Überstunden machen, sollten dafür einen gerechten Belastungsausgleich bekommen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 21.01.2020 | 20:00 Uhr

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