Stand: 15.03.2019 09:06 Uhr

Wölfe: Strengere Regeln für Schäfer in vier Kreisen

Von Freitag an sind die Kreise Dithmarschen, Steinburg, Pinneberg und Segeberg so genannte Wolfspräventionsgebiete. Für Schäfer gelten nun besondere Bestimmungen beim Herdenschutz. Sie müssen ihre Herden mit Elektrozäunen schützen. Tun sie das nicht, gibt es keine Entschädigung mehr, wenn ein Wolf ihre Schafe reißt. Zunächst gilt die Regel nur für größere Betriebe mit mehr als 500 Tieren. "Ziel ist es, die hier ansässigen und durchs Land wandernden Wölfe gar nicht erst an Nutztiere als Nahrungsquelle zu gewöhnen", teilte Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) am Donnerstag mit.

Nur 70 Anträge auf Fördergelder für Zäune

Albrecht hatte seine Pläne vor einem Monat vorgestellt. Die Schäfer reagieren sehr verhalten auf diese Neuerung. Zwar erstattet das Land ihnen den kompletten Anschaffungspreis für die Zäune, aber die Schäfer beklagen, dass sie auf Unterhaltungs- und Wartungskosten sitzen blieben. Außerdem hätten sie viel Arbeit damit und müssten zusätzliche Leute einstellen. Richtig ist: Das Land hat eine Erstattung oder Förderung von Folgekosten explizit ausgeschlossen. "Nicht gefördert werden können zum Beispiel Auf- und Abbau von Zäunen sowie Kosten, die durch die Zaununterhaltung entstehen oder Kosten für die Haltung der Herdenschutzhunde", teilt Joschka Touré vom Umweltministerium auf Anfrage mit.

Das wirkt sich offenbar auf die Zahl der Anträge aus: In den vier betroffenen Kreisen gibt es 470 Schäfer, aber nur etwa 70 von ihnen haben laut Umweltministerium bisher einen Antrag eingereicht. Das Ziel des Ministeriums ist es, bis zum Sommer alle größeren Betriebe in den Präventionsgebieten mit Herdenschutz auszustatten. Laut Ministerium gibt es in den vier Kreisen etwa 85.000 Schafe. Das sind knapp 42 Prozent aller Schafe im Land.

Auch Herdenschutzhunde können gefördert werden

Im Etat des Umweltministeriums sind für 2019 mehr als eine Million Euro für das Wolfsmanagement eingeplant, unter anderem für den Herdenschutz. Die Schäfer müssen einen formlosen Antrag per Mail stellen und damit gilt ihre Herde für das Land schon als geschützt. "Alle Halterinnen und Halter, die einen Antrag gestellt haben, haben weiterhin Anspruch auf eine Entschädigungszahlung nach einem Wolfsriss. Das gilt unabhängig davon, ob der durch das Land finanzierte Herdenschutz bereits geliefert werden konnte oder nicht", teilte das Ministerium mit. Das heißt: Wer jetzt noch einen Antrag stellt, ist auf der sicheren Seite. Dann folgt ein Beratungstermin, in dem der Bedarf ausgelotet wird. Mit dem Protokoll dieses Termins können die Schäfer drei Angebote einholen. Die gehen zum Land und dann kann der Schäfer den günstigsten Zaun kaufen. Erlaubt sind übrigens auch Herdenschutzhunde, aber auch hier geht es nur um die Anschaffung der Tiere - Futter oder Tierarztkosten sind ebenfalls von einer Förderung ausgeschlossen.

Größere Weidetiere - insbesondere Pferde und Rinder - gelten laut Ministerium in der Regel nicht als gefährdet. "Deren Halter müssen zunächst keinen Antrag stellen, da bei ihnen im Fall der Fälle die Ansprüche auf die Gewährung eventuell doch anfallender Ausgleichszahlungen auch ohne speziellen Antrag erhalten bleibt", heißt es.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 14.03.2019 | 16:30 Uhr

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